Häusliche Gewalt

Puppen stehen für die Opfer

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Die Schaufensterpuppen stehen stellvertretend für zwölf Frauen und ihre Erfahrungen mit Gewalt.

Dieburg - Anne war kaum ein paar Monate mit ihrem 30 Jahre älteren Freund zusammen, da begann es schon: er beschimpfte und beleidigte sie. Als er anfing, sie zu schlagen, wusste die Mutter von drei Kindern, dass sie ihn verlassen müsste. Aber sie war verliebt. Von Bettina Link

Mit einer weiteren Schwangerschaft verband die 34-Jährige die Hoffnung, dass doch wieder alles gut werden könnte. Das aber wurde es nicht. Nach der Geburt begann der Partner wieder, Anne zu schlagen. Selbst nach einer Vergewaltigung schaffte Anne es aus Angst nicht, sich zu trennen. Irgendwann aber hat sie dann doch die Polizei gerufen und den ersten Schritt raus aus dem Terror, der von ihrem  Mann ausging, geschafft.

Annes Geschichte ist eine von zwölf, die in einer Ausstellung „Angst trifft Mut“ zu lesen sind. Die Ausstellung, die vom Amt für Gleichstellung in Köln initiiert wurde, kam über die Abteilung für Chancengleichheit des Landkreis und das „Netzwerk Gewaltschutz“ nach Dieburg. In der Dieburger Sparkassenfiliale am Markt 17 stehen zehn Schaufensterpuppen, zwei weitere sind in den Räumen von „Frauen helfen Frauen“ ausgestellt. Sie stehen für die Opfer, die Gewalt erlebt haben. Neben den Puppen stehen Tafeln, auf denen die Geschichten der Betroffenen zu lesen sind.

Es sind Geschichten von jungen und alten Frauen, von Deutschen und Frauen mit Migrationshintergrund, die eins verbindet: Sie haben über lange Zeit mit einem gewalttätigen Menschen zusammengelebt. „Die Betroffenen sind gefangen in einem Netz von Gewalt und dem Wunsch, dass sich der Partner doch noch ändert“, weiß Dr. Constanze Ohms, Geschäftsführerin vom Verein „Frauen helfen Frauen“.  Die Ausstellung ist Teil des internationalen Tages „Nein zu Gewalt an Frauen“ und für die nächsten zwei Wochen in der Sparkasse zu sehen. Landrat Klaus Peter Schellhaas betonte bei der Eröffnung am Montag: „Häusliche Gewalt ist immer noch ein tabuisiertes Thema, mit der Ausstellung holen wir es aus einer dunklen Ecke und bringen es an die Öffentlichkeit.“

Eine hohe Dunkelziffer

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239 Fälle von häuslicher Gewalt gab es 2011 im Landkreis Darmstadt-Dieburg. 900 waren es in ganz Südhessen. Dr. Constanze Ohms wies aber daraufhin, dass es eine deutlich höhere Dunkelziffer an Delikten gebe, die nicht angezeigt würden. „Unser Verein hat es sich deswegen zur Aufgabe gemacht, Frauen zu schützen und ihnen zu helfen, von den gewalttätigen Partnern wegzukommen“, sagt sie. Die zwölf ausgestellten Einzel-Schicksale der Frauen stehen stellvertretend für die vielen Schicksale, von denen nur selten jemand etwas erfährt. Sie sollen die Öffentlichkeit sensibilisieren. Kaum ein Kunde werde an den Puppen vorbeikommen, ohne sich damit auseinanderzusetzen, warum sie dort stehen, ist der Landrat überzeugt.

Die Ausstellung zeigt, welche Hürden die Frauen überwinden mussten und welche Sorgen sie bewegten. Anne und auch die anderen haben ihre Angst überwunden und den Mut gefasst, ihre Partner zu verlassen. Heute führen sie ein selbstbestimmtes Leben. Die Ausstellung soll Betroffenen Mut machen, Hilfe von außen zu holen und anzunehmen.

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