Prall gefüllter „Lesekoffer“ startet seine Reise durch die Marienschule

Mit Olchis Leselust wecken

Bei einem so großen Angebot fällt die Auswahl schwer, doch schließlich wird jeder fündig. Foto: Bieniek

Dieburg (jb) - Da stehen sie nun, die zahlreichen farbenfroh gestalteten Kinderbücher, und warten darauf, von lesefreudigen Grundschülern „verschlungen“ zu werden.

Die Knickerbocker-Bande, Wicki, Geschichten vom Franz, Pferde- und Dinosaurierbücher und selbstverständlich auch die Olchis: Die Schüler der Marienschule haben die Qual der Wahl.

Katrin Chirico, Inhaberin der Buchhandlung Plappert, hat bereits alles vorbereitet. Um die Pennäler zum Lesen zu animieren, schickt sie in Koorperation mit diversen Buchverlagen heute sogenannte Lesekoffer auf die Reise. „Die Lesekoffer beinhalten für jede Jahrgangsstufe etwa 40 Bücher, prall gefüllt mit Bilder- und Sachbüchern, Lexika, aber auch echten Kinderklassikern wie Astrid Lindgren oder einer Comicversion von Erich Kästners „Pünktchen und Anton“, erzählt Chirico. „Das Angebot ist so vielfältig, da ist wirklich für jeden etwas dabei.“

Insgesamt fünf Kisten mit rund 150 Büchern stehen in ihrer Buchhandlung bereit, um von den Erst- bis Viertklässlern in Beschlag genommen zu werden. Der größte Teil wurde dabei von den Verlagen gespendet, aber auch Chirico steuerte ihren Teil dazu bei, um die „mobile Leihbücherei“ in diesem Umfang zu ermöglichen. Bis Juni werden die Bücher nun in den jeweiligen Jahrgangsstufen routieren und den Schülern hoffentlich vergnügliche Lesestunden bereiten – pünktlich zum Welttag des Buches am 23. April. Wer möchte, kann ein Lesetagebuch führen, in dem er das Gelesene bewertet.

Als die Schüler eintreffen, ist das Gedränge um den Lesestoff groß. Cora aus der 4c hat sich „Die fabelhafte Miss Braitwhistle“ ausgesucht – nicht ganz zufällig, wie sie verrät. „Ich kenne das Buch schon, aber die Geschichten der berüchtigten 4a - A wie Albtraum - sind einfach so lustig“, erzählt die Zehnjährige. Vor allem die neue Lehrerin, die keine Umlaute aussprechen könne, sei einfach zu komisch. Klassenkamerad Finn hat sich dagegen für ein großformatiges Tierbuch entschieden - „weil wir viele Tierfans in der Klasse haben.“

„Es scheint, als gebe es kein Mittelfeld mehr, in dem alle Kinder zumindest ein bisschen lesen“, hat Chirico beobachtet. „Einige Kinder sind richtige Leseratten und lesen sehr viel, ein großer Teil liest dafür aber überhaupt nicht mehr“, bedauert sie, was natürlich auch in Zusammenhang mit der zunehmenden Verbreitung neuer Medien stehe. Und: Das elterliche Verhalten sei für das Leseverhalten des Nachwuchses von großer Bedeutung, so Chirico, denn ein Kind übernehme das, was ihm vorgelebt wird. „Kinder, denen daheim nie vorgelesen wurde, greifen später eher selten zum Buch.“

Auch für Viertklässlerin Marie ist Lesen nicht selbstverständlich: „Ich habe einfach nicht so viel Zeit dafür, denn unter der Woche habe ich Malkurs und Nachhilfe, und meine Freunde will ich ja auch mal treffen.“ Erstklässler Ozan hat sich unterdessen ebenfalls für ein Buch entschieden. Zwar kann er naturgemäß noch nicht allzu viel Leseerfahrung vorweisen, hat sich mit dem dicken Schmöker aber offensichtlich einiges vorgenommen.

Dorothée Koser, Konrektorin der Marienschule, hat zur Übergabe der Lesekoffer Vertreter aus allen Klassen mitgebracht. Die systematische Heranführung der Schüler an Lesematerial ist an ihrer Schule schon lange Programm. „Schule muss mehr und mehr kompensieren, was daheim versäumt wird“, glaubt die Pädagogin, denn heutzutage gingen viele Schüler gar nicht mehr in Buchhandlungen oder eine öffentliche Bücherei.

„Wir bieten deshalb Angebote und Praxisunterricht rund ums Lesen, besuchen mit den Schülern Bibliotheken und haben den Bücherwurmtag ins Leben gerufen“, erzählt Koser. Die Aktion zur Leseförderung findet sie gut: „Wenn die Kinder nicht mehr zum Buch kommen, müssen die Bücher eben zu den Kindern kommen.“

Quelle: op-online.de

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