Ehrenamtliche Arbeit gewürdigt

Norbert Reiß ist der erste "Dieburger des Jahres"

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Norbert Reiß wird unter dem Applaus der 400 Gäste des Neujahrsempfangs in der Römerhalle zur Preisverleihung auf die Bühne gebeten.

Dieburg - Norbert Reiß erhält die Auszeichnung für seine Arbeit im Verein „Zahnärzte helfen“. Er sammelt jährlich bis zu 60 .000 Euro für Kinder in Peru. Von Jens Dörr

Norbert Reiß ist der erste „Dieburger des Jahres“: Bürgermeister Frank Haus (parteilos) und Stadtverordneten-Vorsteher Harald Schöning (CDU) zeichneten den Zahnarzt gestern Nachmittag auf dem städtischen Neujahrsempfang in der Römerhalle für die ehrenamtliche Arbeit im Verein „Zahnärzte helfen“ und insbesondere dessen medizinischer Hilfe für Kinder in Peru aus.

Zur Verleihungspremiere der Auszeichnung, deren Einführung im Vorjahr die Stadtverordneten beschlossen hatten, präsentierte Haus vor 400 Gästen auch die passende Skulptur: Der Dieburger Maler, Zeichner und Bildhauer Martin Konietschke hat den „Dieburger“ entworfen, dem eine echte, aber nicht benannte Person aus der Gersprenzstadt als Vorbild diente. Sie zeigt einen älteren Herrn mit „Batschkapp“, der mit den Händen in der Jacke das Geschehen um sich herum beobachtet. Wertvoller für Reiß’ Anliegen sind jedoch die 500 Euro, mit der die Stadt den Titel „Dieburger des Jahres“ (der freilich auch eine Dieburgerin sein kann) dotiert hat.

Der Preis.

An Ideen, wie er das Geld verwenden könnte, wird es Norbert Reiß nicht mangeln. Seit 1993, also seit 26 Jahren, engagiert sich der Mediziner in der Zahnbehandlung von Kindern in ärmeren Ländern – Pfarrer Manfred Gärtner habe in ihm damals die „Initialzündung“ ausgelöst, blickte der Dieburger gestern in seiner Ansprache zurück. Den Verein „Zahnärzte helfen“ gründete Reiß mit einigen Kollegen 1999. Noch immer ist er der Erste Vorsitzende, arbeitet im Vorstand auch interkommunal: Der Zweite Vorsitzende Peter Luderer-Pflimpfl und Kassenprüfer Martin Philip Fuchs etwa wohnen in Groß-Zimmern. Insgesamt arbeiten an der guten Sache inzwischen 40 Zahnärzte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit.

Schwerpunkt ist nach den Anfängen in Brasilien derzeit vor allem die zahnmedizinische Hilfe in den peruanischen Hochanden, wo es in vielen abgelegenen Bergdörfern weder Zahnärzte noch die finanziellen Mittel gibt, um deren Leistungen überhaupt zu bezahlen. In die Welt dieser sehr zurückgezogen lebenden Menschen, die meist noch die alte Inka-Sprache sprechen und kaum moderne Medizin kennen, haben Reiß und sein Verein inzwischen fast eine halbe Million Euro für die medizinische Grundversorgung gebracht – die vielen unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden nicht eingerechnet.

Wie Norbert Reiß nach der Veranstaltung verriet, habe man allein 2018 eine Summe von rund 60 000 Euro für die Arbeit in Peru gesammelt. „Die Spender kommen vorwiegend aus Dieburg, die höchste Einzelspende betrug 20 .000 Euro.“ Zunächst habe der Großteil der Einnahmen aus überlassenem alten, .eingeschmolzenen Zahngold gestammt; mittlerweile machen Geldspenden den Löwenanteil aus und werden vom Verein treuhänderisch und kostenfrei verwaltet.

Den nächsten Flug nach Peru hat Norbert Reiß bereits gebucht. Dennoch ist der 67-Jährige weiter auch in seiner Praxis in der Dieburger Konrad-Adenauer-Straße tätig, wo er die Nachfolge mit dem vor einigen Monaten hinzugewonnenen Zahnarzt (und Dieburger) Georg Christ schon vorbereitet hat. Wie lange er selbst noch praktizieren wird, ließ er am Wochenende offen.

Sicher ist jedoch, dass sich Norbert Reiß über seine Praxis hinaus weiter auch für die Gesundheit von Kindern hierzulande einsetzen wird. Beispielhaft steht dafür sein Engagement für die „Tour der Hoffnung“, bei der Prominente zugunsten krebskranker Kinder in Deutschland radeln und Spenden sammeln. Ein ähnliches Format hat sich in Dieburg längst auch mit der „Hoffnungstour“ (die ihre Einnahmen der „Tour der Hoffnung“ zur Verfügung stellt) etabliert. Auch die Pfarrer-Röper-Stiftung hat schon von Spenden, die Reiß’ sammelte, profitiert.

Die Entscheidung, dass Norbert Reiß erster „Dieburger des Jahres“ wird, traf eine Jury, der unter anderem die Magistratsmitglieder und Fraktionsvorsitzendem aus dem Stadtparlament angehörten. Laut Stadtverordneten-Vorsteher und Laudator Harald Schöning seien „zehn, elf“ Personen oder auch Gruppen vorgeschlagen worden. Über die Entscheidung – auch um sicherzugehen, dass der Ausgewählte die Auszeichnung annimmt – hatte die Jury Norbert Reiß Ende des vergangenen Jahres informiert. Der Zahnarzt nahm die Ehre ausdrücklich stellvertretend für sein ganzes Team an und dankte namentlich besonders seiner Frau Angelika für ihre Unterstützung.

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