Mit Baldrian imprägnierte Stöcke sollen die scheuen Tiere im Wald anlocken

Parfüm für Wildkatzen

Diese ausgestopfte Wildkatze lässt sich im Gegensatz zu ihren lebenden Artgenossen ausgiebig fotografieren. - Fotos (3) : Bernauer

Dieburg - Gibt es die scheuen Wildkatzen im Wald zwischen Dieburg, Messel und Darmstadt, oder gibt es sie nicht? Um dies herauszufinden, wurden am Donnerstag Lockstöcke im Messeler Hügelland gesetzt. Von Ulrike Bernauer

18 dieser nach Baldrian duftenden Stöcke sollen an insgesamt neun Stellen im Wald, dem Lebensraum der Wildkatzen, verteilt werden.

„Wir hoffen, dass es hier im Landkreis auch Wildkatzen gibt“, sagte Carsten Heinrich von der unteren Naturschutzbehörde. Im Odenwaldkreis gibt es die Katzen und Informationen von Förstern, Naturschützern und Jägern zufolge sollen auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg Tiere gesichtet worden sein.

Die Lockstöcke werden mit Baldrian eingesprüht. Der Duft soll umherstreifende Tiere anlocken, die sich an dem rauen Holz reiben und dabei Haare hinterlassen. Mit einer genetischen Analyse, durchgeführt am Senckenbergmuseum, lässt sich dann feststellen, ob tatsächlich Wildkatzen am Stock waren.

„Das Projekt passt gut in unsere Naturschutzbemühungen“, sagte der Kreisbeigeordnete Christel Fleischmann. „Als erstes haben wir den Feldhamster im Landkreis wieder gefunden, dann kam der Biber und jetzt sind wir bei der Wildkatze. Es wird zunehmend wichtig, dass wir den Lebensraum der Wildtiere schützen.“

Den ersten Pflock schlug Fleischmann folglich persönlich in den Boden und er verteilte auch gleich den Baldrian. Einen Geruch, den die Wildkatzen lieben. Menschen hingegen finden ihn weniger angenehm, wie die Umstehenden sogleich durch Naserümpfen signalisierten.

Paten für die Wildkatzen werden in einem zweiwöchigen Turnus ihre Pflöcke inspizieren, an denen dann hoffentlich Katzenhaare anhaften. „Die Paten erhalten einen ganzen Eimer voll Material. Sie bekommen eine Stirnlampe, eine Lupe, eine Pinzette, Handschuhe, Baldrian, Probenbeutel und ein Flämmgerät, mit dem sie den Stock abflämmen können, wenn sie die Haare eingesammelt haben“, erklärte Sarah Friedrichsdorf vom BUND Hessen, der das Projekt zusammen mit dem Landkreis und Hessen Forst ins Leben gerufen hat.

Die Wildkatzen sind von mancher Hauskatze nicht leicht zu unterscheiden. Sie sind ähnlich getigert oder gestromt. Charakteristisch ist aber, dass sie einen kürzeren Schwanz haben als die Stubentiger. Aber selbst erfahrene Tierkenner können sie oft nicht sicher unterscheiden, vor allen Dingen weil die Wildkatze in der Regel nicht stillhält – im Gegensatz zu dem ausgestopften Tier, das die Naturschützer zur Demonstration mitgebracht hatten. Es war einem Autounfall zum Opfer gefallen und die Besucher konnten das kuschelweiche Fell streicheln.

Sollte sich herausstellen, dass es im Messeler Hügelland tatsächlich Wildkatzen gibt, dann könnten weitere Maßnahmen folgen. „Die Wildkatze ist auf Wald angewiesen“, so Heinrich. „Das Problem ist, dass unsere Landschaft sehr zersiedelt ist. Katzen können schlecht von einem Waldstück in ein anderes wechseln und sich deshalb auch kaum mit einer anderen Population austauschen, die vielleicht nur wenige 100 Meter weiter im nächsten Wald existiert.“

Sollte sich also hier die Existenz der scheuen Tiere nachweisen lassen, würde man versuchen, Vernetzungsstrukturen zu schaffen, damit sich die Populationen untereinander austauschen können. Dies würde nicht nur den Wildkatzen helfen, sondern auch anderen Tierarten. „Leicht ist es mit Sicherheit nicht, in dieser Gegend für Verbindungswege zu sorgen“, gibt Heinrich zu. „Aber erst einmal müssen wir wissen, ob die Tiere hier überhaupt leben.“

Auch die Krötentunnel seien vor 30 Jahre außergewöhnlich und nur schwer vorstellbar gewesen, heute würden sie beim Neubau einer Straße ganz selbstverständlich angelegt.

Der Revierförster von Roßdorf und Messel, Michael Menzel, wird künftig eine Lockstelle nach Haaren kontrollieren und absuchen. Die meisten Stöcke sollen aber von Freiwilligen betreut werden. Jäger Wolfgang Skopp zählt zu den ehrenamtlichen Helfern, die sich zur Mithilfe bereit erklärt haben. „Ich bin hier sowieso oft im Revier unterwegs, da kann ich auch alle víerzehn Tage mal vorbeischauen.“

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