Neues Leben für Musik und Texte von Heinz Erhardt

Dieburger Schlosskonzert mit Werken von Heinz Erhardt

+
Ekaterina Kitáeva und Walter Renneisen hauchten Texten und Musik von Heinz Erhardt neues Leben ein.  

Dieburg - Der Künstler Heinz Erhardt ist vielen bekannt als Meister des sprachlichen Humors und als Schauspieler. Seine Werke sind auch heute noch einzigartig und zeitlos. VonSebastian Kniza  

Doch nicht nur der pointierte Humor und das Schauspiel sind Passionen von Heinz Erhardt gewesen, sondern auch klassische Klavierstücke. Neben seiner Ausbildung zum Musikhändler studierte der junge Heinz Erhardt am Leipziger Konservatorium Klavier und Komposition. Zwischen 1925 und 1928 komponierte er Klavierstücke. Sein Sohn, Gero Erhardt, entdeckte die Werke seines Vaters 1994 zufällig auf dem Dachboden seines Elternhauses und eröffnete damit eine bis dahin unbekannte Seite des großen Dichters, Komikers und Schauspielers.

Ein Sensationsfund, der das große künstlerische Schaffen von Heinz Erhardt unterstreicht. „Sie sind wahnsinnig schwer zu spielen, aber wunder-wunderschön“ beschreibt die Tochter Verena Haacker die Musikkompositionen ihres Vaters. Ein besonderer Höhepunkt – nämlich die Verbindung von Erhardts musikalischem und sprachlichen Schaffen wurde dem Publikum zum Auftakt der Dieburger Schlosskonzerte am Freitag in der Römerhalle geboten.

Von der Pampelmuse geküsst

„Von der Pampelmuse geküsst…“ lautete der Titel des Konzertabends, ganz im Erhardtschen Sinn, denn es gibt laut dem Dichtergenie nicht nur eine Muse. Der Schauspieler Walter Renneisen und die Konzertpianistin Ekaterina Kitáeva interpretierten die dichterischen und musikalischen Werke von Heinz Erhardt eindrucksvoll. Gleich zur Begrüßung empfing Walter Renneisen das Publikum mit Erhardtscher Wortakrobatik vom Feinsten. Mimik und Gestik, gepaart mit einer wunderbaren Stimme, ließen die Gedanken- und Wortspiele lebendig werden. Das Publikum erfreute sich an den einfühlsam präsentierten Szenen und quittierte Renneisens Darbietungen häufig mit Gelächter.

Lesen Sie auch dazu:

Schlosskonzert in Hanau: Bach auf dem Akkordeon

Daran hätte sicherlich auch der Mann, dem an diesem Abend gehuldigt wurde, seine große Freude gehabt, denn Erhardt war es ein großes Anliegen, sein Publikum zum Lachen zu animieren. Aus alltäglichen Situationen und Anekdoten wurde bei ihm das Besondere, das Einzigartige des Moments, das in Formulierungen und Gedanken seinen Ausdruck fand. Mal komisch und auch mal hochdramatisch.

Walter Renneisen gelang es, diesen besonderen Moment der Dramatik und Komik perfekt darzustellen. Gekonnt setzte er die Pointen und regte das Publikum zum heiteren Mitdenken an. Bekannten Texten verlieh Renneisen eine aktuelle Form, interpretierte sie neu und schlug damit behutsam den Bogen in die Gegenwart.

Hommage an Heinz Erhardt

Die Hommage an den Künstler Heinz Erhardt ist Renneisen ein wichtiges Anliegen. Er hat sich intensiv mit dem Sprachkünstler und Komponisten befasst. Dabei stieß Renneisen auch auf den Musiker Erhardt. Gemeinsam mit der Konzertpianistin Ekaterina Kitáeva entwickelte er das Bühnenprogramm und verknüpfte das humoristische Erbe mit dem Werk des Komponisten. Mit viel Leidenschaft und Hingabe spielte Ekaterina Kitáeva am Freitagabend aus dem Repertoire des Pianisten Heinz Erhardt. Dramatik und Harmonie wurden von ihr gekonnt mit feinen Nuancen interpretiert. Der Höhepunkt des Abends war dann das Zusammenspiel von Klavier und Gesang bei den bekannten und geistreichen Erhardtschen Liedern.

Walter Renneisen und Ekaterina Kitáeva präsentierten an diesem Abend eine wunderbare Kombination der Erhardtschen Werke. Das Publikum durfte das Schaffen des Sprachkünstlers und Komponisten Erhardt leidenschaftlich inszeniert und interpretiert erleben.

Kommentare