Ort der Reinigung und des Lasters

Dieburg - Dem Heimatverein ist es gelungen, die Kunsthistorikerin und Kuratorin Kathrin Wegner-Walte, die 15 Jahre lang ein Bädermuseum bei Bad Bellingen leitete, für einen Vortrag zu gewinnen.

Anhand sehenswerter Illustrationen erläutert die Kunsthistorikerin die Bedeutung und die zahlreichen Funktionen der öffentlichen Badestuben, die zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert nicht nur als Orte der Reinigung, der Gesundheitsvorsorge, der Körper- und Schönheitspflege, sondern auch als Orte der Geselligkeit genutzt wurden. Der Bader, der als Ersatzarzt fungierte, renkte Gelenke ein, setzte Schröpfköpfe oder Blutegel und nähte und versorgte kleinere Wunden.

In Dieburg steht eines der schönsten drei Badehäuser des 16. Jahrhunderts in Deutschland. Innen ist kaum etwas verändert worden, in den Heizungsraum (Ofen) ist zwar heute die Theke integriert, aber mit wenigen Handgriffen könnte man ihn wieder als solchen installieren. Im Flur müssten Haken für die Kleider in die Wände und die Bottiche des Heimatvereins würden den Gastraum füllen. Auch das alte Frischwasserbecken ist noch vorhanden - es fehlen nur die Feldsteine, die man erhitzte, um sie dann in die Badebütten gleiten zu lassen, wenn das Wasser darin zu kalt wurde - denn nur um sich zu waschen, dafür ging man nicht ins Badhaus.

Bader, Barbiere, Badeknechte und Mägde waren nicht nur für Wasser- oder Kräuterbäder, für zahnmedizinische Anwendungen oder für Haar- und Bartpflege zuständig, sondern sie sorgten - im wahrsten Sinne des Wortes - auch für das leibliche Wohl ihrer Gäste. In den Holzzubern, in denen oftmals ‚„beyderley Geschlecht“ anzutreffen war, wurde gebadet, getrunken, gegessen, gesungen, geliebt.... Als an diesen Orten des Lasters und der Sünde dann Seuchen und ansteckende Krankheiten verbreitet wurden, waren auch das Gründe, die zur Schließung vieler Badestuben im 17. Jahrhundert führten.

Der Vortrag mit Kathrin Wegner-Walte findet am Freitag, 24. April, um 19.30 Uhr in der Alfred-Delp-Schule statt (Eingang über den Hof). Besucher zahlen 4 Euro, Mitglieder 3 Euro.

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