Im Pyjama mal probeweise auf den „Catwalk“

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Eine Modenschau in Nachtwäsche und Leggings gab es bei der „Pyjama-Party“ im Jugendcafé. Auch sonst war die Stimmung äußerst gelöst - um nicht zu sagen, ausgelassen.

Dieburg ‐  Der Rücken von Tamara (13) ist kerzengerade als hätte sie einen Stock verschluckt. Bevor sie los läuft, nimmt sie die rechte Hand an die Hüfte, reckt die Nase hoch und versucht, wie ein Model exakt einen Fuß vor den anderen zu setzen. Nach zwei Metern fällt ihr Kopf zurück und sie kann sich vor lachen kaum noch halten. Kein Wunder: Der „Catwalk“, beziehungsweise Laufsteg, sind ein paar aneinander gereihte Tische, die „Haute Couture“ besteht aus Schlafanzügen und Leggings mit T-Shirts.  Von Michael Just

Im nächsten Moment springen ein paar „Nachwuchs-Models“ in die Luft, als wären sie im Schwimmbad und würden gleich ins Nass eintauchen. Es ist kurz vor 22 Uhr im Dieburger Jugendcafe. Aus den Boxen dröhnt der Song „Ach wie gut, dass ich ein Mädchen bin“. Immer wieder hallen schrille Schreie durch den Raum.

Die eigens für Schülerinnen von zwölf bis 15 Jahren organisierte „Pyjama-Party“ erreicht mit der Modenschau einen weiteren Höhepunkt des Abends - es wird nicht der letzte sein. „Das ist bereits die dritte Pyjama-Party. Diesmal haben sich 16 Mädchen angemeldet“, sagt Juca-Mitarbeiterin Jasmin Enders (28). „Es wären noch mehr gewesen, hätten wir keine Herbstferien“, ergänzt die studierte Sozialarbeiterin im Anerkennungsjahr. Beim reinen „Mädelsabend“, wo Jungs keinen Zutritt haben, wird zusammen gekocht, gefeiert, übernachtet und zum Abschluss gefrühstückt. Für die Modenschau dürfen sich die Mädchen schminken und es gibt ein Fotoshooting. Wer da noch nicht zum Star wurde, wird es später beim „Singstar“, einer Art Karaoke, bei der man zu Musikvideos trällert.

„Hier können die Mädchen auch mal ausflippen“

Das letzte Mal sind wir um 5 Uhr ins Bett gegangen“, berichtet Enders. Sie weiß, wieso die Pyjama-Party so gut ankommt: „Hier können die Mädchen die ganze Nacht laut sein und auch mal ausflippen.“

Mit dem Eintritt in die Pubertät bietet man den Schülerinnen ein Stück Freiheit und Unbeschwertheit. So würden viele Schülerinnen gerne mal in die Disco gehen, sie sind aber noch zu jung. Deshalb gehört bei der Pyjama-Party reichlich Disco-Atmosphäre zum Konzept. Wie Enders weiß, spielen sich hier nicht selten kleine, aber wichtige Stationen in der Entwicklung der Teenager ab: „Viele haben noch nie vor anderen Personen getanzt. Da werden Hemmungen und Schüchternheit überwunden“, erklärt die Sozialarbeiterin und blickt auf zwei Mädchen, die sich beim Tanzen beobachten und aus dem Lachen nicht mehr rauskommen. „Da sich die Schülerinnen für die Modenschau schminken dürfen, können sie entsprechende Tipps auszutauschen“, erzählt Betreuerkollegin Anna-Lena Steinmetz (18), die den Mädchentreff der Jugendförderung betreut. Auch beim Thema Schminken stoße man einen wichtigen Punkt auf der Entwicklungsleiter an, dem im Alltag oft mit Unsicherheit begegnet wird.

Romantikfilme zum „Runterkommen“

Nach dem Singen haben wir noch ein paar Mädchen-Schnulzenfilme“, kündigt Enders den weiteren Verlauf der Nacht lachend an. Die seien eine Mischung aus Romantik und Tanz und einfach nur zum „Runterkommen“ gedacht, sagt die 28-Jährige in Anbetracht der überschäumenden Stimmung.

Und wenn die Mädels dann immer noch nicht müde sind, hält man zum Wegnicken noch ein paar „ganz langweilige Gute-Nacht-Geschichten“ parat.

Um kurz vor 23 Uhr beschreibt Enders den Abend trotz 16 ausgelassener „Girlies“ noch als ruhig. Bei einer Pyjama-Party zuvor sei es auch schon mal anders gewesen, als es beim Thema Jungs plötzlich „Zickenalarm“ gab.

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