Zum Dessert geht der Mond auf

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Zwischen den Gängen servierte „PocoLoco“ Genuss für die Ohren.

Dieburg - Ein Chor mit Intention: Das kulturelle Leben in Dieburg zu bereichern, ist die große Motivation des Jazz- und Popchors „PocoLoco“. Was darunter zu verstehen ist, konnten die Besucher des Dinnerkonzerts in der Römerhalle am Sonntag erleben. Von Fabian Sell

„Es ist ein doppelter Genuss – Essen und Lauschen“, erläuterte Anja Scheibel, Vorsitzende des 20-köpfigen Ensembles. Dieser Genuss erfolgte jedoch nicht zeitgleich, sondern bewusst zeitversetzt: „Wir spielen zwischen den Gängen, damit die Leute auch aufmerksam zuhören. “.

Als Aperitiv begann der Chor mit „Come in and stay a while“, um nach zwei weiteren Liedern „Chili con Carne“ anzustimmen. Zufall war dies nicht – denn passend zum Song servierten die Kellner als Vorspeise Chili con carne.

Atmosphärisch besser und näher am Publikum

Während die 50 Besucher im Restaurant nun die Vorspeise genießen konnten, stand für den Chor die erste Unterbrechung an. „Das ist der einzige Nachteil an einem Dinnerkonzert – die langen Pausen“, sagte Scheibel lächelnd. Mit dem Konzept des Dinnerkonzerts hat das 2001 gegründete Ensemble bereits vor drei Jahren positive Erfahrungen gesammelt. Das Interesse für den Auftritt in der Römerhalle war offensichtlich groß. „Im Grunde sind wir ausverkauft“, sagte Christoph Murmann, zweiter Vorsitzender des Chors. Um mehr Karten an den Mann zu bringen, hätte man sich auch dazu entschließen können, im großen Saal aufzutreten. Für „PocoLoco“ kam dies jedoch nicht infrage. „Das Restaurant ist atmosphärisch besser, weil es klein ist und Nähe zum Publikum besteht“, erklärte Anja Scheibel.

Zum ersten Gang wurde Fisch serviert. Mit Liedern wie „April is my mistress’ face“ von Thomas Morley und einer Coverversion von „God only knows“ stimmte die musikalische Einleitung nachdenklich. Dabei trug das Ensemble, ebenso wie bei allen anderen Stücken, die a capella-Versionen vor. Der Grund: „Ein Chor zeigt seine Qualität mit a capella“, betonte der Dirigent Rodrigo Affonso in der Pause. Affonso leitet „PocoLoco“ seit Januar. Nach Deutschland kam er 2008 und studierte mithilfe eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes Dirigieren in Frankfurt. „2011 habe ich mein Diplomstudium abgeschlossen“, sagte Affonso. Seitdem unterrichte er verschiedene Chöre.

Außergwöhnliche Kombination

Vergangenes Jahr hatte „PocoLoco“, wie Anja Scheibel schilderte, ein schlechtes Jahr und deshalb auch keinen Auftritt. Für das Konzert in der Römerhalle probte der Chor seit Jahresanfang. „In einem so kurzen Zeitraum macht man das normalerweise nicht“, gestand Affonso. „Aber die Gruppe ist gut“, ergänzte er lächelnd.

Dies durfte das Ensemble vor dem zweiten Gang, Rind- oder Lammgericht, wiederum unter Beweis stellen. Als Rahmenprogramm rezitierte ein Chormitglied zunächst ein Liebesgedicht von Rainer Maria Rilke. Es folgte „And so it goes“ von Billy Joel sowie „Wie kann es sein“ und „Probiers mal mit ’nem Bass“ von den Wise Guys. Letzteres entlockte den Zuschauern amüsierte Gesichter und auch Gelächter. Vor dem Dessert verabschiedete sich „PocoLoco“ unter anderem mit „Der Mond ist aufgegangen“ und „Goodnight Sweetheart“.

Die Gäste äußerten sich am Ende des Abends positiv. „Ich fand den Spannungsbogen schön, den sie geschafft haben – vom Bewegten zum Getragenen“, sagte eine Besucherin. Ein anderer Gast meinte: „Es war eine außergewöhnliche Kombination von Kulinarischem und Musikalischem. Es hat gut zusammengepasst“. Für das laufende Jahr hat „PocoLoco“ weitere Auftritte geplant. Derzeit befindet sich der Chor, wie Anja Scheibel erläuterte, auf der Suche nach Sängerinnen - bevorzugt hohe Soprane.

Quelle: op-online.de

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