Problemwerte in Flüssen und Bächen

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Gewässerbelastungen im Kreis Darmstad-Dieburg

Darmstadt-Dieburg - „Einzelne landwirtschaftliche Betriebe, die mit Pflanzenschutzmitteln nicht sachgemäß umgehen, reichen aus, dass toxische Stoffe in unsere Oberflächengewässer gelangen können“, sagte Peter Seel vom Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG). Untersuchungen der technisch-wissenschaftlichen Umweltbehörde hatten ergeben, dass mehrere Fließgewässer überhöhte Werte bei Pflanzenschutzmitteln (PSM) aufweisen. Von Dirk Beutel

Wie die Analysen des HLUG belegen, wurden zum Teil eklatante Überschreitungen ausfindig gemacht. Darunter auch im Kreis Darmstadt-Dieburg.

Bei einer Informationsveranstaltung im Landratsamt wurde jetzt der Versuch unternommen, Ursachen und Lösungen für die Misere in der Region auszumachen. Ausgehend von den Ergebnissen aus 2006 und 2007 bildete sich der Arbeitskreis PSM, dem Vertreter von Naturschutzverbänden, der Landwirtschaft und der Wasserbehörden angehören.

Wasser  unterliegt komplexen Naturgesetzen und befindet sich in einem ständigen Kreislauf. Der gute ökologische und chemische Zustand der oberirdischen Gewässer sowie der gute chemische und mengenmäßige Zustand des Grundwassers sind wesentliche Ziele des Gewässerschutzes.

Quelle: hlug.de

Dieses Gremium entdeckte nun, dass ein großer Teil der hiesigen Gewässerbelastungen mit PSM in Zusammenhang mit den Einträgen kommunaler Kläranlagen steht. Daraufhin wurden alle 19 Kläranlagen des Landkreises auf Wunsch des Kreisbeigeordneten Christel Fleischmann auf Pflanzenschutzmittel und ergänzend auf Pharmaka überprüft. Die Analyse untermauert die Daten des HLUG: So wurden im Zeitraum vom 11. April bis 12. Juni 2007 insgesamt 171 Proben auf 68 PSM-Stoffe und zwölf Pharmaka analysiert. Bei 22 PSM-Mitteln kam es zu positiven Ergebnissen. Die übrigen PSM lagen unter der Bestimmungsgrenze oder wurden nicht nachgewiesen. Pharmaka wurden in jedem Kläranlagenablauf vorgefunden.

„Das Problem liegt in einem nicht vorhandenen Unrechtsbewusstsein bei den Verursachern“, sagt Christel Fleischmann. „Ob überdosierte Pflanzenschutzmittel oder Medikamentenreste, die achtlos die Toilette herunter gespült werden, die breite Öffentlichkeit scheint noch nicht zu wissen, dass Kläranlagen diese Chemikalien nicht abbauen oder filtern können.“Vor allem in den Kläranlagen Eschollbrücken, Reinheim und Gräfenhausen habe man zu hohe Werte gefunden.

„Die Landwirtschaft muss hierbei nicht der alleinige Verursacher sein“, ergänzt Heiner Wider vom Regionalbauernverband. Denn auch andere Betriebe und Einrichtungen, wie Landschafts- oder Friedhofsgärtner sowie Maler und Lackierer arbeiten mit toxischen Mitteln. Eine Aufrüstung der Kläranlagen, damit diese die gefährlichen Stoffe entsorgen können, sei derzeit nicht Mittelpunkt der allgemeinen Diskussion. Entscheidend ist die „Handhabung vor Ort“, wie Carsten Ehm, Wasserwirtschaftsexperte vom Regierungspräsidium Darmstadt, findet. „Die gesamte Öffentlichkeit muss weiter intensiv über dieses Problem informiert und aufgeklärt werden“, appelliert Rainer Plasa vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Sprecher der AG Wasser.

Denn Missbrauch von Pflanzenschutzmittel kennt viele Verursacher. Ob zur Unkrautbekämpfung im Hausgarten oder zur Zierrasenpflege, überall können ebenfalls giftige Stoffe in die Oberflächengewässer gelangen. Während bei Pflanzenschutzmitteln jahreszeitliche Schwankungen festgestellt wurden, konnten pharmazeutische Bestände wegen ihrer regelmäßigen Anwendung in allen Kläranlagen konstant nachgewiesen werden. Hohe toxische Werte können Auswirkungen auf die Fischbestände haben. Zudem sei möglich, dass wegen der vielen Sandböden in der Region die Mittel über oberirdische Gewässer ins Grundwasser versickern und damit das Trinkwasser gefährden. So seien insbesondere die Bemühungen um Aufklärung bei den Nutzern von Pflanzenschutzmitteln zu erhöhen.

Messergebnisse im Internet:

Landkreis Darmstadt-Dieburg 

Die Wasserbelastung von Flüssen und Bächen durch die Verschmutzung aus Industrie, Haushalten und Landwirtschaft muss reduziert werden. Auch wenn der gute Wille und das Umweltbewusstsein vorhanden sind, werden ökologische Verbesserungen oft nur ansatzweise umgesetzt, weil man nicht weiß wie.

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Quelle: op-online.de

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