Schiedsrichter-Urgestein Wilfried Wick ist 80 geworden / Karriere geht weiter

Raue Schale und herzlicher Kern

Zeitungsartikel, Wimpel und Erinnerungen an seine Karriere hat Wilfried Wick säuberlich arrangiert. Das Bild rechts zeigt die Dieburger Schiedsrichter-Legende in ihrem Element: beim Leiten eines Juniorenspiels auf dem DJK-Sportplatz.
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Zeitungsartikel, Wimpel und Erinnerungen an seine Karriere hat Wilfried Wick säuberlich arrangiert. Das Bild rechts zeigt die Dieburger Schiedsrichter-Legende in ihrem Element: beim Leiten eines Juniorenspiels auf dem DJK-Sportplatz.

Dieburg – „Wilfried Wick kennt keinen Maulkorb“: So lautete die Überschrift eines Artikels, den unsere Zeitung mal über eben jene Dieburger Schiedsrichter-Legende verfasste. Gute Gründe für Berichte lieferte der Unparteiische mit der rauen Schale und dem herzlichen Kern immer wieder: Sei es, als er das 3 000. Spiel seiner Karriere pfiff (längst strebt er der 4 000 entgegen), an seine Begegnung mit Franz Beckenbauer erinnerte oder für seinen unermüdlichen Einsatz als Fußball-Referee und nicht zuletzt für den SC Hassia Dieburg 2013 mit dem Landesehrenbrief dekoriert wurde.

Jetzt ist Wick 80 Jahre alt geworden. Seinen „Runden“ am 31. März verbrachte Wick im Rahmen der schmalen Möglichkeiten, die die staatlichen Corona-Verordnungen derzeit lassen. An Gratulanten –gerade aus dem Fußball – dürfte es dennoch kaum gemangelt haben: Schließlich prägt der Dieburger die regionale Junioren- und Amateurszene seit sechs Jahrzehnten und seinem ersten Einsatz an der Pfeife (mit Anfang 20, schon damals und immer für den SC Hassia) mit. Im Fußball-Kreis Dieburg reicht an Wicks Bekanntheitsgrad höchstens noch Dieter Storck vom TV Nieder-Klingen heran. Ein „Urgestein“ im besten Sinn, das sich auch von Alters- und Verletzungserscheinungen nicht kleinkriegen lässt. Freilich: Seit mehr als einem Jahr hat Wilfried Wick kein Spiel mehr gepfiffen. „Das letzte muss Anfang 2020 gewesen sein, ein D-Junioren-Spiel, kurz bevor es mit dem ersten Lockdown losging“, blickt er zurück. Zwar gab der Fußball vorigen Sommer und Herbst auch bei Nachwuchs- und Amateurkickern ein kurzes Comeback, ehe seit November wieder Tristesse herrscht. In dieser Phase legte den Dieburger aber eine Armverletzung lahm. Die hat er inzwischen aber überwunden – und wäre bereit für die nächsten Einsätze.

Denn auch als 80-Jähriger kann sich Wick vorstellen, dem Fußball in aktiver Rolle noch ein Weilchen treu zu bleiben. Die jährlich 100 Spiele von einst wird er sicher nicht mehr leiten, „ich mache aber noch den Axel Springer“. So formuliert er humoristisch, dass er der Schiedsrichter-Vereinigung Dieburg weiter als flexibel einsetzbarer Spielleiter zur Verfügung steht. Wick fährt kein Auto und radelt stattdessen zu den Partien, für die er angesetzt wurde. Unter anderem für die Anreise zu Begegnungen der Jugend oder zweiten Mannschaft des SV DJK Viktoria Dieburg, von deren Sportgelände er nur ein paar Steinwürfe entfernt wohnt, reicht der Drahtesel aber locker. Und das sinkende Angebot an Menschen, die sich der Herausforderung einer Spielleitung stellen, steigert den Wert der verbliebenen Schiedsrichter, wenngleich nicht immer auch die Wertschätzung, die ihnen die anderen Sportplatz-Protagonisten entgegenbringen.

Die Verdienste von Wilfried Wick auf die im Amateurbereich (trotz geringer Spesen und Kilometergeld) faktisch ehrenamtliche Schiedsrichterei zu beschränken, wäre derweil unvollständig: Auch im Nachwuchsbereich des SC Hassia engagierte er sich viele Jahre lang in diversen Funktionen. „Gerade die Kinder und Jugendlichen waren und sind mir immer wichtig“ sagt er. Und auch bei den Aktiven könnte er am Wolfgangshäuschen bald wieder die Aufgabe des „HSO“ („Hassia-Schiedsrichter-Obmanns“) übernehmen, von der er sich 2018 zurückzog: „Wenn es vom Vorstand gewünscht ist, würde ich mich bei Heimspielen der ersten Mannschaft wieder in die Betreuung des Schiedsrichter-Gespanns einbringen.“

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