Stadtradeln

Mit der Rikscha um die Kirche

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Vom Rathaussessel in die Rikscha: Bürgermeister Dr. Werner Thomas wirbt mit Hans Enders und den Enkeln Adrian und Matti fürs „Stadtradeln“.

Dieburg - Aktion Stadtradeln: Bis 9. Juli aufs Auto verzichten und mit Muskelkraft dem Klima Gutes tun. Von Ursula Friedrich 

Die Gesundheit trainieren, nervenaufreibende Parkplatzsuche meiden und sogar etwas für das Weltklima tun? Die bundesweite Aktion „Stadtradeln - Radeln für ein gutes Klima“ macht es möglich. Auch Dieburgs Bürger sind nun erstmals angehalten, das Automobil für einige Zeit einzumotten.

Kommunalpolitiker rührten beim Pfarrfest von St. Peter und Paul an Fronleichnam kräftig die Werbetrommel für die 7. umweltfreundliche Initiative des europäischen Klima-Bündnisses. „Wir haben einen fahrradbessenenen Bürgermeister“, sagte Ulrike Posselt vom Organisationsteam der Stadt schmunzelnd - da läge eine solche Initiative auf der Hand.

Die Idee stammt allerdings nicht von Stadtoberhaupt Dr. Werner Thomas, sondern aus der SPD-Fraktion. „Wir haben einen entsprechenden Antrag im Parlament eingebracht“, erläuterte SPD-Stadtverordnete Gertrud Meyer-Sauerwein, die ihre gesamteFraktion anmeldete. Dass sie interfraktionell begeistert, demonstrierte auch Erster Stadtrat Wolfgang Schupp. Der 71-jährige Christdemokrat hat sein Fahrzeug ebenfalls eingemottet.

Pluspunkte fürs Klima

Wer sich zur CO2-freien Fortbewegung per Rad bekennt, muss an 21 Tagen, egal ob beruflich oder privat, die Blechkarosse gegen das Fahrrad tauschen. Im Online-Radelkalender (www.stadtradeln.de; www.facebook.com/stadtradeln) werden die persönlichen Fahrtstrecken von Gruppen oder Einzelteilnehmern eingegeben. Mit der Umweltaktion verbindet sich ein Gewinnspiel: Gesucht werden bei der siebten Veranstaltung dieser Art die tüchtigsten Kommunalparlamente, Gruppen und Kommunen mit den meisten Radkilometern.

Die Kampagne hat im Vorjahr - damals ohne Dieburgs Pedaleure - in 200 Kommunen 70.000 Menschen mobilisiert, die 13 Millionen Kilometer strampelten - und der Atmosphäre auf diese Weise 2000 Tonnen CO2 ersparten. „Jeder Kilometer mit dem Fahrrad ist ein Pluspunkt für unser Klima“, warb Thomas für die Aktion. Der passionierte Radfahrer ging mit gutem Beispiel voran und kutschierte zum Auftakt der Aktion die Sieger der Stadtradel-Gewinnspiels mit einer Fahrradrikscha durch die Altstadt.

Stadtradeln bietet neben dem Klimaschutz allen Teilnehmern, Löcher im Radwegenetz ihrer Kommune anzuzeigen. Erstmals wird bei der Initiative Stadtradeln mit dem „Radar“ eine Meldeplattform geboten, über den Radler der Verwaltung über die Stadtradel-App oder per Internet auf störende oder gefährliche Stellen aufmerksam machen können.

„Die teilnehmenden Kommunen können dieses Tool ergänzend zur eigenen Straßenkontrolle einsetzen und haben zugleich eine hervorragende Maßnahme der Bürgerbeteiligung zur Hand. Gemeinsam können also Kommunen mit deren Radfahrern für eine bessere Radinfrastruktur sorgen!“, heißt es seitens der Veranstalter. Auf dem Weg zur Fahrradstadt Dieburg hat die Kommune in der sanierten Groß-Umstädter Straße bereits Neuland beschritten (dazu auch weiterer Artikel auf Seite 3), was nicht ohne Kritik geblieben ist. Statt der früher üblichen Radwege bringe man Pedaleure jetzt unmittelbar in den Straßenverkehr, gebe ihnen durch die eigene Fahrspur einen stärkeren Status.

Anwohner der Umstädter Straße hätten bereits Rückmeldungen gegeben, dass der Autoverkehr durch die Neuerung deutlich langsamer flösse – auch wenn das Straßenbild deutlich schmäler wirke sei ausreichend Platz. Das Konzept soll auch bei der Sanierung der Frankfurter Straße Einzug halten. Und vielleicht werden die Verkehrsströme in den kommenden drei Wochen sogar ausgedünnt, wenn Dieburger ihr Automobil einmotten und aufs Fahrrad umsteigen.

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