Bürgermeisterkandidaten stellen sich Fragen

Podiumsdiskussion: Austausch vor großer Kulisse

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Auf dem Podium (von links): Hein Gottfried Fischer, Thomas Disser, die Moderatoren des Dieburger Anzeigers, Ralf Enders und Lisa Hager, Frank Haus, Renée Exner und Erik Marx.

Dieburg - In einer proppenvollen Römerhalle haben sich die fünf Bürgermeisterkandidaten ihren potenziellen Wählern gezeigt. Einer sorgte für eine Art Überraschung. Von Stefan Scharkopf 

Der Dienstagabend brachte so manche Erkenntnis. Eine davon: Die Dieburger haben ein sehr großes Interesse daran zu erfahren, wer der neue Chef im Rathaus wird, wie er sich gibt, was seine Themen sind. Die Podiumsdiskussion des Dieburger Anzeigers war derart gut besucht, dass bereits 30 Minuten nach der Saalöffnung die Sitzplätze in der Römerhalle nahezu alle besetzt waren. Die zusätzlich herangeschafften Stühle reichten nicht aus. Viele Zuhörer folgten dem Geschehen stehend – und die allermeisten geduldig bis zum Schluss.

Schafsmaler Hans Peter Murmann hatte seinen eigenen Blick auf die Kandidaten und den Abend.

Sieben Leute auf dem Podium – kein reduzierter Elferrat in närrischer Zeit, sondern fünf Kandidaten und die beiden Moderatoren unserer Zeitung, Lisa Hager und Ralf Enders. Im hinteren Teil der Halle hatte Schafsmaler Hans Peter Murmann seinen Tisch. Mit dem geübten Strich des Karikaturisten verarbeitete er den Abend auf seine Weise. Knapp 40 Bilder, unter anderem mit den Konterfeis der Bewerber, schaffte er. Alle wurden verschenkt. Die Ausgangslage für den Urnengang am 12. März ist ungewöhnlich, wie Ralf Enders zu Beginn ausführte. Es gibt keinen Amtsinhaber und keinen Herausforderer, sondern fünf frische Bewerber. Mit Renée Exner ist einer von ihnen von einer Partei nominiert, der CDU. Frank Haus, Erik Marx und Hein Gottfried Fischer sind unabhängig, Thomas Disser ebenfalls, aber die SPD hat für ihn eine Wahlempfehlung ausgesprochen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde zum privaten Hintergrund ging es ans Eingemachte, eines der drängendsten Themen gleich vorweg: Dieburg leidet seit Jahren unter einer teils chaotischen Verkehrssituation, auch bedingt durch immer wieder neue Baustellen. Welche Ideen haben die Kandidaten? Was würden sie in künftigen Fällen anders machen?

Renée Exner: „Ein Hauptanliegen ist es, Bürger mehr zu informieren. Es ist schade, dass sie ihre Informationen nicht aus erster Hand erfahren, also vom Verwaltungs-chef, sondern teils von Bauarbeitern. Der Bürgermeister muss sich mit den betroffenen Bürgern auseinandersetzen.“

Frank Haus: „Zunächst reichen schon kleine Maßnahmen, um die Folgen für die betroffenen Anwohner abzumildern. Zum Beispiel nachts Tempo 30 auf Verkehrsachsen wie etwa im Minnefeld sowie regelmäßige Kontrollen von Lkw.“

Hein Gottfried Fischer: „Man braucht mehr Vorbeugung, ich würde den öffentlichen Verkehr ausbauen, damit es nicht so viele Baustellen gibt.“

Erik Marx: „Was mich bewegt, ist der S-Bahn-Anschluss. Wir müssen die Stadt unattraktiv für den Durchgangsverkehr machen und ihn um Dieburg herum führen. Die Westumfahrung ist ein wesentlicher Punkt.“

Thomas Disser: „Wir müssen auf die Menschen hören, die Leute wissen vor ihrer Haustür am besten Bescheid. Die Verkehrsbelastungen haben ein nahezu unzumutbares Ausmaß angenommen. Lösungen ergeben sich, wenn man miteinander redet.“

Podiumsdiskussion in Dieburg: Bilder

Ist der Verkehr in der Gersprenzstadt ein leidiges Thema, so ist er aber doch nicht die einzige Problematik, mit der sich die Bürger beschäftigen. Ausführlich beantwortete das Kandidaten-Quintett eine ganze Reihe anderer Fragen: Wie wollen sie Wohnraum schaffen vor dem Hintergrund, dass die Stadt an die Grenzen ihrer Expansionsmöglichkeit stößt? Durch welche Maßnahmen wird die Innenstadt lebendiger? Wie stellen sie sich eine zentrumsnahe Gesundheitsversorgung vor, nachdem das St.- Rochus-Krankenhaus schließen musste? Was kann bei der Kinderbetreuung optimiert werden? Die Kandidaten blieben keine Antwort schuldig.

Zum Programm des Abends gehörte auch, dem Publikum die Möglichkeit zu geben, das Mikrofon selbst in die Hand zu nehmen. Bessere Einbindung der Studenten und überhaupt junger Leute ins städtische Leben, Unterstützung der Vereine, Vandalismus, Westumgehung – eine bunte Mischung von Fragen, die die Dieburger umtreibt und deren Beantwortung sie von ihrem künftigen Bürgermeister erwarten. Nur einer konnte einen Teil der Fragen nicht beantworten. Hein Gottfried Fischer verließ zum Erstaunen aller gegen 20.45 Uhr die Veranstaltung. Er musste schlichtweg zum Zug.

Quelle: op-online.de

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