Drittel der Summe ist schon zusammen

Orgelpfeifen werden Engel und Nikoläuse

Aus Orgelpfeifen werden bei Ursula Burgdorf in Groß-Zimmern derzeit Engel und Nikoläuse - und indirekt auch Euros für den Orgel-Förderverein um Karlheinz Braun. Foto: Dörr

Dieburg - . Viele Ideen haben schon viel Geld eingebracht. Geld, das für eine neue Orgel in der Dieburger Wallfahrtskirche benötigt wird, denn die alte ist verstummt. Von Jens Dörr

Ziemlich genau 130 000 Euro hat der Orgel-Förderkreis um seinen Vorsitzenden Karlheinz Braun bislang zusammengebracht - obwohl es ihn, eingebettet in den 1899 gegründeten Kapellenbau-Verein - erst seit etwa einem Jahr gibt.

Angesichts voraussichtlicher Gesamtkosten von rund 350 000 Euro für das neue Instrument eine wichtige Zwischensumme, denn mit rund einem Drittel des Betrags könne man demnächst an die Beauftragung des Baus denken, so Braun. Denn eine Orgel wird nicht mal eben in ein paar Wochen fertig. Auch könnte man so demnächst bei kulturellen Fördertöpfen besser vorstellig werden, als wenn auf dem Konto noch eine Null stehe. So sind es vier Nullen mit einer 13 davor - für Braun Ausdruck, dass die Leute, vor allem Dieburger, bei diesem Projekt begeistert mitziehen.

Spendenboxen, Aktionen wie der Wein-Mundart-Abend am Freitag und einiges mehr haben das Vorhaben vorangebracht. Wallfahrt 2013 ist das Ziel, an dem im Optimalfall schon die neue Orgel in der Kirche ertönen könnte.

Das wäre auch ein bisschen der Verdienst von Ursula Burgdorf: Sie, bekannt auch von der Kreativwerkstatt Groß-Zimmern, verarbeitet derzeit rund 150 der insgesamt 1532 alten Orgelpfeifen. Die können der alten Orgel problemlos entnommen werden, haben keine Funktion mehr und werden teils unter das Volk gebracht.

Burgdorf hatte einige bereits als Gartenwächter dekoriert und somit einer neuen Funktion zugeführt; in Kürze gibt es die Orgelpfeifen auch als Engel und Nikoläuse. Verziert sind sie etwa mit Draht, der die Pfeifen zum Engel macht und ihnen Flügel verleiht. Beim Nikolaus darf unter anderem der weiße Bart nicht fehlen. Verziert sind die Werke - teils größer, teils kleiner - auch mit Glassteinen. „Wir wollen die Orgelpfeifen lieber als Kunstwerk verkaufen als nackt“, begründet Burgdorf ihr Engagement. Ein großer Teil des Verkaufserlöses fließt an den Orgel-Förderverein. Da werde sogar die Zimmernerin Burgdorf als Unterstützerin des Dieburger Projekts akzeptiert, sagt Braun augenzwinkernd.

Am Martinsmarkt sind die Kunstwerke am Stand des Fördervereins zu sehen und zu erwerben. Der Stand wird sich vor der Pfarrkirche befinden. Auch am Glückstalermarkt, wenn die Nikoläuse in der Vorweihnachtszeit umso angesagter sind, wird es die verzierten Originalteile der alten Orgel zu kaufen geben. Das Instrument wurde 250 Jahre alt, einzelne Bestandteile können nun also auch diese Zeit noch überdauern.

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