Unwetter

Raus aus Zelt, rein in Sporthalle

Dieburg - Kurz vor fünf Uhr waren die etwa 2000 Besucher, die nach dem „Traffic Jam“-Festival - eine der größten Veranstaltungen alternativer Musik in Hessen - auf den Zeltplätzen übernachtet hatten, von den starken Regenfällen überrascht worden. Von Lisa Hager

Nach Angaben der Polizei konnten sich alle Festival-Besucher rechtzeitig in Sicherheit bringen. 91 überwiegend junge Leute wurden von der Feuerwehr mit Bussen zur ABC-Halle gebracht und dort mit Decken und warmen Getränken versorgt. In der Halle wurde eine Betreuungsstelle eingerichtet. Alle anderen Gäste traten in eigenen Fahrzeugen die Heimreise an oder wurden von Angehörigen abgeholt. Das Festgelände wurde von Polizei und Sicherheitsdienst abgeriegelt und im Rahmen der Eigentumssicherung überwacht.

„Die Räumung des Geländes verlief sehr diszipliniert, lediglich eine Besucherin erlitt eine Schnittverletzung“, so der Pressesprecher der Feuerwehren im Kreisgebiet, Werner Flechsenhar.

Ostkreis besonders stark betroffen

Besonders stark von dem Unwetter war der Ostkreis betroffen: Allein in Dieburg gab es laut Feuerwehrleitstelle mehr als 96 Einsätze, bei denen die Wehrleute Keller und Garagen leer pumpen mussten.

Über 150 Einsatzkräfte aus Dieburg und den umliegenden Kommunen waren vor Ort. Die Dieburger Wehr wurde dabei von Einsatzkräften aus Münster, Altheim und Zimmern unterstützt. Immer mehr Einsätze mit dem Stichwort „Wasser“ mussten abgearbeitet werden.

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Heißer Auftakt, dramatisches Ende

Zum Abarbeiten der Liste wurden die Feuerwehren Babenhausen mit Wassersaugern, die Feuerwehren Pfungstadt und Ober-Ramstadt/Modau mit jeweils 250 gefüllten Sandsäcken und die Feuerwehr Groß-Umstadt mit dem Abrollbehälter Hochwasser und dem zugehörigen Personal nach Dieburg beordert.

Damit nicht genug gab es auch noch zwei Einsätze mit dem Stichwort „Feueralarm“. „Unklare Rauchentwicklung in der Hebeanlage des Klärwerks“ hieß es gegen 6.30 Uhr. Die erste Erkundung eines Trupps unter schwerem Atemschutz ergab, dass der Motor der Anlage heiß gelaufen war und der Keilriemen zu schmoren begann. Die Anlage wurde notabgeschaltet. Bei dem Einsatz wurden die Dieburger Kräfte von der Feuerwehr Groß-Zimmern unterstützt.

Brand konnte schnell bekämpft werden

Gegen 8.30 Uhr der nächste Schock: „Dachstuhlbrand im Burgweg“. Da sozusagen alle Feuerwehrleute schon auf den Beinen waren, konnte auch der Brand schnell bekämpft werden.

Die Erkundung unter schwerem Atemschutz ergab, dass im Bad des betroffenen Hauses im Burgweg ein Elektro-Heizer gebrannt hat. Auch hier kamen den Dieburger Feuerwehrmännern die Kollegen aus Zimmern zu Hilfe.

Auto, Land unter: Allein in Dieburg musste die Feuerwehr rund 70 mal wegen voll gelaufener Keller oder Garagen ausrücken.

Danach ging es wieder mit der Liste der Wasserschäden weiter, die immer mehr wurden. Erst gestern Abend konnten die eingesetzten Kräfte der Dieburger Wehr erstmals etwas durchatmen. „Wir haben derzeit noch ein letztes Fahrzeug draußen im Einsatz“, sagte Stadtbrandinspektor Sven Weyrauch gegen 17 Uhr auf Anfrage des DA. In dieser schlimmen Unwetter-Nacht auf Sonntag sei „eben alles zusammengekommen“.

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