„Parkplätze sind wie offene Arme für unsere Besucher“

Während Gewerbevereinsvorsitzender Fritz Hermes mit der Lage seines „Silberhauses“ ganz zufrieden ist, sieht das ein paar Meter weiter bereits anders aus. Arnold Zörgiebel gibt sein Modehaus in der Steinstraße 5 auf.Foto: Hombach

Dieburg - „Wenn ich in Dieburg weitermachen sollte, dann lohnt sich das nur in einer 1a-Lage.“ Das sagt Arnold Zörgiebel, Noch-Inhaber zweier Ladengeschäfte in Dieburg. Ab Ende März wird Zörgiebel nur noch seinen „Street One“ Laden am Dalles weiterbetreiben, sein größeres Modehaus in der Steinstraße gibt er auf.

Zwar ist das Geschäft nur wenige Meter von Dieburgs Flaniermeile, der Zuckerstraße entfernt, doch ein paar Meter können den entscheidenden Unterschied ausmachen. Zörgiebel selbst bezeichnet die Steinstraße deshalb auch nur als „1b-Lage“, selbst wenn Verkehrsberuhigung und aufwendige Pflasterung die Straße für Fußgänger und somit Einkäufer attraktiver machen sollten.

„Die Kunden sind nicht bereit, 150 Meter in eine Seitenstraße zu gehen“, so die Erfahrung Zörgiebels, der bei seinem am Dalles gelegenen Laden eine deutlich höhere Kundenfrequenz feststellt.

Auch Fritz Hermes, Vorsitzender des Gewerbevereins, kann Zörgiebels Beobachtungen bestätigen. Hermes eigenes Geschäft, das „Silberhaus“, liegt zwar ebenfalls in der Steinstraße, allerdings noch am Dalles.

„Schwierig wird es bei Stichstraßen“, weiß Hermes, denn an deren Ende bleibt dem Einkäufer nur die Möglichkeit umzudrehen. Dazu zählt seiner Ansicht nach auch der Bereich der Steinstraße jenseits der Schlossgasse. Diese Problematik macht sich bereits beim Modehaus Zörgiebel - wenn auch nur wenige Meter von diesem neuralgischen Punkt entfernt - bemerkbar. „Zehn Meter nebendran kann schon viel ausmachen“, so Hermes. Für die Geschäfte, die noch weiter entfernt von der Zuckerstraße liegen, sei die Situation noch problematischer.

Mit ein Grund, weshalb er sein Geschäft in Dieburg aufgibt, ist laut Arnold Zörgiebel auch die schlechte Parkplatzsituation. Ein Thema, mit dem sich auch der Gewerbeverein schon des Längeren herumschlägt. „Parkplätze, die weiter als einen dreiviertel Kilometer vom Einkaufsziel entfernt liegen, werden nicht angenommen“, bestätigt Hermes. Die Anzahl der Parkplätze auf dem künftigen Altstadtgelände zu reduzieren - als Entgegenkommen für den Investor soll dort eventuell nur die Hälfte der geplanten Plätze entstehen - hält er für falsch. Stattdessen sollte man nach weiteren Parkmöglichkeiten Ausschau halten.

„Parkplätze sind wie offene Arme, mit denen eine Stadt ihre Besucher empfängt“, zeichnet Hermes ein Bild davon, wie er sich Dieburgs Außenwirkung wünscht.

Bürgermeister Dr. Werner Thomas verweist zum Thema Parkplatzsituation darauf, dass in Zusammenarbeit mit dem Kreis neuer Parkraum für die Schüler der an der Leer gelegenen Schulen geschaffen werden soll. Da viele Schüler derzeit Parkplätze Auf der Leer nutzen würden, könnte sich die Lage dann entspannen.

Eine Lösung, die Hermes aber für wenig funktional hält. Für Kunden, die etwa ins Kaufhaus Enders wollten, sei ein Parkplatz Auf der Leer keine Alternative. Die Parkplätze müssten so verteilt sein, dass alle Geschäftslagen gut und schnell zu Fuß zu erreichen seien. „Wir müssen das Parkkonzept verbessern und das Parkleitsystem überarbeiten“, fordert Hermes die Stadtverwaltung auf. Kooperation, der Schulterschluss der Dieburger Einzelhändler untereinander sowie mit der Stadtverwaltung, lautet auch Hermes' Schlüssel für die Steigerung der Attraktivität Dieburgs als Einkaufsstadt.

„Wir müssen unsere Zusammenarbeit noch weiter intensivieren“, erklärt Hermes und verweist auf den Erfolg der Veranstaltungen, bei denen dies schon der Fall ist. Mai-, Martins- und Glückstalermarkt sowie „Dieburg in Blau“ lockten immer wieder Menschen von auswärts an. Auch der „Dieburger Wert“, ein Gutschein, den man in fast allen Geschäften einlösen kann, werde sehr gut angenommen.

„Wir brauchen Kunden von außerhalb, damit Dieburgs Handel überleben kann“, so Hermes. Zwar ist die Konkurrenz nicht zu verachten und wird mit der Shopping Mall „Loop 5“ in Weiterstadt noch größer. Doch dafür sei Dieburg eine attraktive „Open-Air-Mall“ mit tollen Angeboten wie dem Schloss und Schlossgarten, vielen Straßencafés und dem Marktplatz, die das Einkaufen zu einem Gesamterlebnis machten.

Auch Arnold Zörgiebel ist von Dieburgs Attraktivität überzeugt. Denn auch wenn er sein Geschäft in der Steinstraße aufgibt, dem Standort will er deshalb nicht den Rücken kehren. Sogar eine neue Filiale seines Modehaus Zörgiebel würde er in Dieburg in Angriff nehmen, dann allerdings nur in „1a-Lage“: in der Zuckerstraße.

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