Pilzwanderung mit Naturfreunden

Für Pilzsoße hat’s gereicht

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Dr. Michael Höllwarth (links) gab rund 60 interessierten Sammlern vor und nach der Pilzwanderung der Naturfreunde gestern viele wertvolle Tipps.

Dieburg - „Die Pilze werden davonrennen, wenn sie uns kommen sehen“, meinte Anita Krahmer aus Dieburg schmunzelnd, als gestern Morgen etwa 60 Pilzsammler rund um das Naturfreundehaus auf der Moret ausströmten. Von Matthias Grimm

Doch es dauerte nicht lange, bis ein Kind laut „Ich hab einen!“ rief. und auch bei den Erwachsenen lagen schon nach wenigen Minuten die ersten Pilze in den Henkelkörbchen. Die Naturfreunde Dieburg hatten zur „Pilzwanderung“ eingeladen, angeleitet von Dr. Michael Höllwarth, der den Teilnehmern nach dem Sammeln wertvolle Tipps rund ums Thema gab. Vor allem half der Experte beim Bestimmen der Sorte, schließlich sollten ja keine giftigen Pilze in die Kochtöpfe geraten. Auf die Frage, ob es am Abend Pilzsuppe gebe, antwortete die Grundschülerin Marie John: „Das weiß ich nicht, das kommt darauf an, wie viele wir finden.“ Dann entschwand die Neunjährige mit ihrem Papa Markus und ihrem Bruder Moritz (4) im Gehölz. Pilze-Jagd, so zeigte sich an diesem Beispiel, eignet sich prima zum herbstlichen Familien-Event.

Herbstzeit ist Pilz-Zeit. Doch von weltweit über einer Million verschiedener Sorten können nur ein Bruchteil verzehrt werden. Die Initiative „Natürlich Jagd“ (www.natuerlich-jagd.de) gibt deshalb, wie gestern in Dieburg, vielerorts hilfreiche Tipps zu Fundorten und Verhaltensweisen für die jetzt beginnende Pilzsaison. So schön und naturverbunden das Pilze sammeln ist, mit dem Betreten des Waldes steht der Mensch direkt im Wohn-Essbereich vieler Wildtiere. Ein Ausflug zum Pilze sammeln sollte also der inneren Uhr der Tiere angepasst werden. Insbesondere in den frühen Morgenstunden und in der Dämmerung werden die Waldbewohner aktiv. Diese Zeit braucht das Wild, um ungestört äsen und verdauen zu können. Vor allem jetzt in der Brunftzeit ist hier Zurückhaltung gefordert und Pilzsammler sollten den Wald zu dieser Tageszeit besser meiden.

Bald landeten die ersten Exemplare im Körbchen.

Pilze befinden sich meist auf schattigen, bemoosten Böden von Nadel-, Laub- und Mischwäldern. In vielen Fällen sich kann der Pilzsuchende anhand des Pilznamens dessen möglichen Standort erschließen, denn einige Pilzarten kommen vorzugsweise unter bestimmten Bäumen vor. Ein gutes Beispiel ist hier der Birkenpilz, der oft am Fuße von Birken wächst. Generell gilt: Man sollte nur Pilze sammeln, die mit Sicherheit bestimmt werden können. Anderenfalls sollten Pilzjäger die Pilze unversehrt im Wald stehen lassen, denn sie sind wichtige Organismen im Ökosystem Wald. Des Weiteren empfiehlt es sich, nur junge Pilze mit festem Fleisch auszuwählen. Diese werden entweder behutsam mit Stiel und Stumpf aus dem Waldboden herausgedreht oder mit einem Messer abgeschnitten. Innerhalb von 24 Stunden sollten die Pilze nach gründlichem Säubern, Kochen oder Braten verzehrt werden. Eine weitere Regel für Pilzfreunde: Gesammelt werden nur so viele Pilze, wie auch direkt im Anschluss verwertet werden können. In jedem Fall muss die zulässige Höchstmenge pro Person beachtet werden. Diese wird in Deutschland von den einzelnen Bundesländern vorgeschrieben und beträgt meist ein Kilo pro Pilzsammler und Tag für den Eigenbedarf. Für die Familie John sollte gestern das Sammel-Ergebnis in den Körbchen von Marie und Moritz für ein Pilz-Sößchen gereicht haben.

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