Paradiesische Zustände

Dreimal vor ausverkauftem Haus in Dieburg: Hans-Joachim Greifenstein (links) und Clajo Herrmann. Foto: Grimm

Dieburg - Paradiesisch geht es derzeit beim „Ersten Allgemeinen Babenhäuser Pfarrer (!)-Kabarett“ zu. Ende vergangener Woche gastierte das Duo in der Dieburger Ludwigshall und begeisterte das Publikum mit dem neuen Programm „Schlange stehen im Paradies“. Alle drei Vorstellungen waren restlos ausverkauft.

„Paradies“ ist ein altpersisches Wort für „eingezäunt“. Und was innerhalb der Zäune so alles passiert, darüber haben Clajo Herrmann und Hans-Joachim Greifenstein so ihre eigenen Gedanken. Sie zeigen, dass sie über die Kraft des Wortes verfügen; mit voller Energie starten sie in den Abend, in dessen Verlauf das Tempo ihrer humoristischen Ausführungen nicht langsamer wird.

„Paradies“ wird von den Menschen mit dem Begriff „Glück“ in Verbindung gebracht. Doch was bedeutet Glück? Eine Antwort der Pfarrer dazu: 30 Jahre glücklich verheiratet sein und keinen Krieg haben. Wer heute sage, er sei glücklich, stelle sich an den Rand der Gesellschaft. Herrmann und Greifenstein ziehen immer wieder Vergleiche zu früheren Zeiten: „Früher hatte merr en heilische Geist, heut hawwe merr en Laptop.“ Heutzutage sei der ganz normale Jammerdeutsche stets „vollkaskoverzweifelt“.

Wie schon in den Vorgängerprogrammen kommt der ewige Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau nicht zu kurz. Schon im Paradies hätte Adam, belegbar durch die Bibel, nicht viel zu sagen gehabt. Damals wie heute: „Adam und Eva haben die selbe Sprache, benutzen sie aber unterschiedlich.“ Herrlich, wie die Pfarrer auf unnachahmliche Weise herbe Kirchenkritik üben, ohne dabei zu vergessen, wo sie herkommen. Das Publikum erfährt einiges über „spirituelle Kollateralschäden“ und „Konfessions-Schlaffis“. Und mit dem Anschlagen ihrer 95 Lieblingsprobleme an die Türen einer großen Discounter-Kette könnten die Deutschen eine „moderne Reformation“ einläuten.

Einmal mehr ist es dem Babenhäuser Pfarrerkabarett gelungen, Widersprüchlichkeiten, Fehlentwicklungen und den ganz normalen Wahnsinn der modernen Gesellschaft in teils derbem und teils tiefsinnigem Humor zu karikieren. Auch wenn sie viele Finger in offene Wunden legen, kanzeln sie niemanden ab und regen gerade deshalb zum Nachdenken an.MATTHIAS GRIMM

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