Respekt, immer wieder Respekt

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Vize-Europameister Hüseyin Imam (vorne) weiht Jugendliche im Juca in die Geheimnisse des Karate-Sports ein.

Dieburg - Die Rufe, die durch das Dieburger Jugendcafé (Juca) schallen, sind japanisch. „Das ist die Sprache hier beim Karate, auch wenn eine Freestyle-Version statt der traditionellen trainiert wird“, erklärt Hüseyin Imam. Von Jens Dörr

Er hat nicht nur Ahnung, wenn er vom Karate-Sport spricht – er beherrscht ihn auch in Perfektion: Imam ist fünffacher Deutscher Meister und holte zweimal den Vize-Titel bei der Europameisterschaft. „Das war für die Türkei, beim Worldcup bin ich aber auch schon für Deutschland angetreten“, sagt der 25-Jährige.

Schon wenn Imam im Interview blitzschnell und präzise antwortet und dabei konzentriert aus seinen wachen Augen blickt, verkörpert er das, was er den insgesamt 14 Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren vermitteln möchte: Disziplin, Respekt, zugleich aber auch Selbstvertrauen. Das alles aber bitte mit der nötigen Ernsthaftigkeit, die die Champions auszeichnet: „Wer dauernd lacht oder herumalbert, muss 20 Liegestütze machen.“

Dann geht es los mit dem ersten „Kata“, so heißt im Karate ein Bewegungsablauf. Erst wärmt sich Imam mit seinen Schützlingen auf, dann zischen die Fäuste durch die Luft. Am Ende des fast zweistündigen Trainings wird dann noch etwas Kraftsport gemacht. „Die Jugendlichen sollen am Ende richtig ausgepowert sein“, wünscht sich Imam. Dafür sei der Kampfsport überhaupt das Allerbeste. Es gehe nicht darum, gute Straßenkämpfer auszubilden – im Gegenteil: Menschen, die ernsthaft Karate betrieben, seien laut Imam, der auch vielfacher Hessenmeister ist, sehr ausgeglichen. „Und gehen respektvoll mit anderen um. Respekt, Stärke, Achtung – das will ich den Leuten hier vermitteln.“

Die Leute im Juca wirken ohnehin nicht so, als wären sie in die Kategorie „problematisch“ im Umgang mit ihren Mitmenschen einzuordnen. „Doch unproblematisch ist heute kein Jugendlicher mehr“, sagt Imam aus Erfahrung. „Da kann man immer noch was machen.“ Er muss es wissen, gibt er seinen Kurs mit den fünf ausführlichen Einheiten doch nicht zum ersten Mal. In Reinheim hat er die Grundtechniken des Karate-Sports und verschiedene „Katas“ bereits weitergegeben, in Erzhausen und in Weiterstadt. Sein Kurs findet in Kooperation mit der Kinder und Jugendförderung des Landkreises statt sowie Lotus e.V., dem Gesundheits- und Kampfsportverein Eppertshausen. Den hatte Imam vor einigen Jahren mitgegründet. Dort trainiere er im Übrigen auch ältere Menschen. „Da habe ich zum Beispiel einen Schüler, der 63 Jahre alt ist und erst mit 58 Jahren angefangen hat“, sagt Imam.

In Dieburg findet das Karateprojekt im Rahmen der Gewaltprävention der Jugendförderung der Stadt statt, auf die das Team um Jugendpflegerin Özlem Yanmaz Ezawa großen Wert legt. Gerade Mädchen diene der Kurs auch zur Hilfe bei der Selbstverteidigung, erläutert Hüseyin Imam. „Aber auch bei den Jungs will ich auf gar keinen Fall etwas anderes.“ Wenn die nach Hause gehen, sollen die Aggressionen im Juca zurückgeblieben sein. Und in punkto Selbstverteidigung sei Weglaufen immer noch das Sinnvollste überhaupt.

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