Platz für 60 Asylbewerber

Dieburg - Der Landkreis wird bis Ende des Jahres vermutlich rund 90 weitere Asylbewerber zugewiesen bekommen. Allerdings fehlt es an Unterkünften. 60 Menschen sollen in einem neuen Container-Heim im Nordring gegenüber der Felix-Wankel-Straße Platz finden. Von Lisa Hager

Derzeit läuft die Ausschreibung für das Projekt. Bei Anwohnern regt sich Protest. Das Gelände im nordöstlichsten Zipfel Dieburgs, auf dem der Kreis die Unterkunft schlüsselfertig errichten lässt -– entweder in Container oder sonstiger Bauweise – hat die Stadt Dieburg laut Magistratsbeschluss zu diesem Zweck verpachtet. Der Vertrag läuft über fünf Jahre.

Im Sommer 2013 sollen die ersten Bewohner in die Unterkunft einziehen. die rund zwei Millionen Euro kosten wird, „Der Landkreis ist an uns herangetreten, da es wieder mehr Asylbewerber geben wird. Es war die einzige Fläche, die wir zur Verfügung stellen konnten. Innenstadtnah haben wir nichts“, sagte Bürgermeister Dr. Werner Thomas gestern auf Anfrage.

Fehlende Information durch Stadt und Kreis

Für den Protest der Anwohner im Norden, die sich bereits mehrfach getroffen und inzwischen einen Brief an die Gremien der Stadt verschickt haben, zeigt er ein gewisses Verständnis. Allerdings könne sich keine Kommune aus der Verantwortung stehlen, meint er. Die Anwohner, die jetzt protestieren, bemängeln vor allem die fehlende Information durch Stadt und Kreis. Erst auf dem Fest in I-Nord am vergangenen Wochenende sei das Thema so richtig hochgekommen, berichten die Initiatoren. „Ich räume ein, dass es versäumt wurde, die Bewohner rechtzeitig über die Pläne zu informieren“, so Thomas. Allerdings sei das in erster Linie die Pflicht des Bauträgers, des Landkreises, gewesen. Um dem Wunsch nach einem klärenden Gespräch zum Thema jetzt möglichst schnell nachzukommen, habe er zusammen mit Erster Beigeordneten Rosemarie Lück einen entsprechenden Informationstermin für rund 40 Anwohner vereinbart. „Die Betroffenen sind bereits informiert“, sagte Thomas.

Die Anwohner beklagen in ihrem Schreiben, dass das Gebiet nicht nur an Wohnwert verlieren werde, sondern halten auch den Standort insgesamt für ungeeignet. Zumal auch im Gebäude Ecke Nordring/Lagerstraße bereits seit Jahren Asylanten und einkommensschwache Einwohnern untergebracht würden. Der Bau einer neuen Wohnanlage – wiederum im Nordring – werde zur Stigmatisierung der ganzen Gegend führen, befürchten sie.

Weder Schulen noch Geschäfte

Zudem werde es die extreme Ortsrandlage den dort untergebrachten Asylbewerbern – die ja nicht mobil seien – nicht ermöglichen, sich sinnvoll zu integrieren. „Ob gewollt oder nicht, mag hier nicht weiter thematisiert werden“, so die Interessengemeinschaft. Im näheren Umfeld gebe es weder Schulen, noch Geschäfte oder Busverbindungen.

Auch die Gemeinde Münster, die beispielsweise alle schulpflichtigen Kinder des Gebiets in ihren Schulen aufnehme, werde durch eine Asylbewerberunterkunft quasi direkt vor ihren Toren über Gebühr belastet, so die Anwohner. Sie kündigen außerdem an, das Bauvorhaben einer rechtlichen Prüfung zu unterziehen.

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