Prinz greift nach Ludwigshall'

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Am Montag wird es die letzte Verleihung der „Holzisch Latern“ in der Ludwigshall' geben (unser Bild stammt von der Veranstaltung 2010). Was mit dem Gebäude nach Eröffnung der Römerhalle passiert, ist noch ungewiss.

Dieburg ‐  Die Nachricht schlug mitten in Zeiten von Fastnacht und Kommunalwahlkampf ein wie eine Bombe: Prinz Michael von Anhalt aus Groß-Zimmern - vormals bürgerlich Michael Killer - hat der Stadt ein Kaufangebot für die Ludwigshalle und die angrenzenden Grundstücke gemacht (wir berichteten).  Von Lisa Hager

Das Preisangebot für das rund 3500 Quadratmeter große Gelände in der Innenstadt soll nach Informationen des Dieburger Anzeigers sogar über den üblichen Richtwerten für unbebaute Grundstücke liegen. Die Bebauung wird in der Vorlage des Magistrats eher als „wertmindernd“ angesehen. Bislang ist das brisante Thema öffentlich nicht diskutiert worden. Es stand zwar auf der Tagesordnung der jüngsten Stadtverordnetenversammlung, wurde aber aus Zeitgründen nicht mehr behandelt. Jetzt kommt es in der nächsten Sitzung am 17. März wieder auf die Agenda. 

Bis dahin wird vor und hinter den Kulissen heftig diskutiert werden. Bislang zeichnet sich fraktionsübergreifend eher eine ablehnende Haltung gegenüber den Plänen des glamourösen Prinzen aus Groß-Zimmern ab, der öffentliche VIP-Auftritte liebt. Er betreibt unter anderem in der Nachbargemeinde, in Darmstadt und Ober-Ramstadt mehrere Fitness-Studios. Was genau plant er jetzt in Dieburg? Prinz von Anhalt beschreibt sich als sozial engagierten und gleichzeitig traditionsbewussten Geschäftsmann, dem die Zukunft der Ludwigshalle am Herzen liege. Er habe vor, dort im Saal eine Art Fitnessstudio für sozial Schwache mit ermäßigten Monatsbeiträgen einzurichten. „So ein Projekt habe ich mit Erfolg bereits im alten Kino von Groß-Bieberau verwirklicht und plane ein zweites in der Form in Groß-Umstadt“, sagt er im Gespräch mit dem Dieburger Anzeiger.

„Es geht nicht darum, in Dieburg Fuß zu fassen“

Er kann sich auch vorstellen, seine bereits bestehende Stiftung für Kinder und arbeitslose Eltern hier tätig werden zu lassen. „Ich stamme selbst aus kleinen Verhältnissen. Ich weiß, wie es ist, wenn man sich vieles nicht leisten kann“, sagt der Prinz, der seinen Adelstitel 2006 über eine Adoption durch den Mann von Zsa Zsa Gabor, Frédéric Prinz von Anhalt, erworben hat. Dass die Pächter der Ludwigshalle noch einen bis 2023 laufenden Pachtvertrag haben, ist ihm natürlich bewusst. „Ich will niemanden vor die Tür setzen. Keiner soll einen Nachteil davon tragen. Meine Motivation ist einzig und allein, den Charme dieser Immobilie zu erhalten“, sagt er. Es täte ihm leid, wenn das Gebäude abgerissen werden würde. Die als provisorischer Parkplatz genutzte Fläche neben der Hall' - rund 1600 Quadratmeter - will der Prinz weiter als Kfz-Abstellplatz für die Besucher nutzen.
Interesse an dem Bau eines Fitness-Studios im Industriegebiet, wie beispielsweise von den Grünen alternativ vorgeschlagen, hat er nicht. „Es geht nicht darum, in Dieburg Fuß zu fassen, es geht mir um die Ludwigshalle“, betont er. Da müsse er abwarten, ob die Kommunalpolitik seinen Plänen positiv gegenüber stehe. Er wolle niemanden etwas aufdrängen.

„Michael Prinz von Anhalt hat der Stadt ein Kaufangebot unterbreitet. Ich darf so etwas nicht unter den Tisch fallen lassen, also habe ich es an den Magistrat weitergeleitet“, nimmt Bürgermeister Dr. Werner Thomas zu den Plänen Stellung. Der Magistrat habe die Sache beraten und mit einer zustimmenden Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung weiter geschickt.

Barrierefreie Seniorenwohnungen gefordert

Dass die Stadtverordneten dieser Empfehlung folgen werden, darf bezweifelt werden. Nicht nur die Grünen dringen vehement darauf, dieses „Filetstück“ der Stadt weiterhin für den Bau seniorengerechter Wohnungen bereit zu halten. Dieser Plan wird im Sinne einer vernünftigen Stadtentwicklung von allen Fraktionen befürwortet. Ein Fitness-Studio an dieser Stelle würde durch den Autoverkehr zudem zu viel Unruhe ins Quartier bringen, wird bemängelt.

Die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Ingeborg Steffens, hat sich bereits mit einem Schreiben an alle Fraktionen gewandt, in dem sie den Bau von barrierefreien Seniorenwohnungen an dieser Stelle einfordert.

In Ober-Roden ist Prinz Michael mit seinen Plänen gescheitert, den ehemaligen Bahnhof zu kaufen und ebenfalls in ein Fitness-Studio umzuwandeln. Dort hat sich das Parlament entschlossen, das städtische Gebäude lieber an eine Steuerberatungsgesellschaft zu veräußern.

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