Pfarrer Richard Neumann seit 60 Jahren im Priesterdienst

Viele Menschen begleitet

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Pfarrer Richard Neumann feiert sein diamantenes Priesterjubiläum mit einem Festgottesdienst am Sonntag.

Dieburg - „Hallo Herr Pfarrer“, sagt Renate Willmann, Redaktionsassistentin beim Dieburger Anzeiger, und streckt Richard Neumann die Hand entgegen. „Kennen Sie mich noch? Sie haben mich getauft, ich war bei Ihnen Kommunionkind und Sie haben mich auch getraut. “. Von Lisa Hager 

Das, was dem Jubilar an diesem Interview-Morgen in der Mühlgasse zufällig passiert, kommt nicht von ungefähr und sicher öfter vor: Der katholische Geistliche, der am morgigen Freitag sein 60. Priesterjubiläum feiert, hat Tausende von Dieburgern durchs Leben begleitet.

Und bei der geborenen Dieburgerin Renate Willmann (Mädchenname Bernd) hat die Beziehung zu dem 84-Jährigen noch eine ganz besonderen Aspekt: 1976 hat er sie und ihren evangelischen Mann in der protestantischen Altheimer Kirche ökumenisch getraut. Das war damals für einen katholischen Priester noch ungewöhnlich und zeigte die Toleranz des aus Budenheim bei Mainz stammenden Pfarrers. Der Kollege in Münster, so erzählt Renate Willmann, hatte sich damals geweigert, einer „Mischehe“ den kirchlichen Segen zu geben.

Dogmatismus war nie die Fahne, die Neumann vor sich hertrug, wichtiger war ihm der Mensch dahinter und die unverbrüchliche Verbindung der Liebe zu Gott mit der Liebe zum Nächsten. „Das Dogma ist nichts ohne das praktische Beispiel“, sagt der symphatische alte Herr mit den schlohweißen Haaren, der sein Gegenüber mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt. Die gelebte Ökumene war ihm immer ein großes Anliegen. Und das geht bis in die persönliche Ebene. „Ich bin mit mehreren evangelischen Geistliche freundschaftlich verbunden“, sagt er.

Festgottesdienst am Sonntag

Im Mainzer Dom hat Neumann 1954 seine Priesterweihe empfangen. Am kommenden Sonntag wird er das diamantene Jubiläum bei einem Festgottesdienst um 10 Uhr in der Dieburger Stadtpfarrkirche feiern. „Es werden insgesamt zwölf Priester zelebrieren“, sagt er. „Einige ehemalige Kapläne sind darunter.“ Auch Ehrendomkapitular Klaus Forster aus Mainz wird dabei sein.

Neumann trat in Dieburg seine erste Kaplanstelle in Dieburg an, nach drei Jahren als Kaplan in Offenbach war er von 1962 bis 1987 Pfarrer von St. Peter und Paul in Dieburg und mehr als ein Jahrzehnt Dekan des Dekanats Dieburg. Über 40 Jahre lang hat er in vielen Schulen der Stadt katholischen Religionsunterricht gehalten.

Von seinem nächsten Einsatzort als Pfarrer in Bad Nauheim kehrte er 2001 als Ruheständler nach Dieburg zurück. Der Ruhestand war aber kein kompletter: In Habitzheim half er über Jahre hinweg immer mal wieder als Priester aus. Aber auch in Dieburg ist er als Geistlicher weiter aktiv: Die Gottesdienste in der St. Rochuskapelle hält er regelmäßig und vertritt zuweilen auch Pfarrer Alexander Vogl – „solange es gewünscht wird“, betont er in seiner bescheidenen unaufdringlichen Art.

Wie sieht er nach 60 Priesterjahren die Kirche heute im Vergleich zu seiner Anfangszeit? Wo hat sie ihre Aufgaben? Damals sei die Hauptaufgabe die Umsetzung des zweiten vatikanischen Konzils gewesen, erinnert sich Neumann. Dabei ging es unter anderem darum, die Laien mehr in die Kirche einzubeziehen. Es entstanden ganz neue kirchliche Berufe wie der des Pastoral- oder Dekanatsreferenten. Selbstverständlich habe sich dadurch das Priesterbild geändert. „Die Bezeichnung Hochwürden ist ja schon lange nicht mehr in Gebrauch“, nennt er ein Beispiel.

Und was war ihm immer das wichtigste Anliegen? „Ich habe mich bemüht, für die Seelsorge da zu sein, die Menschen auf ihrem Weg des Glaubens zu begleiten“, resümiert er nach kurzem Überlegen seine Ziele.

"Fehlerlose Kirche gibt es nicht"

Er ist sich auch bewusst, dass die katholische Kirche im Wandel ist, von vielen Gläubigen inzwischen – nicht zuletzt wegen der Missbrauchsfälle und der Finanzskandale um einen Tebartz-van Elst – kritischer und mit mehr Distanz betrachtet wird. „Aber eine fehlerlose, skandalfreie Kirche wird es nie geben“, sagt er. Denn die Kirche bestehe aus Menschen und so lange es Menschen gebe, würden auch Fehler passieren.

Er selbst möchte auch nach seinem großen Jubiläum im „Alterssitz Dieburg“ bleiben, wo er in seiner Wohnung am Römerkreisel auch gerne noch Klavier spielt („Gut für die Gelenke und für das Gemüt!“). „Ich bin hier ja inzwischen verwurzelt, fühle mich hier wohl“, so Neumann, dem das Bistum den Ehrentitel „Geistlicher Rat“ verliehen und der Vatikan zum „Monsignore“ ernannt hat.

Er habe einen großen Bekanntenkreis im Dieburger Raum und auch zwei Neffen mit ihren Familien hier. „Solange ich gesund bleibe, werde ich für die Menschen da sein, wenn ich gebraucht werde“, verspricht er.

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