Oldtimer-Virus befällt ganze Generationen

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Karl Heinz Bahmer (von links), Thomas Schneider, Volker Bahmer und Gerd Balduf präsentieren stolz ihre Oldtimer.

Dieburg - „Wir möchten die Tradition des Dreieckrennens gerne aufrechterhalten und versuchen auch, die Begeisterung an andere weiterzugeben“, sagt Volker Bahmer. „Es ist sozusagen ein Generationen-Vertrag“. Der Oldtimer-Virus hat vor Jahren die ganze Familie Bahmer und deren Bekanntenkreis gepackt und hält die Infizierten seither fest im Griff. Von Verena Scholze

Vor einigen Jahren hatte ich einen Arbeitskollegen, der mich bat, seine 500er BMW aus dem Baujahr 1954 zu restaurieren“, blickt Bahmer zurück. „Ich nahm die Herausforderung an, denn ich hatte schon immer ein Faible für Motorräder.“ Es war ein großes Wagnis für Bahmer, der den Wert der alten Maschine zu schätzen wusste und äußerste Vorsicht bei der Restauration walten ließ. „Ich habe anhand alter Unterlagen an der Maschine gearbeitet“, so Bahmer, „und durfte die Maschine dann sogar mit der Erlaubnis des Arbeitskollegen mal fahren.“

Das offizielle Plakat kündigt das Dieburger Dreiecksrennen am 22. August an.

Wegen verschiedener Umstände trennte sich der Kollege nach einiger Zeit von dem guten Stück, da ergriff Bahmer die Gelegenheit und kaufte 2004 die Maschine, die ihm bereits ans Herz gewachsen war. Nachdem das Dieburger Dreiecksrennen im September 2005 sein erstes Revival ankündigte, stand für Bahmer und seinen Vater die Teilnahme fest. Karl Heinz Bahmer, der selbst seit 1954 Motorrad fährt und Besitzer einer 250er BMW Baujahr 1952 ist, unterstützte seinen Sohn in der Vorbereitung. Das Oldtimer-Rennfieber war ausgebrochen und viele Tage und Nächte verbrachte man in der Garage, um die Motorräder abzustimmen. Ähnlich erging es Gerd Balduf aus Semd. „Ich las damals einen Tag vor dem Rennen einen Artikel im Dieburger Anzeiger“, blickt Balduf, ein guter Freund der Familie Bahmer, zurück. „Dieser Artikel beschrieb das Dreiecksrennen und die Oldtimer so emotional, dass mein Interesse geweckt wurde und ich unbedingt live dabei sein wollte.“

Vor dem Start schlenderte Balduf durchs Fahrerlager und führte viele Gespräche mit den Oldtimer-Besitzern. „Da habe ich mir den Virus geholt“, gesteht er lächelnd. Die Anschaffung einer NSU Lux Baujahr 1953 war nur eine Frage der Zeit.

Thomas Schneider nimmt letzte Abstimmungen an seiner BMW vor.

Auch Karl Heinz Bahmers Schwiegersohn in spe, Thomas Schneider, ist in die Vorbereitungen für das kommende Dreiecksrennen involviert. Schneider, der jahrelang bei den Deutschen Meisterschaften im Motocross startete, greift ebenfalls zum Schraubenschlüssel und nimmt notwendige Reparaturen und Abstimmungen an den Motorrädern vor. „Er ist sozusagen unser technischer Leiter“, sagt Karl Heinz Bahmer schmunzelnd. Gemeinsam fährt man auf Messen und Veranstaltungen, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen oder um Ersatzteile zu besorgen. „Für BMWs sind die Ersatzteile relativ gut zu bekommen“, sagt Volker Bahmer. „Anders als bei anderen Oldtimern werden hier gute und qualitativ hochwertige Ersatzteile nachproduziert.“ Der Markt für Oldtimer ist groß und die Szene kennt sich. „Es gibt unterdessen nichts, was es nicht gibt“, sagt Balduf und erzählt, das man von nostalgischer Bekleidung über Mützen bis zu Schuhen, Koffern und Brillen sowie Helmen alles erwerben kann.

Körperlich fit und vom Material her bestens gerüstet sehen die Starter der Familie Bahmer nun dem Dreiecksrennen entgegen. „Unsere Maschinen sind im guten Zustand und wir freuen uns auf den Spaß am Renntag“, sagt Volker Bahmer. „Wir polieren noch ein bisschen und kleine Handgriffe gibt es immer zu tun“, so Schneider. Und einig sind sich alle: „Das erste Revival des Dreiecksrennen war der Anlass für unseren Oldtimer-Virus.“

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