Kundgebung und Maifeste

Politisieren und tanzen

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Die „Sweet Delphines“ aus Hanau-Steinheim, Gardetanz-Europameisterinnen, legten trotz des glitschigen Dieburger Marktplatzes einen fulminanten Auftritt hin.

Dieburg - „„Wahrscheinlich war es nie wichtiger, seine Stimme für ein besseres Europa einzusetzen.“ Mahnend, doch nicht übertrieben belehrend schallte am Donnerstag die Stimme von Kai Eicker-Wolf vom DGB-Bezirk Hessen-Thüringen über den Marktplatz. Von Jens Dörr 

Seine Botschaften auf der Kundgebung des DGB am 1. Mai, der dabei Unterstützung von der Arbeiter-Wohlfahrt erhielt, waren durchaus bemerkenswerte. Der DGB-Ortsverein Dieburg um seinen Vorsitzenden Thomas Bischoff versteht es ohnehin alljährlich, Redner von Format in die Gersprenzstadt zu locken. Die ist zwar nicht dafür bekannt, ein riesiges Potenzial an gewerkschaftsnaher Klientel zu haben, etwas mehr als die 50 Zuhörer hätten die Worte von Hauptredner Eicker-Wolf allerdings verdient gehabt. Zumindest teilweise durfte man das mäßige Interesse in diesem Jahr aufs Wetter schieben. Der feuchte Marktplatz-Untergrund hielt zunächst die Garde-Europameisterinnen der „Sweet Delphines“ aus Hanau-Steinheim nicht von einem fulminanten Auftritt ab, die Hessen-Rocker von „Beinhardt“ nicht von fetzigen Gitarrenriffs. Dann machten sich nachdenkliche Töne breit.

Trotz Regens zogen diese acht jungen Frauen gut gelaunt durch die maiengrüne Natur.

Eicker-Wolf forderte etwa „ein Europa des sozialen Ausgleichs, der Solidarität und der wirtschaftlichen Vernunft“. Man sei „auch im siebten Jahr der Krise noch weit entfernt“ davon. Die weiterhin angespannten Lagen etwa in Griechenland und Spanien nannte der Gewerkschafter als Beispiele. Sie hingen mit „falscher Krisenpolitik“ zusammen, wobei Eicker-Wolf den Schwenk zu klassischen Themen von Reden am „Tag der Arbeit“ vollzog: Gerade in Südeuropa seien die Arbeitnehmer Hauptleidtragende der Reformen, würden Mindestlöhne gesenkt, Gewerkschaften geschwächt, Renten-Eintrittsalter erhöht, Sozialleistungen gekürzt und hunderttausende Stellen im Öffentlichen Dienst abgebaut. Vor diesem Hintergrund sollte man sich auch in Deutschland nicht gemütlich zurücklehnen: „Lasst uns streiten für Europa!“

Eher trist verlief der 1. Mai im „Biergarten“, der eigentlich mit einem Konzert der Band C. I. O. den Start in die Freiluftsaison hatte feiern wollte. Aufgrund des miesen Wetters entschloss sich der Club am späten Vormittag dazu, den Auftritt abzusagen. Vereinzelt nur sah man Trupps von Mai-Wanderern durch die Natur ziehen. Eine gut gelaunte Gruppe von acht jungen Frauen zwischen Dieburg und Münster war da eher die Ausnahme.

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