Raus aus den Klischees

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Selbst zubereitetes Moretum: Hannelore Stuckart (links) und Stephanie Beißler tischen ein römisches Mittagsgericht auf. Vorne freuen sich Leon Kasper (links) und Leon Pezzica.

Dieburg (db) ‐ „Jetzt hast du den Terminal geweckt“, erklärt Harald Bernhardt der zwölfjährigen Jolene und zeigt auf die kleine digitale Anzeigetafel des „Readys“, einem kleinen roten Handcomputer. „Dieser wird benötigt, wenn ein Automatenfachmann auf seiner Nachschubroute eine Wareninventur durchführt und das Gerät neu bestückt“, fährt der Werkstattleiter fort. Doch bevor es soweit ist, muss die Schülerin der Dieburger Goetheschule zunächst den Automaten entleeren und das Münzgeld einsammeln.

Zum dritten Mal bietet die Tabakwarengroßhandlung Willi Weber interessierten Mädchen zwischen zehn und 16 Jahren beim „Girl´s Day“ Einblicke in den neuen Ausbildungsberuf des Automatenfachmanns. Je nach Schwerpunkt kann sich der Auszubildende auf kaufmännische oder technische Tätigkeiten spezialisieren.

Entgegen aller Vermutungen begeisterten sich die sieben Mädchen beim „Girl´s Day“ am Donnerstag für das Warten, Montieren und Reparieren an Automaten. Obwohl: „Das ist schon ein körperlicher Job, bei dem man anpacken muss“, schildert Projektmanager Sven Schmidt. Der „Nachwuchstruppe“ bereitete der Schnuppertag sichtlich Spaß. Ob sich durch den Besuch jemand für diesen Ausbildungsberuf begeistern könne, vermochte allerdings keines der Mädchen zu beantworten. Nur Alicia (13) aus Kleestadt wusste schon: „Ich werde Krankenschwester.“

Schnuppertag diesmal auch für Jungs

Hatten sichtlich ihren Spaß mit klimpernden Münzen: Zara (links) und Nina machen „Kasse“ am Automaten.

Auf Initiative von Bundesfamilienministerin Kristina Köhler sollte der „Girl´s Day“ in diesem Jahr jedoch eine wesentliche Neuerung erhalten: Aufgrund der Gleichberechtigung und der Tatsache, dass sich auch junge Männer von Stereotypen in der Berufswahl beeinflussen lassen, boten manche Betriebe den neuen „Boy´s Day“ an.

Wie beispielsweise im Museum Schloss Fechenbach: Dort wurden kurzerhand Girls mit Boys vermischt. Die Archäologinnen Stephanie Beißler und Hannelore Stuckart beleuchteten die Schwerpunkte eines Altertumskundlers. Wie die meisten Geisteswissenschaften, so ist auch die Archäologie vornehmlich eine weibliche Domäne.

Einblicke in die Archäologie

Neben einer Führung durch die Exponate bekam die achtzehnköpfige Schulgruppe der Einhardschule aus Seligenstadt eine kleine Einführung in die Numismatik (Münzkunde). „Unser Job hat wenig mit Indiana Jones zu tun. Wir tragen selten Hut und Peitsche auf der Arbeit“, scherzt die kommissarische Museumsleiterin Ulrike Posselt, die auch Archäologin ist. Die Hauptarbeit des Archäologen müsse am Schreibtisch erledigt werden. Aber auch in einem Museum kommt das Handwerk nicht zu kurz: Gemeinsam bereiteten Schüler und Wissenschaftlerinnen „Moretum“, eine römische Mittagsmahlzeit zu: Kräuterkäse mit Brot - beides selbst gemacht.

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