Per SMS zum Parkticket

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Werner Jerono (l.), Vertriebsleiter Deutschland von „sunhill technologies“, und Bürgermeister Dr. Werner Thomas beim Test des neuen Handy-Parksystems.

Dieburg (lho) ‐ Eigentlich plauscht's sich mit der Freundin gerade so schön und man könnte noch Stunden zusammen verbringen, doch der Parkschein ist in einer Viertelstunde abgelaufen... Oder aber die Misere fängt schon bei der Ankunft auf dem Parkplatz an, weil man kein Kleingeld für den Parkticket-Automaten einstecken hat. Zwei wohl bekannte Parkprobleme, die sich dem Autofahrer in Dieburg jetzt nicht mehr stellen.

Mit einem Handy und einem Vertrag oder einer Prepaid-Karte hat man hier künftig alles in der Hand, um sein Parkticket zu bezahlen und im Bedarfsfall auch aus dem Café oder dem Arztwartezimmer heraus die Parkzeit zu verlängern.

Im Probebetrieb können seit Montag auf den 225 gebührenpflichtigen Parkplätzen in der Altstadt, Auf der Leer und am St. Rochus Krankenhaus die Parkgebühren per SMS gezahlt werden.

Anmeldung oder Registrierung nicht nötig

Wir geben heute den Startschuss für die Zukunft in Dieburg“, verkündete Bürgermeister Dr. Werner Thomas (der als bekennender Radfahrer wohl eher weniger Probleme mit Parktickets haben dürfte) bei einer Pressekonferenz am Dienstag.

Dieburg ist der 24. Standort in Deutschland, an dem die Firma „sunhill technologies GmbH“ aus Erlangen das Handy-Parksystem „sms&park“ betreibt. Zwar bieten in anderen Städten auch andere Firmen die Möglichkeit des Handy-Parkens an. Großer Vorteil des sunhill-Systems ist laut der Betreiberfirma aber, dass sich der Nutzer für sein Parkticket weder irgendwo anmelden, noch sich registrieren lassen muss. Die Abrechnung der Parkgebühr erfolgt direkt über die Handyrechnung oder die Prepaid-Karte. Die für das Parken zu bezahlenden Gebühren sind genau die gleichen, die auch am Automaten gelten, hinzu kommt nur noch die SMS-Gebühr.

„Das System ermöglicht eine Steigerung der Ehrlichkeit“

 Für die Vermittlungsdienste der Firma sunhill kommt die Stadt Dieburg auf, die dem Anbieter einen gewissen Prozentsatz der über das Handy-system abgewickelten Parkgebühren abtritt.

Um das „Handy-Parksystem“ zu nutzen, gibt der Parkwillige als SMS-Text sein Autokennzeichen (ohne Leerzeichen und Bindestrich) in das Handy ein, gefolgt von einem Punkt hinter den er die gewünschte Parkdauer von ein bis vier Stunden schreiben kann. „dada444.3“ könnte also eine Parkticketbestellung für drei Stunden lauten. Wird keine Zahl hinter das Kennzeichen geschrieben, so gilt das Parkticket automatisch für eine Stunde. Mit einer 30 hinter dem Punkt kann man die Parkdauer um jeweils eine halbe Stunde verlängern. Die SMS schickt man anschließend an die Kurzwahl 831194. Kurz darauf erfolgt die Bestätigung des Parkscheins ebenfalls per SMS. War die Transaktion nicht erfolgreich, so wird dies ebenfalls per SMS mitgeteilt. Grund hierfür könnten sein, dass die Restsumme auf der Prepaid-Karte für das Begleichen der Parkgebühr nicht mehr ausreicht. Auch könnte es sein, dass auf dem Handy die Funktion für mobiles Bezahlen gesperrt ist - bei Diensthandys durch den Arbeitgeber oder beim eigenen Handy, weil man die Zusatzdienste nicht aktivieren hat lassen. Das kann man aber nachträglich beim Provider wieder ändern lassen. Grundsätzlich gilt aber: Nur, wenn eine Bestätigungs-SMS eingeht, gilt die Parkgebühr auch als bezahlt. Zehn Minuten vor Ablauf der gebuchten Parkzeit wird man kostenlos per SMS auf das nahende Ende hingewiesen und hat dann die Möglichkeit, von unterwegs per SMS die Parkzeit für sein Auto zu verlängern. Dies kann man beliebig oft bis zum Erreichen der maximalen Parkdauer von vier Stunden wiederholen.

Für die Stadt ist das neue bürgerfreundliche Angebot aber trotzdem kein Zuschussgeschäft. Die Erfahrung von „sunhill technologies“ in anderen Städten zeigt, dass ein solches System zu Umsatzsteigerungen führen kann. „Das System ermöglicht eine Steigerung der Ehrlichkeit bei den Parkplatzbenutzern“, freute sich Thomas. Denn nun sei es möglich, auch mitten im Einkaufsbummel noch einmal Parkzeit dazu zu buchen, statt entweder zum Parkplatz zurück zu hechten oder zu hoffen, dass man schon nicht von den Ordnungspolizisten erwischt wird. Apropos Ordnungspolizisten: Auch für sie und damit für ihren Dienstherren, die Stadt, bringt das neue System eine große Erleichterung. Sollte das Handy-Parksystem gut angenommen werden, so müssen die Parkautomaten nicht mehr so häufig geleert, und das schwere Münzgeld durch die Gegend transportiert werden. Dank der Zeitersparnis bliebe den beiden Ordnungspolizisten dann mehr Gelegenheit, sich ihren weiteren Aufgaben zu widmen. Auch das aufwändige „Verarbeiten“ der Kleingeldberge aus den Parkautomaten kann sich die Stadt sparen, genauso wie das Papier für all die Parktickets, die künftig über das Handy laufen. Denn wer per Handy bezahlt, muss den Beweis dafür nicht in Papierform hinter die Windschutzscheibe legen. Bei einer Kontrolle können die Ordnungspolizisten über ihr Diensthandy abfragen, ob die Parkgebühr für das entsprechende Fahrzeug gezahlt worden ist.

Testphase dauert ein Jahr

Ein Jahr dauert nun erst einmal die Dieburger Testphase für „sms&park“. Wird es gut angenommen, dann soll es zur Dauereinrichtung werden.

Der Start war auf alle Fälle schon mal verheißungsvoll: Zwar war erst am Dienstag der offizielle Start des neuen Angebots, nutzbar war es aber schon seit Montag. Und so konnte der Vetriebsleiter von „sunhill technologies“, Werner Jerono freudig von einem fortschrittlichen Parker berichten, der bereits am Tag vor der Pressekonferenz Dieburgs neues Parkticket-System „eingeweiht“ hatte.

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