Keine Nacht zum Verschlafen

Dieburger Christen entzünden Osterfeuer

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Die Dieburger Katholiken entzündeten das Osterfeuer auf der Kirchplatte vor St. Peter und Paul. Nachdem der Docht der Osterkerze brannte, trug sie Pfarrer Alexander Vogl (links) als einzige Lichtquelle in die abgedunkelte Kirche.

Dieburg - Osterfeuer haben eine jahrhundertealte Tradition und werden Jahr für Jahr in ganz Deutschland entzündet. Auch in Dieburg. Von Michael Just 

Es war am Samstagabend zur Ostermesse in St. Peter und Paul eine ungewohnte Atmosphäre: Kein Glockengeläut lud die Gläubigen ein, keine Orgel ertönte beim Einzug der Priester und Messdiener. Die Küsterin sah davon ab, Kerzen im Altarbereich zu entzünden. Dazu brannte kein Licht zum Gottesdienstbeginn, die Kirche war komplett in Dunkelheit getaucht.

Das änderte sich mit dem Hereintragen der Osterkerze: Ihr Schein leuchtete den Weg, danach wurde ihr Licht an die vielen, kleinen Kerzen der Besucher weitergegeben. Die spirituelle Atmosphäre hätte zu diesem Moment kaum größer sein können. Die Lampen an der Decke blieben aber immer noch aus und die Orgel stumm. Das änderte sich erst, als Pfarrer Alexander Vogl im Verlauf die Auferstehung Christi verkündete. Glockengeläut und Orgel setzten ein und untermalten, einem musikalischen Triumphzug gleich, die frohe Botschaft. Ergänzend wurde das Halleluja angestimmt, das in der Fastenzeit, und damit in den vergangenen 40 Tagen, nicht erklang.

Vorangegangen waren vier Lesungen aus der Bibel, die in dieser Menge ungewöhnlich sind. „Das könnte ein bisschen anstrengend werden. Aber der Weg zum Glauben und zur Erkenntnis ist nicht immer einfach“, sagte Pfarrer Alexander Vogl. In der zweistündigen Messe erinnerte er immer wieder daran, dass das Licht und das Osterfest Hoffnung gibt. „Deshalb ist die heutige Nacht keine Nacht zum Verschlafen“, mahnte der Pfarrer, was bei den Dieburger Katholiken angekommen schien: Die Stadtkirche war bis auf wenige Plätze sehr gut gefüllt.

Ostermarkt mit Flaniermeile

Ein Osterfeuer entzündete auch die evangelische Kirchengemeinde Dieburg. Das tat sie allerdings nicht in der Frankfurter Straße, sondern auf der Gemeindewiese in der Aubergenviller Allee. Die musikalische Begleitung übernahm der Posaunenchor. Mit dem Beginn um 18 Uhr hatten die Gläubigen allerdings ein wenig Pech mit dem Aprilwetter: Mehrfach setzte leichter Regen ein, sodass die mitgebrachten Schirme aufgespannt werden mussten. Pfarrerin Dorothee Benner gewann dem Nass von oben eine positive Seite ab: „Es braucht Regen. Die Erde ist gerade sehr trocken“, sagte sie. In den Mittelpunkt ihrer Andacht stellte sie den Auferstandenen. Anhand eines Bildes und einer Sägearbeit machte sie deutlich, dass man Jesus zweifach betrachten kann: Neben dem direkten Blick lasse sich auch durch ihn auf die Welt blicken. Nicht nur für Ostern rief sie dazu auf, dass die Menschen davon absehen, vorrangig die eigene Person in den Mittelpunkt zu stellen. So habe es schon immer zum Christentum gehört, sich um andere zu kümmern.

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