Wohnungsbau am Bahnhof:

Raus aus der Sackgasse?

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Dieses Gelände schräg gegenüber des Dieburger Bahnhofs soll bebaut werden. Über die Ausnutzung des Areals stritten zuletzt Magistrat und die Projektentwicklung Früchtenicht. Bei einem Treffen am Montag soll ein erneuter Anlauf zu einer gütlichen Einigung unternommen werden.

Dieburg -  Am Fuchsberg geht es nicht recht weiter. Projektentwickler Christian Früchtenicht wird nun im Magistrat vorstellig. Die Nieder-Ramstädter Diakonie als künftiger Mieter könnte ins Boot zurückkehren. Von Jens Dörr

Es ist ein wenig erbaulicher Anblick in prominenter Dieburger Lage: An der Ecke zwischen den Straßen Am Fuchsberg und Am Bahnhof liegt seit einiger Zeit jenes Gelände weitgehend brach, auf dem einst der Dieburger Seniorentreff untergebracht war. Größtenteils wird es derzeit als Parkplatz genutzt. Für das Areal gibt es seit einiger Zeit große Pläne, Bautätigkeit ist aber noch nicht ausgebrochen. Was mit festgefahrenen Verhandlungen zwischen der Stadt und der Projektentwicklung Früchtenicht zu tun hat – und am Montag vielleicht doch noch eine Wende zum Guten nehmen könnte.

Dann nämlich wird mit Christian Früchtenicht einer der Geschäftsführer des Dieburger Unternehmens abermals im Magistrat der Stadt vorsprechen. Dorthin hat ihn Bürgermeister Frank Haus eingeladen, der sichtlich darum bemüht ist, in die festgefahrene – für alle Seiten unerfreuliche – Lage wieder Bewegung zu bringen.

„Letztlich haben wir die Geschichte gemeinsam in eine Sackgasse manövriert“, sagt Haus. „Das ist von Anfang an unglücklich gelaufen. Wir gehen nun aufeinander zu, wollen die Kuh vom Eis bringen, Baurecht schaffen und eine wirtschaftliche Lösung finden.“

Was war passiert? Der Projektentwickler hatte das 1 500 Quadratmeter große Gelände 2016 von der Stadt erworben, laut Christian Früchtenicht für mehr als 300 000 Euro. „Die Stadt hat uns das Grundstück im Rahmen eines bedingt aufschiebenden Kaufvertrags in dem vollen Wissen verkauft, dass wir das Grundstück einer Bebauung zuführen und dazu auch den Keller abreißen wollen. Der Vertrag hat uns zudem eine bestimmte Ausnutzung des Geländes garantiert.“

Hier sei für den Investor besonders die Geschossflächenzahl – im konkreten Fall ein vereinbarter Mindestwert von 0,8 – von Relevanz. „Natürlich will ein Bauträger immer eine hohe Ausnutzung haben“, gibt Früchtenicht zu. Das muss fürs Stadtbild, auf das gerade Rathaus und Parlament neben der Wohnraumschaffung im stark nachgefragten Dieburg ebenso zu achten haben, nicht immer die attraktivste Lösung sein. „Man muss aber immer sehen, dass der Bauträger seine Fixkosten auf die be- und überbaute Fläche umlegt und das auch auf den Kaufpreis Einfluss hat.“ Hier dürfe man die wirtschaftliche Seite eines Bauprojekts nicht aus den Augen verlieren.

Genau dies ist nach Früchtenichts Meinung in den vergangenen Monaten aber mit dem Bebauungsplan für das Areal schräg gegenüber des Bahnhofs passiert. Anfangs kalkulierte das Unternehmen mit zweieinhalb Geschossen und Dachgeschoss, 22 Wohnungen sollten sich dabei auf zwei Gebäude aufteilen, unter denen in einer Tiefgarage geparkt werden sollte. Die Gebäude sollten zudem einen Lärmschutz für die dahinter verlaufende Ritterstraße bilden. Vom Bahnlärm entlastet werden sollten die Bewohner der zwei neuen Gebäude durch eine „zweischalige“ Bebauung gen Bahnlinie hin. Zwischen der Hauswand gen Bahnlinie und den Wohnungen würde ein Gang liegen, der lärmmindernd wäre. „Das war die Idee des hinzugezogenen Lärmschutz-Gutachters“, so Früchtenicht, dessen Unternehmen den Bebauungsplan erstellen ließ und dazu auch entsprechende Gutachten beauftragen und bezahlen musste.

Nach den ersten Planungen, so der Vorwurf des Investors, seien aus Reihen des Dieburger Magistrats aber immer mehr Veränderungen gewünscht worden, die das Projekt hätten unwirtschaftlicher werden lassen. So sollte die Tiefgarage vom Bahnhof aus statt wie ursprünglich geplant vom Fuchsberg aus angefahren werden, wurde die Fassade kritisiert und die Ausnutzung als zu hoch angesehen.

„Irgendwann haben wir dann einen ziemlich verzweifelten Entwurf mit extrem schlechter Ausnutzung, weniger Wohnungen und Parkplätzen statt einer Tiefgarage präsentiert“, blickt Früchtenicht zurück. Die nur noch erreichte Geschossflächenzahl von 0,67 sei „schlechter als bei jedem Einfamilienhaus auf dem Campus Dieburg“.

Unrentabel sei es durch die neuen Planungen auch deshalb geworden, weil die Wohnungen zumindest teilweise von der Nieder-Ramstädter Diakonie gemietet werden sollten. „Die war von Anfang an im Boot, wollte behinderte Menschen, die zum Beispiel in den Werkstätten im I-Nord arbeiten, dort unterbringen. Da haben wir gern mitgemacht. Es sollte also ein soziales Wohnungsbau-Projekt werden, für das wir pro Quadratmeter sowieso weniger als in Dieburg marktüblich verlangen können.“

Fürs Erste sei die Diakonie wieder abgesprungen. Früchtenicht drohte sogar, wegen der zu niedrigen Geschossflächenzahl ganz abzuspringen, den Kauf final doch nicht zu vollziehen und entstandene Kosten („bisher rund 50.000 Euro“) der Stadt in Rechnung zu stellen.

Wegen des Entgegenkommens vom Frank Haus klang Christian Früchtenicht Mitte dieser Woche aber wieder ein wenig optimistischer: „Ich soll im Magistrat nun doch noch einmal den allerersten Plan vorstellen.“ Finde man über diese Bebauung oder eine andere, die für beide Seiten verträglich sei, doch noch zusammen, komme wahrscheinlich auch wieder die Diakonie ins Spiel. Zu bedenken bei alldem sei stets: „Wenn ein privater Investor sozialen Wohnungsbau machen soll und ihm dabei eine schlechtere Ausnutzung als bei jedem Einfamilienhaus zugebilligt wird, dann funktioniert das nicht.“

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