Zwischen „Pray TV“ und „Luther Tube“

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Testeten die Römerhallen-Bühne: Clajo Herrmann (links) und Hans- Joachim Greifenstein.

Dieburg - Volles Haus vermeldete Christa Antoni-Heinrich vom „Eine-Welt-Verein Dieburg“ vor dem Auftritt des „Ersten Allgemeinen Babenhäuser Pfarrer(!)Kabaretts“ in der Römerhalle. Erstmals war die neue „Gudd Stubb“ Dieburgs mit über 600 Besuchern ausverkauft. Von Matthias Grimm

Alle in Reihenformation aufgestellten Stühle waren besetzt. Der „Eine-Welt-Verein“ hatte den Auftritt des Pfarrer-Duos ausgerichtet. Mit dem Erlös der Benefizveranstaltung soll ein Projekt finanziert werden, an der sich Kindertagesstätten und Schulen mit Hilfe verschiedener Medien über Entwicklungshilfe-Projekte wie den „Fairen Handel“ informieren können. Für den guten Zweck spendeten die Protagonisten des Abends, Clajo Herrmann und Hans-Joachim Greifenstein, einen Großteil ihrer Gage.

Die geistlichen Kabarettisten bestechen einmal mehr mit ihrem Programm „Mose war ein Mehrteiler“. Köstlich, wie sie sich über die Auswüchse der modernen Medienwelt auslassen und nach humoristischen Möglichkeiten suchen, diese für die Kirche zu nutzen: „Pray TV“ oder „Luther Tube“ sind zwei ihrer Vorschläge. „Online - offline - Wäschelein“ ist dazu ihr Resümee auf Hessisch.

„Schwerter zu Wurstwaren und Spieße zu Rippscher“

Nach gemeinsamen Sequenzen stehen die beiden Pfarrer über weite Strecken solo auf der Bühne. Hans-Joachim Greifenstein überzeugt dabei in der Rolle eines Küsters, der sich als „bekennenden Altmod“ bezeichnet, sich selbst eine gehörige Portion Altersstarrsinn attestiert und in der Vergangenheit schwelgt, als alles noch viel einfacher gewesen sei. Die Hessen bezeichnet der Küster als ein „auserwähltes Volk Gottes“, denn der Hesse sei „strukturell unbös‘“. „Schwerter zu Wurstwaren und Spieße zu Rippscher“, ruft Greifenstein der ökumenischen Kabarett-Gemeinde als Beleg seiner These zu.

Clajo Herrmann hingegen unternimmt einen Ausflug zu den Wurzeln des christlichen Glaubens und klärt auf gut Hessisch über den Werdegang von Moses auf. „Der war mit allen Nilwassern gewaschen, sein Opus ist großes Kino in fünf Akten: Sklavenhalter plagen, Meere teilen, Tarifverhandlungen mit Gott durch- und 40 Jahre in der Wüste herumziehen.“ Clajo Hermann dazu: „Ramses, Mose und Klose - die gehen dahin, wo‘s wehtut.“ Und auch Herrmann findet kritische Worte zum modernen Zeitgeist: „Die Primaten entwickeln sich weiter und wir kommen ihnen entgegen.“

Kabarett-Abend mit witzig-geistreichen Anekdoten

Nach zwei Zugaben war ein gelungener Kabarett-Abend, prall gefüllt mit witzig-geistreichen Anekdoten, zu Ende. Die Helfer des Eine-Welt-Vereins haben ihre Bewährungsprobe als Veranstalter glänzend bestanden. Der Verein besteht seit einem Jahr und betreibt im Dieburger Pater-Delp-Haus einen „Eine-Welt-Laden“ in dem 30 Mitarbeiter ehrenamtlich tätig sind. Der Eine-Welt-Verein möchte damit einen Beitrag zur Selbsthilfe in den benachteiligten Regionen der Welt leisten.

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