Ein Päckchen Kaffee für ein Stück Straße

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Stolz eröffneten Aktive des „Eine Welt Vereins Dieburg“ in der Steinstraße nun ihren eigenen „Weltladen“. Fair gehandelte Produkte, aber auch Informationen über die Geschichte hinter den Waren warten hier auf die Kundschaft.

Dieburg ‐ Ein neues Geschäft im Herzen Dieburgs hat seine Pforten für fairen Handel geöffnet: Der „Weltladen Dieburg“ bietet seinen Kunden Lebensmittel und Kunsthandwerk, modische Accessoires, Musikinstrumente, Gewürze und mehr von Produzenten aus Entwicklungsländern. Von Ursula Friedrich

Hinter jeder Tafel Schokolade, die im liebevoll arrangierten Warensortiment zu kaufen ist, steckt eine große Philosophie: Keine illegale Kinderarbeit, keine Ausbeutung der Bauern und Kunsthandwerker, kein sozial unverträglicher Handel, diese Ziele haben sich die Betreiber des über 30 Quadratmeter großen Ladengeschäfts in der Steinstraße 5 auf die Fahne geschrieben. Auch das Thema „Gesundheit“ wird groß geschrieben, viele Waren stammen aus biologischem Anbau.

Spezielle Handelspartner garantieren, dass Produzenten vor Ort, von Südamerika bis Asien, faire Preise für ihre Produkte erhalten. Da Zwischenhändler weitgehend umgangen werden, kann die Ware nach ihrer Ankunft in Dieburg zu ebenfalls fairen Preisen verkauft werden. Kommerzielle Ziele verfolgen die Betreiber des Weltladens nicht. Im Gegenteil. Das Team des Trägervereins, des „Eine Welt Vereins Dieburg“ arbeitet ehrenamtlich. Mit rund 20 Helfern in drei Schichten.

Der Verkauf von Kaffee, Tees, Gewürzen, Karten, Taschen, Weihnachtsdekoration und mehr ist dabei nur ein Bereich der Tätigkeit. „Es geht uns nicht primär um das Verkaufen, sondern um Information und Bildungsarbeit“, sagte Gerhard Werum vom Weltverein Dieburg. Langfristige Ziele des Vereins sind ebenso Informationsveranstaltungen, Vorträge und Diskussionen mit Produzenten.

Mehr erfahren über die Schicksale hinter den Produkten

Das persönliche Gespräch mit Kunden des neuen Ladens ist erste Etappe der Informationspolitik. Anonymes Einkaufen gibt es hier nicht, Beratung, Information und menschliche Kontakte gehen mit dem Geschäftsbesuch einher. Wer ein wenig Zeit mitbringt, erfährt viel über persönliche Schicksale, die sich hinter einzelnen Produkten verbergen. Mit der Erzeugung vieler Waren gehe ein soziales Projekt einher, erläutert Silvia Dilly, zweite Vorsitzende des Trägervereins. So kann der hiesige Kauf einer Packung Kaffee aus der Region Marcale in Honduras zum Bau einer Straße beitragen. „Dort gibt es nur eine Staubpiste, die sich bei Regen in Schlamm verwandelt“, erzählt Dilly, „aber viele Kaffeebäuerinnen haben sich zusammengeschlossen, um die Situation für ihre Familien zu verbessern.“ „Unsere Produzenten sind mit Überleben beschäftigt“, bringt es ein Mitarbeiter auf den Punkt. Um Menschen in entfernten Ländern eine Chance für ein menschenwürdiges (Über-) Leben zu bieten, gehen die Dieburger in die Offensive.

Der Geschäftseröffnung ging eine Fusion vieler einzelner Aktionsgruppen engagierter Bürger voraus: Nachdem die Vermietung der Immobilie durch die katholische Kirche publik wurde, hoben die Vertreter verschiedener Gruppierungen gemeinsam den Trägerverein aus der Taufe, der nun rund 50 Mitglieder zählt. Wer Zeit hat, bringt sich ehrenamtlich hinter der Ladentheke ein. Wochentags ist durchgehend von 9.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, samstags bis 13 Uhr.

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