Prozess: Missbrauch ist nicht beweisbar

Darmstadt/Dieburg ‐ Einen Freispruch und eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten, so lautet das Urteil im Missbrauchsprozess von Dieburg, der in den letzten zwei Wochen verhandelt wurde. Von Ulrike Bernauer

Freigesprochen wurde der Angeklagte Michael R., weil die zwei konkreten Fälle, die die Anklage begründeten - das Streicheln der damals 12-jährigen Stieftochter des Angeklagten samt vaginalem Eindringen mit dem Finger - nicht zu beweisen waren.

Für Staatsanwältin Karin Pons hat sich der Missbrauchsverdacht insgesamt jedoch erhärtet, zahlreiche Übergriffe hätte nicht nur die Zwölfjährige, die von Gutachtern als sehr glaubwürdig eingeschätzt wurde, geschildert, sondern auch die Geschwisterkinder hätten nächtliche Besuche des Stiefvaters in dem Zimmer des mutmaßlichen Opfers bestätigt.

Staatsanwältin erwägt neuen Prozess

Zudem habe der Angeklagte in einem Telefonat, das er mit der Stieftochter nach deren Unterbringung in einem Jugendhilfeheim führte, zumindest das Streicheln an Bauch, Po und Brust zugegeben, wie eine Betreuerin des Heims als Zeugin bestätigte. Aus diesem Grund erwägt die Staatsanwältin einen neuen Prozess, in dem die in der Verhandlung bekannt gewordenen neuen Vorwürfe Gegenstand des Verfahrens sein könnten.

Schuldig gesprochen wurde der Angeklagte weil er gewaltsam mit einem Fleischerbeil in das St.-Josephs-Heim in Klein-Zimmern eingedrungen war. Staatsanwältin Pons hatte ein Jahr Freiheitsstrafe gefordert. Weil sich der Angeklagte aber seitdem nichts mehr zuschulden habe kommen lassen, wurde die Strafe von zehn Monaten zur Bewährung ausgesetzt.

Mit Freispruch zweiter Klasse nicht zufrieden

Einen schalen Eindruck hinterließ das Urteil bei allen Beteiligten. Bei Richter Jens Aßling und der Staatsanwältin Karin Pons weil sie das mutmaßliche Opfer als glaubwürdig einstuften, bei Verteidiger Christian Eidenschink, weil er seinen Mandanten für unschuldig hält und deshalb mit dem Freispruch zweiter Klasse im Missbrauchsfall nicht zufrieden ist.

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