Rettung ist geglückt

Ich bin jemand, der jeden Tag in seinem Laden arbeitet, der jeden Tag vor Ort ist.

Das einzige Lebensmittel-Geschäft in Dieburgs Westen bleibt erhalten: Kaufmann Markus Tempier übernimmt Anfang 2020 den Lajos-Markt: Aus Edeka wird Rewe, der Vertrag läuft über fünf Jahre. VON JENS DÖRR

Dieburg – Gute Nachricht insbesondere für die Dieburger, die im Westen der Stadt wohnen: Das einzige Lebensmittel-Geschäft in diesem Viertel, der Einkaufsmarkt in der Waldstraße, bleibt langfristig erhalten. Anfang 2020, wenn der derzeitige Betreiber Franz Lajos den Laden abgibt, übernimmt ihn Kaufmann Markus Tempier. Aus dem derzeitigen „Nah und gut“-Markt des Edeka-Konzerns wird dann ein Rewe-„Nahkauf“.

Tempier unterschrieb vor wenigen Tagen einen Fünfjahresvertrag (plus Option auf weitere Jahre) mit der Familie Dillenseeger. Das Ehepaar – der Mann war im Frühjahr gestorben, am Verhandlungstisch saß seine Frau – hatte den Lebensmittel-Markt früher lange selbst betrieben und ist bis heute Besitzer von Grundstück und Markt in der Waldstraße. Nach den Dillenseegers hatte zunächst Kaufmann Schoof den Laden fortgeführt, ehe vor einigen Jahren Lajos eingestiegen war. Franz Lajos möchte sich demnächst zur Ruhe setzen und seinem Schwiegersohn, der den wesentlich größeren Edeka-Markt in Reinheim übernimmt, nicht den kleinen Dieburger Markt mit seinen nur 420 Quadratmetern Verkaufsfläche übergeben.

Laut Franz Lajos war der „Nah und gut“-Markt in der Waldstraße seit der Eröffnung des Edeka-Markts Kampmann in der Groß-Umstädter Straße leicht defizitär geworden (wir berichteten).

Aus diesem Grund fand sich innerhalb der Edeka-Familie kein Betreiber für die Fortführung unter der Marke „Nah und gut“, wie die kleineren Edeka-Märkte heißen.

Mit Markus Tempier wurde schließlich aber ein selbstständiger Kaufmann gefunden, der seine Waren vom Rewe-Konzern bezieht. Bei Rewe heißen die kleinen Vollsortimenter „Nahkauf“. Tempier, der in Bad König wohnt, führte vor einigen Jahren einen solchen Markt in Semd. Seit fünf Jahren betreibt er einen „Nahkauf“ in Gründau-Rothenbergen. Ihn gibt Tempier im Oktober dieses Jahres ab und gönnt sich anschließend ein paar Wochen Urlaub. Ab Februar oder März 2020 – der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest – führt er in der Waldstraße die Regie.

Dann ändern sich (vor allem farblich) Marktoptik, das Sortiment und teilweise auch die Belegschaft. Einige der derzeitigen Mitarbeiter des Lajos-Markts stehen bereits in Kontakt mit der Kaufmanns-Familie Kampmann, die Edeka-Märkte in Dieburg, Münster, Georgenhausen und Fränkisch-Crumbach betreibt. Franz Lajos verspricht zudem Perspektiven in seinem Markt in Reinheim. Doch auch Tempier kann sich vorstellen, bisherige Mitarbeiter – mit einer Ausnahme durchweg Frauen – zu übernehmen.

Darüber hinaus verspricht Markus Tempier, sich voll und ganz auf den Markt in Dieburg konzentrieren zu wollen. „Ich brauche dieses Tante-Emma-Gefühl“, sagt er und verdeutlicht, dass die immer größeren, anonymeren Märkte auch von Rewe nicht seine erste Wahl seien. „Ich bin jemand, der jeden Tag in seinem Laden arbeitet, der jeden Tag vor Ort ist“, kündigt der Kaufmann an.

Vor betriebswirtschaftlichen Anpassungen schützt ihn diese Einstellung allerdings nicht. So dürfte die derzeitige Bedientheke für Käse im „Nahkauf“-Markt ab 2020 Geschichte sein. „Die Fleischtheke, die in Märkten dieser Größenordnung üblicherweise über die restliche Verkaufsfläche subventioniert wird, versuche ich unterzuvermieten.“ Leider sei „Fleisch durch den Preisverfall zum Ramschartikel geworden“, bedauert Tempier.

In seinem baldigen Dieburger Markt möchte er gegen die Verramschung mancher Produkte etwa dergestalt ein Gegengewicht setzen, dass er neben dem Stammsortiment durch Waren lokaler und regionaler Erzeuger – auch und gerade aus der heimischen Landwirtschaft – ein Alleinstellungsmerkmal schaffen und für deren Wert sensibilisieren möchte. Er sei optimistisch, den Markt wieder rentabel und damit zukunftsfähig machen zu können: „Die Eckdaten sind besser als in meinem jetzigen Laden in Rothenbergen.“

Auf jeden Fall erhalten werden soll die Verkaufsstelle für Backwaren am Eingang des Markts. Sie ist bereits untervermietet, derzeit an die Babenhäuser Bäckerei Lautenschläger.

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