Kirche hofft auf großzügige Spenden

Orgel wieder Klang geben

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Pfarrer Alexander Vogl hofft für die neue Orgel in der Wallfahrtskirche auf Spender. Der auf dem Foto neben den Orgelpfeifen abgebildete Lorenz Dörr hatte 1929 für die Arbeiten an Orgel und Glocken gespendet.

Dieburg ‐ Was Gemeinde und Kirche bereits lange befürchtet hatten, wurde nun traurige Gewissheit: die prachtvolle Orgel der Dieburger Wallfahrtskirche ist endgültig verstummt. Trotz aller Bemühungen und im Laufe der Jahre vorgenommen Restaurierungen und Säuberungen ist das Instrument nicht mehr zu retten. Von Verena Scholze

Seit dem Neubau ist der Zustand der Orgel technisch und musikalisch so unbefriedigend, dass weitere Investitionen nutzlos sind“, erklärt der Sachverständige des Bistums Mainz, Dr. Rodeland, in einem Gutachten. Diese Untersuchung wurde durch mehrere verschiedene Sachverständige bestätigt. So stellte sich der Verwaltungsrat diesem Gutachten und reichte beim Bistum Mainz einen entsprechenden Antrag ein, dem nach eingehender Prüfung stattgegeben wurde.

Da die Kosten für Glocken oder Orgeln nicht vom Bistum Mainz übernommen werden, ist eine Investition seitens der Gemeinde notwendig. „In der im August stattfindenden Verwaltungsratssitzung wird nun über weitere Maßnahmen nachgedacht“, erklärt Pfarrer Alexander Vogl. Bisher wurden noch keine Angebote bei entsprechenden Firmen eingeholt. „Alle Kosten sind bisher reine Spekulation“, so Vogl weiter.

Elektrische Orgel als Ersatz

Aber die Not in der Gemeinde ohne das Instrument in der Wallfahrtskirche ist groß. Das zeigt sich bisher in jedem Gottesdienst, bei dem man auf eine elektrische Orgel, die durch Lautsprecher verstärkt wird, zurückgreifen muss.

Für kulturelle Veranstaltungen wie die Dieburger Orgelmeile stellte der Konzertveranstalter eine Tonorgel zur Verfügung. „Wahrscheinlich werden wir auch für die stattfindenden Wallfahrten auf diese Maßnahmen zurückgreifen und eine entsprechende Tonorgel ausleihen müssen, um die Wallfahrten auch musikalisch entsprechend zu gestalten“, vermutet Pfarrer Vogl.

Die Orgel mit Empore in der Dieburger Wallfahrtskirche wurde 1759 vom Dieburger Kunstschreiner Johann Peter Achtekirch erbaut, der für seine Arbeit laut alten Aufzeichnungen 608 Gulden und 30 Kreuzer erhielt. Damals besaß die Orgel 18 Register, drei Bälge und zwei Windlachen.

„Sie soll spielfähig sein und nicht nur optisch schön“

Bereits 1769 wurde sie das erste Mal technisch und klanglich umgestaltet. Diese Orgel erweist sich heute als eine Rarität, denn es gibt keine vergleichbare Orgel dieser Art. Daher ist das Bestreben groß, das Orgelgehäuse zu erhalten.

Es soll eine mögliche Rekonstruktion der Orgel erfolgen. Da die Aussagen zu dem damaligen Aussehen jedoch alle spekulativ sind und nur mangelnd aussagekräftige Quellen das ursprüngliche Aussehen belegen, basiert diese Rekonstruktion eher auf Annahmen“, meint Pfarrer Vogl. Wichtig ist ihm vor allem, das rechte Maß zu finden. „Sie soll vor allem spielfähig sein und nicht nur rein optisch schön anzusehen“, bekräftigt Vogl.

Da die Dieburger Wallfahrtskirche ein Kulturgut darstellt und ein wichtiger Bestandteil der Gemeinde ist, die die Bevölkerung anzieht, erhofft sich Vogl Unterstützung durch die Dieburger.

Gibt es einen reichen Onkel in Amerika?

Es ist einiges denkbar“, sagt der Pfarrer. So kann er sich vorstellen, dass möglicherweise einzelne Orgelpfeifen oder Teile auf dem entsprechenden Markt zum Verkauf angeboten werden und die Einnahmen in die Neuanschaffung fließen.

Vielleicht findet sich auch wieder ein reicher Onkel aus Amerika“, sagt Vogl lächelnd und verweist damit auf den aus Dieburg stammenden und nach Amerika ausgewanderten Spender Lorenz Dörr, der bei der Restaurierung der Gnadenkapelle im Jahre 1929 einen finanziellen Beitrag zu den Arbeiten an Orgel und Glocken leistete.

Sollte sich dieser Onkel aus Amerika nicht melden, so bleibt die Hoffnung, dass sich vielleicht in oder um Dieburg ein großzügiger Spender finden lässt.

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