Den Opfern Namen gegeben

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Vertreter des Vdk (von links), Bürgermeister Dr. Werner Thomas, Vertreter des Reservistenverbandes Dieburger Land und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning legten Kränze vor den zuvor enthüllten Tafeln mit den Namen der Dieburger Opfer des Zweiten Weltkrieges nieder.

Dieburg - „Das sind wir den Menschen schuldig, die auf diesen Tafeln stehen: Wir werden sie nicht vergessen“, erklärte Bürgermeister Dr. Werner Thomas gestern Nachmittag. Von Laura Hombach

Zum Volkstrauertag fand auf dem Dieburger Friedhof eine ganz besondere Gedenkveranstaltung statt. An der Friedhofskapelle wurden drei Gedenktafeln enthüllt, auf denen die Namen der Gefallenen, Vermissten und zivilen Opfer des Zweiten Weltkriegs verewigt sind. „Sie haben ihr Leben verloren, sie dürfen nie ihre Namen verlieren“ sind die drei Tafeln überschrieben. Möglich gemacht hat diese Tafeln eine private Interessengemeinschaft unter Federführung von Anne Sattig und Anneliese Rüth.

Basierend auf vom Heimatverein Dieburg veröffentlichen Namenslisten hatten sie weitere Namen gesammelt und Daten überarbeitet. Dank Spenden war es dann möglich, für diese Menschen mittels der Tafeln einen Ort des Gedenkens zu schaffen. Insgesamt sind hier die Namen von 383 Dieburger Opfern des Zweiten Weltkrieges zu lesen: 281 Gefallenen, 59 Vermissten und 43 zivilen Opfern.

„Wer vergessen wird, stirbt ein zweites Mal“

Wie wichtig diese Namensgebung sei, darauf hatten bei der vorangegangenen Gedenkveranstaltung auch Bürgermeister Dr. Werner Thomas, Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning und der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde, Dieter Schmidt, hingewiesen.

„Wer vergessen wird, der stirbt ein zweites Mal“, so Schöning. Um wieviel tiefer ein Schicksal berührt, wenn man ihm Namen und Gesicht gibt, zeigten Sattig und Rüth mit ihrer Lesung aus Benachrichtigungen an die Eltern von Gefallenen und Feldpostbriefen. Während in den offiziellen Benachrichtigungen vom tapferen Kameraden, der für den Sieg sein Leben gelassen hatte, die Rede war, kündet der Brief eines Soldaten von der Verzweiflung angesichts von Hunger und einem kaputten Bein. Auch der Briefschreiber musste 1943 sein Leben lassen.

Von Schmerz und Trauer erfüllt

Noch heute seien die Angehörigen der Opfer von Schmerz und Trauer erfüllt, so Thomas. Für sie sei es wichtig, dass man das Vergessen nicht zulasse.

All diese Tode seien um so bitterer, weil diese Menschen ihr Leben eben nicht für eine gute Sache gelassen hätten, sondern im Dienste einer Diktatur, resümierte Pfarrer Schmidt. Viele Soldaten hätten schon bald die Sinnlosigkeit ihrer Mission erkannt, aber nicht gewusst, wie sie sich hätten entziehen können.

Doch die Diktatur der Nationalsozialisten habe nicht nur Opfer gefordert, sondern es habe auch viele Täter gegeben. Bis heute täten sich Leute schwer, diese Schuld zu sehen und anzuerkennen, so Schmidt. „Leider müssen wir doch immer wieder erleben, dass die Nationalsozialisten verherrlicht werden“, bedauerte er. Und gerade deshalb sei das Erinnern so wichtig. Aus der Erinnerung des Leids erwachse der Impuls, sich für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Schon im Alltag eines jeden werde die Grundlage für ein friedliches Leben gelegt.

Erinnern am Volkstrauertag ist wichtig

Schöning erklärte der Volkstrauertag sei kein schöner Feiertag, aber ein notwendiger. Gerade weil Deutschland seit 67 Jahren vom Krieg verschont geblieben sei und die Nachrichten von anderen Kriegen in der Welt so unendlich weit weg erschienen, sei das Erinnern am Volkstrauertag so wichtig. Schöning erinnerte daran, dass es auch heute noch deutsche Soldaten gäbe, die in Kriegsgebieten im Einsatz sind. Den aus diesen Kriegsgebieten flüchtenden Menschen gelte es Aufnahme zu gewähren, so Schöning.

Umrahmt wurde die Gedenkveranstaltung in der Friedhofshalle von Manfred Müller an der Orgel und am Saxophon und Gesangsvorträgen von Inge Zimber und des Kellerschen Männergesangvereins. Ursula Teicher-Maier, Inge Zahn und Hans-Helmut Maier trugen eigens für den Anlass verfasste Gedichte vor.

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