Plötzlich war Fritz Walter am Telefon

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Immer ein Hans-Dampf-in-allen-Gassen: Adi Grimm in seinem Geschäft in der Zuckerstraße.

Dieburg‐ An seinem 50. Geburtstag schlotterten Adi Grimm plötzlich die Knie: „Da war Fritz Walter am Telefon und hat mir gratuliert“, sagt der Eppertshäuser, den viele Dieburger gefühlsmäßig aber fast schon für ihre Stadt „adoptiert“ haben. Eine aufregende, ungewöhnliche Sache sei das damals gewesen, als die von manchen regelrecht verehrte Fußballlegende ihn da plötzlich sprechen wollte. Von Jens Dörr

Obwohl der Fritz wie fast alle Spieler seiner Generation immer bodenständig geblieben ist“, erinnert sich Grimm. Lange ist das nun her, der kleine agile Mann inzwischen 66 Jahre alt. Doch noch immer kennt er Gott und die Fußballwelt, steht täglich im Laden von „Sport Grimm“ in der Zuckerstraße, bedient dort seine Kunden – darunter 80 Vereine, für die er Teamsport-Ausrüster ist - und hat noch immer die Geschäftsführung inne.

Um zu verstehen, wie es zu Adi Grimms zahllosen spannenden Erlebnissen, Begegnungen und vor allem Freundschaften kam, sollte man sich an den Anfang begeben. Seit 60 Jahren – also fast Zeit seines Lebens – ist Grimm Fan von Kickers Offenbach. „Mein Vater nahm mich einst mit, so fing alles an. Wäre er mit mir nach Darmstadt gefahren, wäre ich heute wohl 98er-Fan“, lacht Grimm mit kleinem Seitenhieb auf einen der Offenbacher Erzrivalen. Dieser Erstkontakt mit den Rot-Weißen ließ ihn nicht mehr los, Grimm blieb dem Verein verbunden. Als zweiter Lieblingsclub kam später Werder Bremen hinzu.

Mit den Größen des deutschen Fußballs per Du

Adi Grimm mit Fritz Walter, der 2002 verstarb. Neben Walter, dem Ehrenspielführer der Deutschen Nationalmannschaft und Kapitän der WM-Sieger von 1954, ist Adi Grimm mit diversen Größen des deutschen Fußballs per Du.

Noch enger mit dem OFC und seinen Protagonisten zusammen rückte der Eppertshäuser, als er 1970 im Geschäft seiner Eltern – damals verkauften die ihre Sportartikel und „normale“ Schuhe noch unter dem Namen „Schuh Sport Grimm“ – einstieg. Ursprünglich hatte er Feintäschner gelernt, absolvierte seine Ausbildung in der Lederstadt Offenbach. „Das haben damals glaube ich 70 Prozent unserer Klasse gemacht“, blickt Grimm zurück. Im Geschäft seiner Eltern also, das es in Dieburg schon seit rund 50 Jahren gibt, ging es richtig los mit den Kontakten zu den Wichtigen des Sports. OFC-Größen wie Karl Waldmann und Berti Kraus kauften regelmäßig bei ihm ein, auch heute kommen vereinzelt noch Spieler der nicht mehr ganz so erfolgreichen Kickers zu ihm, überdies Eintracht-Torwart Oka Nikolov. Vor allem aber lernte er durch den OFC auch weitere Menschen kennen, die noch heute jedem ein Begriff sind: Oliver Reck, Uwe Bein und natürlich Rudi Völler – sie alle sind noch immer sehr gute Freunde Grimms. Bei Bayer Leverkusen stellen sie den „Sport Grimm“-Geschäftsführer gar direkt zu „Tante Käthe“ durch. Tauschen möchte Grimm mit Völler aber nicht: „Der kann nirgendwo auch nur drei Meter gehen, ohne angesprochen zu werden“, hat der sympathische Mann festgestellt.

Bis heute spielt Grimm bei der Kickers-Traditionself "Die Waldis"

Der war beim FV Eppertshausen einst auch selbst am Ball, hatte bereits im Alter von 16 Jahren seine ersten Einsätze in der ersten Mannschaft. Mit 24 sattelte Grimm indes um auf Hobbymannschaften – bis heute spielt er bei der Kickers-Traditionself „Die Waldis“ und bei den „Lufthansa Cargo Bulls“. Alles entstanden durch Kontakte, ohne dass sich Grimm irgendwo anbiedern oder sich die Ehren als Großsponsor erkaufen würde. „Was mir – glaube ich – einige ehemalige Spieler hoch anrechnen, ist, dass ich sie früher angerufen habe, wenn es mal nicht so lief, sie im Krankenhaus lagen oder ein Formtief hatten“, sagt Grimm. Dann sei es nämlich oft sehr still geworden um vermeintliche Idole.

Trotz seiner Vielseitigkeit, trotz Reisen zu allen Fußball-Weltmeisterschaften seit 1990, trotz mehrfacher Trips nach Japan (Grimm: „Das Land hat mich schon immer fasziniert“) – das Herzstück seines Tuns bleibt das Geschäft in der Zuckerstraße. Das ist nach wie vor ein Familienbetrieb, dort unterstützen Grimm seine Frau Lilo, sein Sohn Alex, seine Tochter Sandy, deren Lebensgefährte Thorsten Heckwolf und ein Auszubildender. Den sportlichen Ausgleich holt sich Grimm noch immer beim Kicken – „das geht auch mit 66 Jahren noch“ – und beim Tennis und Skifahren. Mindestens einmal pro Woche steigt der „gefühlte“ Dieburger zudem aufs Rennrad. Der Spruch „Sport ist Mord“ ist aus Grimms Sicht Quatsch: „Wenn ich keinen Sport machen kann, bin ich krank.

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