Ausstellung im Museum: 675 Jahre Heilen und Pflegen

Pestsarg und Gebärstuhl: Medizin im Zeitenwandel

Dieburg (eha) - Man schreibt das Jahr 1337: Europa befindet sich im Spätmittelalter und kämpft in den letzten Kreuzzügen, die Pest, der „Schwarze Tod“ entvölkert Landstriche, Hungersnöte beuteln die Bevölkerung.

Man möchte schon von einem dunklen Jahrhundert sprechen, in das man höchstenfalls auf einem Mittelaltermarkt reisen möchte. Doch in Dieburg wird diese Zeit durch die Gründung des Heilig-Geist-Spitals erhellt. Zu dieser dunklen Zeit gab es noch kein staatliches Gesundheitswesen, vielmehr oblag die Versorgung kranker und alter Menschen christlicher Wohltätigkeit. So entstand das kleine Spital, das nicht nur medizinische Versorgung leistete, sondern auch behinderte und mittellose Menschen aufnahm.

Im Jahr 2012 jährt sich die Gründung des Dieburger Spitals zum 675. Mal. Anlass für das Team von Museum Schloss Fechenbach, eine Jubiläumsausstellung zu konzipieren. Die für das Jubiläum heranzuziehende Urkunde vom päpstlichen Hof in Avignon unter Benedikt XII. datiert auf den 18.3.1336; ihre kirchenrechtliche Gültigkeit erhielt sie jedoch erst mit der Zustimmung des zuständigen Mainzer Erzbischofs, Heinrich III. von Virneburg, die dann am 12.12.1337 erfolgte. Die Urkunde genehmigte den erteilten Ablass von 40 Tagen für die Stifter des Spitals. Damit konnte das Spital faktisch erst errichtet werden, auch wenn zuvor bereits inoffiziell Spenden gesammelt wurden.

Medizinstandort Dieburg

In den folgenden vier Jahrhunderten befand sich das Spital außerhalb der Stadtmauer am östlichen Zugang des Stadtgebietes in der Altstadt und war Bestandteil der medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Innerhalb der Stadtmauer war auch das Badhaus in der frühen Neuzeit Ort medizinischer Betreuung. Im 19. Jahrhundert begannen dann neue Bemühungen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung, die mit der Errichtung der St.-Rochus-Stiftung den Weg für die Bauten des St.-Rochus-Krankenhauses und damit für die Gestaltung des heutigen Medizinstandortes Dieburg bahnten.

Neben der Darstellung der Dieburger Entwicklung wird mit der Präsentation der Privatsammlung von Dr. med. Jürgen Heimann auch ein genereller Überblick über die medizinisch-technologische Entwicklung der letzten Jahrhunderte gegeben. Weitere museumseigene Exponate wie zum Beispiel Organmodelle, ein Gebärstuhl und ein Pestsarg veranschaulichen die Geschichte der Medizin.

‹ Die Eröffnung der neuen Sonderausstellung findet am morgigen Sonntag, 13. Mai, um 15 Uhr im Museum statt. Geöffnet ist die Ausstellung ab 15. Mai bis zum 26. August. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 14- bis 17, sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr.

Der Eintritt ins Museum kostet pro Person drei Euro, Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre und Inhaber der Seniorencard A oder S des Landkreises Darmstadt-Dieburg sind befreit. Ein Begleitband zur Ausstellung wird im Museumsshop erhältlich sein. Informationen: www.museum-schloss-fechenbach.de.

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