Scherenschleifer Karl-Alois Loritz bringt in seinem Mobil einen Hauch von Nostalgie mit

Den richtigen Schliff verpasst

Voll konzentriert: Karl-Alois Loritz schleift eine Schere.

Dieburg - Dieburg   Glücklich lächelnd nimmt eine junge Friseurin ihre beiden Scheren in Empfang. „Sie können gerne einmal testen, ob sie scharf genug sind“, sagt Karl-Alois Loritz und neigt ihr spaßeshalber seinen Kopf entgegen. „Das merke ich bereits an der Handbewegung, die sind ja fast wie neu“, freut sich die junge Frau und verzichtet auf den Testschnitt.

Auch der nächste Kunde zeigt sich beeindruckt. „Die haben Sie ja wieder ganz toll hinbekommen“, lobt Franz Kunkel und nimmt die Küchen- und Schlachtermesser in Empfang. „Jetzt kann es in der Küche wieder ans Eingemachte gehen.“

Der Scherenschleifer Karl-Alois Loritz aus Rodenbach hatte sich mit seinem Mobil zwei Tage lang in Dieburg eingefunden, um Haushalts- und Gartengeräten aller Art wieder einen neuen Schliff zu verpassen. Die Kunden konnten ihre Ware direkt am Mobil abgeben.

„Ich schleife nicht nur Messer und Scheren, sondern alles, was das Haus und der Garten an Geräten hergibt“, sagt Loritz. So sind neben Rasiermessern und Heckenscheren auch die Klingen eines Rasenmähers für Loritz kein Problem. „Ich wünschte, die Leute hätten weniger Berührungsängste und würden sich trauen, mal nachzufragen“, so Loritz. „Ich nehme auch gerne Kuriositäten in Empfang und schleife sie - wenn möglich.“

Der Scherenschleifer ist bekannt im Umkreis, fährt er doch bereits seit über 20 Jahren die Strecke von Gelnhausen über Hanau und Rodgau bis nach Dieburg und in den Odenwald. „Viele Leute kennen mich und kommen jedes Jahr wieder.“

Loritz legt Wert auf sein „Scherenmobil“, denn das hält ihm das manchmal etwas unsaubere Image der Haustürgeschäfte fern. „Unsere Familie ist bereits in der siebten Generation Straßenschleifer“, blickt Loritz zurück, der sein Handwerk von Opa und Vater lernte. Damals war die Familie noch zu Fuß von Ort zu Ort unterwegs. „Da wurden die Geräte noch mit Muskelkraft und Tretpedal angetrieben“, entsinnt sich Loritz. Selbst größere Strecken waren kein Problem - der Radius der Familie war groß. „Wir fuhren auch mit dem Zug nach Dortmund oder in andere Richtungen“, erinnert er sich. Die Familie übernachtete dort und man ging von Haustür zu Haustür, um die Dienste anzubieten. „In der damaligen Zeit war das gang und gäbe“, sagt er. Erst später ließen sich die Kunden von den Haustürgeschäften abschrecken und so bietet Loritz nun seine Dienste im „Scherenmobil“ an, das mit allen notwendigen Geräten ausgestattet ist. Ein Generator sorgt für den nötigen Strom, um die verschiedenen Schleifmaschinen zu betreiben.

„Leider leben wir heute in einer Wegwerfgesellschaft“, sagt Loritz. „Die Qualität der Waren ist nicht mehr vergleichbar mit früher, damals waren beispielsweise die Messer viel besser und die Leute wissen manche Werte einfach nicht mehr zu schätzen.“

Trotzdem ist Loritz frohen Mutes und liebt sein Handwerk über alles. „Natürlich machen sich finanzielle Einbußen bemerkbar, aber ich lebe von dem bisschen und freue mich an meinem Beruf“, erklärt er. Kaum vorstellbar, wenn man die Preise betrachtet. Für das Schleifen von fünf Küchenmessern berechnet er dem Kunden zwölf Euro. „Kollegen mit festem Stand nehmen hier manchmal das Doppelte“, vergleicht er. Für das Schleifen eines kompletten Essmesser-Sets nimmt er 18 Euro. „Die Messer sind wie neu und halten nun wieder lange Zeit“, sagt Loritz und zeigt den Unterschied - vor und nach dem Wellenschliff. „Damit schneidet man sogar wieder Tomaten“, sagt er stolz.

Eine besondere Arbeit war für Loritz das Schleifen einer alten Schneiderschere. „Ich musste sie auseinander nehmen und komplett von Rost befreien“, erklärt er. „Dann habe ich sie geschliffen und poliert, so dass man die alte Gravur wieder erkennen kann.“ „Dem jungen Masschneider für anerkannte Leistung“ - diese Widmung hebt sich nun wieder gut lesbar auf dem Scherenblatt ab.

Dass das Handwerk des Scherenschleifers nicht ausstirbt, dafür sorgt der Familienvater und gibt die Tradition an seinen Nachwuchs weiter. „Ich habe sieben Kinder, von denen meine beiden Söhne das Handwerk übernommen haben und ausüben“, freut sich der „Scherenmann“.

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