Pflegeheim ja, aber eben anders

Dieburg (eha) ‐   Keinen leichten Stand hatten die Vertreter der St. Rochus Stiftung diese Woche bei einem Informationsabend zu den Plänen für ein Altenzentrum direkt am Krankenhaus (wir berichteten). Eigentlich war die Veranstaltung in der Cafeteria des St. Rochus dazu gedacht, schwelende Vorurteile und in der Öffentlichkeit kursierende „falsche Vorstellungen“ über die Planung auszuräumen und mit einem gemeinsamen Imbiss abzuschließen.

Bis aber die ersten Brezeln gegessen wurden, gab es für die Planer viele Vorwürfe der Bürger zu verdauen. Architekt Thomas Böhlen stellte den rund 60 Gästen zuerst noch einmal die Entwurfsplanung vor. Dabei machte er deutlich, dass die Feinabstimmung noch ausstehe. Wenn alles nach Plan laufe, könnte mit dem Abriss von Gebäuden - das Ärztehaus und die Dialyse gehören dazu - Anfang nächsten Jahres begonnen werden. Auch die Krankenhauskapelle könnte den Plänen zum Opfer fallen, würde aber wieder aufgebaut. Das Pflegeheim könnte 2014 bezugsfertig sein, rechnete er vor. Derzeit werde mit der Denkmalpflege verhandelt, so der Architekt zum aktuellen Sachstand. „Dort will man, dass der Neubau mehr nach vorne an die Steinstraße kommt“, sagte er. Insgesamt erreiche der Neubau an seiner höchsten Stelle 19 Meter über dem Straßenniveau: „So hoch wie das jetzige Bettenhaus.“

Sorgen machte den Anwohnern nicht nur die Höhe der insgesamt vier gestaffelt ansteigenden Geschosse, sondern auch die geplante Tiefgarage. Ein Anwohner vermutete, dass die Steinstraße dann zusätzlichen Lärm und Abgase verkraften müsste. „Glauben Sie wirklich, dass die Leute dafür zahlen werden, dort zu parken?“, fragte eine Anwohnerin. „Das ist aber doch in der ganzen Innenstadt gebührenpflichtig“, wunderte sich Böhlen.

Vogl: „Man kann eben nicht alles haben“

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Auch die geplante Demenzabteilung, die einen Garten zum Herrngraben hin bekommen soll, machte einer Anwohnerin Sorgen. Sie empfand diese Pläne als Eingriff in ihre Privatsphäre. Man habe den Verdacht, dass die Stiftung die Anwohner durch die langjährige Baumaßnahme vertreiben wolle, sagte Gerhard Schmitt. Er prognostizierte, dass die „Hälfte der Betroffenen im Jahr 2013 hier nicht mehr wohnen werde.“ Stiftungsvorstand Pfarrer Alexander Vogl, der sich auch als Seelsorger angegriffen fühlte, meinte dann mit bitterem Unterton: „Man kann eben nicht alles haben, eine nahe Gesundheitsversorgung und keinen Baulärm.“

Ohne Fördermittel - kein Projekt

Dies wiesen die Vertreter der Stiftung weit von sich. Man habe immer versucht, gemeinsam mit den Anwohnern eine gangbare Lösung zu finden. Aber wenn das Krankenhaus in den schwierigen Zeiten Bestand haben solle, müsse man neue Wege beschreiten. „Fakt ist nun einmal, dass die Landesregierung nur noch zentrumsnahe Pflegeeinrichtungen in Hausgemeinschaftsform bezuschusst“, sagte Markus Bazan, Beauftragter des Vorstands. „Daran kommen wir wirtschaftlich nicht vorbei.“ Ohne die Fördermittel, so bestätigte er auf Nachfrage, könne das Projekt nicht verwirklicht werden.

Dass man das Dieburger Krankenhaus auf jeden Fall behalten wolle und auch gegen neue Pläne nichts habe, machten am Schluss etliche Bürger deutlich. „Pflegeheim ja, aber eben anders“, so ein Anwohner.

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