Öl unterm Kreisel

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Messungen stoppen vorerst Bauprojekte an Marienplatz und Frankfurter Straße wegen Öl-Fund.

Dieburg ‐ Schon beim Bau der Römerhalle haben die Stadtverodneten keine gute Erfahrungen mit Bodengutachten gemacht. Noch bevor die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschuss über den Entwurf des ersten Nachtragshaushalt debattieren konnten, brachte Bürgermeister Dr. Werner Thomas eine Änderung im Zahlenwerk ein. Von Dirk Beutel

Bei routinemäßigen Grundwassertests haben erste Laborberichte des Amts für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) ergeben, dass der Untergrund im Bereich des zukünftigen Marienplatzkreisels verunreinigt ist. Obgleich die Experten derzeit weder genauere Angaben hinsichtlich eines Verursachers noch zu Ausmaß und Verbreitung der Verschmutzung machen können, beschloss der Magistrat den ursprünglich geplanten Baubeginn für Juli /August vorerst zu verwerfen. Deshalb sollen die dafür eingestellten Gelder zurückgenommen werden. Dem Plenum lag demzufolge bereits zu Beginn der Sitzung ein veralteter Entwurf vor.

Bei der Verunreinigung handelt es sich nach Angaben des Magistrats um Ölreste, genauer gesagt polyaromatische Kohlenwasserstoffe. Darüber hinaus habe das ASV dem Verkehrsministerium des Landes vorgeschlagen, die vorgesehene Kostenbeteiligung am Kreiselbau - rund 288 000 Euro - vorerst nicht freizugeben, erläuterte der Bürgermeister. Er selbst konnte auch noch nichts Genaueres zur Dauer der Sanierung sagen: „Manche Experten sprechen von zwei Jahren, andere von einem längerem Zeitraum.“ Da bislang nichts über einen potenziellen Verursacher gesagt werden kann, befürchtet man unerwartete Mehrkosten für den Straßenumbau. Rechtlich könne man einen Verursacher zwar für die Sanierung zur Verantwortung ziehen - allerdings zeige die Erfahrung, „dass meist die Allgemeinheit zur Kasse gebeten wird“, so Herbert Nebel (Grüne).

Bereits vor der Sichtung des Nachtragshaushalts wurden die Ausschussmitglieder von Architekt Tilman Lange über den aktuellen Kostenverlauf und die Auftragsvergabe für die Römerhalle informiert. „Es gibt keinen Hinweis auf eine Veränderung in der Summe“, so Bauleiter Peter Skora. Einziger Posten: Witterungsbedingte Mehrkosten seien an anderer Stelle wieder eingespart worden. Auf Nachfrage erklärte Skora, dass mittlerweile etwa 50 Prozent der Aufträge vergeben seien.

In jedem Fall deckelt die Stadt die rund 1,8 Millionen Euro und weitere Fehlbeträge mit einem Griff in den Sparstrumpf (wir berichteten). Zusammen mit weiteren Einsparungen in der Verwaltung ergäbe das im Nachtragshaushalt ein positives Ergebnis von 71 252 Euro. Allerdings war diese Zahl bereits zu Beginn der Sitzung hinfällig, da die Investitionen für Frankfurter Straße und Marienplatzkreisel darin noch eingerechnet waren.

Durch die Verschiebung der Baumaßnahmen haben die Stadtverordneten nun keinen Zeitdruck mehr, das Zahlenwerk hastig abzusegnen. Eigentlich wollte man noch vor der Freigabe der Bahnunterführung Ende diesen Jahres mit der Straßenneugestaltung fertig sein.

Nach Meinung von Andreas Will (Grüne) müsse der Ausschuss zudem über die Einzelposten der komplett im Nachtragshaushalt formulierten Mehrkosten für die Römerhalle diskutieren. Grund: Einiges käme erst im nächsten Jahr zur Auszahlung.

Vor allem wegen der Folgen des plötzlichen „Ölvorkommens“ kam der Ausschuss zu keiner Beschlussempfehlung zum Nachtragshaushalt.

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