Notarztstandort am St. Rochus?

Dieburg ‐  Dass sich die Anzahl der Risikofälle im Rettungsdienstbereich Dieburg bedenklich erhöht hatte, war den Verantwortlichen im St. Rochus Krankenhaus erstmals vor zwei Jahren aufgefallen. 500 Risikofälle waren es pro Jahr im Versorgungsgebiet des in Groß-Umstadt stationierten Notarztes - und das, obwohl das hessische Sozialministerium den Schwellenwert bereits auf 365 im Jahr erhöht hatte. Von Lisa Hager

Die zuständige Fachabteilung des Landkreises reagierte: Im März diesen Jahres startete sie eine Angebotsabfrage für ein zusätzliches Rettungssystems im Raum Dieburg. Das Angebot des St. Rochus stellte sich trotz Besetzung durch reine Fachärzte der Intensivstation als das kostengünstigste heraus. „Ende April aber intervenierte die Kreisklinik Groß-Umstadt“, so heißt es in einer Stellungnahme der Klinikleitung des St. Rochus zum Thema. Begründung: Schließlich sei Groß-Umstadt als Notfallkrankenhaus ausgewiesen und nicht Dieburg. Viele Debatten folgten.

NEF könnte ab 1. Januar seinen Dienst aufnehmen

Um die Lage zu klären, hatte Bürgermeister Dr. Werner Thomas Anfang diesen Monats alle Beteiligten zum Runden Tisch eingeladen. Laut einem Gesprächsprotokoll, das Thomas gegenüber unserer Zeitung bestätigte, hat sich dabei folgender Kompromissvorschlag ergeben: Als Standort für das zusätzliche Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) wurde Dieburg vorgeschlagen. „Das wurde von allen Beteiligten als das Vernünftigste angesehen“, so Thomas. Auch der Leiter des Rettungsdienstes beim Landkreis, Dr. Müller, habe das so gesehen. Besetzt werden soll die Wache im wöchentlichen Wechsel je zur Hälfte mit Notärzten der Umstädter Kreisklinik und des St. Rochus. Die Verantwortlichen, Dr. Andreas Jalowy (Leiter der Anästhesie in Groß-Umstadt), und Dr. Patrick Schmenger (Leiter der Intensivstation in Dieburg) erklärten in dem Gespräch, dass das NEF ab 1. Januar seinen Dienst aufnehmen könne. Als Wachenstandort erscheint Schmenger nach den Vorgaben für Notarztstandorte nur ein Standort in Dieburg am Krankenhaus sinnvoll.

Kooperation könnte Vorbild für ganz Hessen sein

Ganz so eindeutig sieht man die Gretchenfrage nach dem Standort laut einer Stellungnahme des Landrats noch nicht: „Es soll ein tragfähiges, mit allen abgestimmtes Gesamtkonzept Notfallversorgung erstellt werden. Dies braucht ausreichend Zeit“, so Klaus Peter Schellhaas. Es gehe nicht um Partikularinteressen einzelner Kliniken - sei es in Groß-Umstadt oder Dieburg, sondern um die optimale notärztliche Versorgung der Menschen im Osten des Landkreises. „Wenn uns unter dieser Prämisse eine Kooperation beider Kliniken gelingt, ist das ein großer Schritt zur Sicherung und Optimierung der medizinischen Versorgung“, so Schellhaas. Diese Kooperation könne Vorbildcharakter für ganz Hessen haben.

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