50 Quadratmeter Unendlichkeit

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Ferienspiele unter Aliens: Einen Ausflug ins All unternahm die Lebenshilfe Dieburg in der letzten Woche mit 13 Kindern mit Behinderungen. Selbst gebastelte Kostüme durften da nicht fehlen.

Dieburg - 13 Kinder, die die Lebenshilfe zu Ferienspielen eingeladen hat, haben sich einen Raum erschaffen, in dem es Wände, aber keine Grenzen gibt – den Weltraum. Sterne aus phosphoreszierender Folie hängen an der Decke, funkelnde Raketen und Pappteller-Ufos sind startbereit. Von Barbara Hoven

Und jetzt tanzen oder rollen die Aliens, die sich die Kinder erst gebastelt und dann wie einen Pulli übergestreift haben, um auf dem Boden liegende Hula-Hoop-Reifen. Das sind die Planeten.

Es sind besondere Sternenreisende, die da die Weltall-Version der „Reise nach Jerusalem“ spielen. Sternenreisende, die außerhalb dieser rund 50 Quadratmeter Unendlichkeit in den Räumen der Lebenshilfe mit Grenzen leben müssen. „Bereits seit vielen Jahren veranstalten wir Ferienspiele für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche aus dem Altkreis Darmstadt-Dieburg“, erzählt Sozialpädagoge Tobias Nolte. „Dabei geht es nicht vorrangig darum, die Eltern in der schulfreien Zeit zu entlasten, sondern vor allem darum, die Kinder zu fördern und ihnen eine Woche voller Spaß und Spannung zu bereiten.“

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Wie ernst Nolte und seine Kollegen Maria Koepfinger, Raoul Keller, Erika Schneider und Barbara Hock diese Ziele nehmen, macht die Detailliebe deutlich, mit der die Betreuer die Ferienspiel-Woche vorbereitet haben. Anknüpfend an das Motto des letzten Jahres – „Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt“ – heißt es diesmal: „Die Welt ist nicht genug, wir erfahren das Weltall“.

Für die perfekte Illusion vom Ausflug ins All haben die Betreuer sich einiges ausgedacht. So haben die Kinder nicht nur selbst Raketen gebaut. Sondern diese gleich auch noch mit ihren Fotos dekoriert, „damit sie bildhaft ins All fliegen können, wenn das schon nicht wirklich geht“, erklärt Nolte die Idee.

Ein Ballspiel ist nicht einfach ein Ballspiel, sondern der „Ufo-Weitwurf“. Aus einem schlichten Bilderrätsel wird kurzerhand ein „Sonnensystem-Memory“. Die Kinder haben aufgemalt und erzählt, wie sie sich Außerirdische vorstellen - und sich auch gleich in welche verwandelt.

Zu Ehrenastronauten ernannt

Seit 2002 bietet die Lebenshilfe Dieburg – nach eigenen Angaben als einziger Anbieter im Altkreis Darmstadt-Dieburg – einwöchige Ferienspiele für Kinder mit Behinderungen an. Wegen der großen Nachfrage wurde das Angebot inzwischen sogar auf zwei Termine erweitert. Dabei erhielten die Betreuer in der letzten Woche Unterstützung von vier Mitarbeitern des Freiwilligen Sozialen Jahres. Auch ehemalige Zivis und Praktikanten schauen immer wieder vorbei und machen mit. All das sind willkommene Hilfen für die fünf Lebenshilfe-Bediensteten: „Wir betreuen den größten Schatz der Familie, und das wollen wir ausgezeichnet machen“, sagt Nolte. „Natürlich ist der Betreuungsaufwand sehr groß und kein Kind soll zu kurz kommen.“

Kommt es nicht. Zur Erinnerung an eine für Kinder wie Betreuer sichtlich gelungene Woche wurde beim Abschied jedes Kind per Urkunde zum „Ehrenastronauten der Lebenshilfe Dieburg“ ernannt, unterzeichnet von den fünf „Kommandanten“ der Lebenshilfe. Und das war dann ein wirklich himmlisches Gefühl.

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