Wo die Ringelnatter in der Sonne badet

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Guernsey-Rinder auf der Fohlenweide. Sie wurde 1989 als Naturschutzgebiet ausgewiesen.

Dieburg - Viele Bürger nutzen ihn als Freizeitgebiet zum Wandern, Joggen, Radfahren oder einfach zum Abschalten - den Wald. Die Erholung wird für alle Nutzergruppen vom Forstamt Dieburg gefördert. Der Wald soll aber auch Rückzugsgebiet für Wildtiere bleiben. Wie sind alle diese Anforderungen zu vereinbaren? Diesen und anderen Fragen widmet sich die Forstamt-Serie des DIEBURGER ANZEIGERs. Heute geht es um die Funktion des Forstamtes als Pfleger etlicher Naturschutzgebiete. Jährlich werden dafür spezielle Pflegepläne erstellt. Von Verena Scholze

Schmetterlinge gaukeln über wilden Orchideen, faul badet eine Ringelnatter in der Morgensonne: Solche Bilder gibt es auch im Wald um Dieburg zu beobachten. Aber sie entstehen nicht von Geisterhand. Um besondere Pflanzen und Tiere zu schützen, müssen besondere Maßnahmen ergriffen werden.

Naturschutzgebiete sind per Gesetz ausgewiesene Flächen, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Lebensstätten bestimmter wild wachsender Pflanzen- oder wild lebender Tierarten erforderlich ist. Es kann sich jedoch auch um Gebiete handeln, die wegen ihrer Seltenheit, besonderer Eigenart oder hervorragender Schönheit geschützt werden müssen. Jedes Naturschutzgebiet ist durch spezielle Schilder gekennzeichnet, welche die schützenswerte Fläche für den Außenstehenden von der übrigen Landschaft abgrenzen.

Der Auftrag zur Pflege der Naturschutzgebiete liegt bei der Oberen Naturschutzbehörde in Darmstadt“, erklärt Stefan Rickert vom Forstamt Dieburg. „Die konkrete Umsetzung ist jedoch an die Forstämter delegiert.“ Somit ist das Forstamt Dieburg für 16 Naturschutzgebiete mit einer Fläche von rund 574 Hektar zuständig. Zudem werden drei weitere Naturschutzgebiete in Zusammenarbeit mit Nachbarforstämtern betreut. Bei den drei Naturschutzgebieten im Dieburger Revier handelt es sich um die Fohlenweide und den Großen Hörmes bei Dieburg sowie den Faulbruch bei Münster. Auch der Reinheimer Teich sowie die Neuwiese von Messel fallen in die Zuständigkeit des Forstamtes Dieburg.

Die Hauptaufgabe des Dieburger Forstamtes ist hierbei die Umsetzung der Jahrespflegepläne, für deren Abstimmung und Organisation Rickert zuständig ist.

Schild am Beginn des Naturschutzgebietes Fohlenweide.

Jedes Jahr im Herbst treffen sich dazu die Zuständigen der Naturschutzbehörden, des Forstamtes, und der Naturschutzverbände, um die entsprechenden Pflegemaßnahmen für das kommende Jahr zu besprechen. Die Arbeiten, die in den Naturschutzgebieten anfallen, werden von verschiedenen Gruppen übernommen. So übernehmen die staatlichen Forstwirte unter anderem die Beschilderungen und Gehölzrückschnitte. Landwirte nutzen und pflegen die Grünflächen. Neben speziellen Unternehmern, die mit ihren Geräten beispielsweise Flächen entbuschen, engagieren sich auch ehrenamtliche Helfer von Naturschutzverbänden beispielsweise beim Amphibienschutz. „Bei der Umsetzung dieser Pflegepläne müssen wir flexibel handeln können“, erklärt Rickert. „Durch äußere Umstände wie beispielsweise wechselhafte Wetterlagen müssen wir die geplante Abfolge der Arbeiten aus den Pflegeplänen manchmal ändern und andere Arbeiten vorziehen.“

Als Vorgabe für die Jahrespflegepläne liegen zumeist Rahmenpflegepläne vor. Diese beinhalten Aussagendarüber, wie die Flächen entwickelt und gepflegt werden sollen. In Karten sind der Ist-Zustand, der Soll-Zustand und die vorzunehmenden Maßnahmen festgehalten. Im Text ist unter anderem vermerkt, welche Grünflächen wann und wie oft gemäht werden müssen.

Auch der Turnus zur Pflege und das Beschneiden von Bäumen werden hier genauestens erfasst. Die Revierförster verfassen jedes Jahr Observationsberichte für die Gebiete, in denen beispielsweise das Vorkommen an seltenen Tieren und Pflanzen sowie Nutzungsänderungen beschrieben werden.

Allgemein können nicht nur die Forstämter, sondern auch die verschiedenen Naturschutzverbände einen Antrag auf Neuausweisung eines Naturschutzgebietes stellen. Im Falle des Naturschutzgebietes Fohlenweide beispielsweise wurde dies 1974 durch den damaligen Forstamtsleiter Klier veranlasst. Als Begründung nannte er die „feuchten Wiesen mit umgebenden Wald“. Diesem Antrag wurde nach 15 Jahren schließlich stattgegeben und 1989 erfolgte die Verordnung der Naturschutzbehörde über dieses Gebiet.

Als ich das Gebiet der Fohlenweide 1990 übernahm, waren die Wiesen komplett mit Röhricht - einer Art Schilfrohr - zugewachsen“, erinnert sich Revierförster Peter Sturm. „Zwei Jahre lang wurden die Wiesen im Sommer von einem Unternehmer gemäht, bis sich der Zustand der Wiesen wieder in beweidbares Grünland veränderte“, so Sturm. Die Pflege der Grünflächen in der Fohlenweide ist seit Jahren dem Dieburger Landwirt Lutz Will übertragen. Für seine Herde von Guernsey-Rindern bieten die dortigen Grünflächen gute Weidebedingungen, während das anfallende Heu - frei von Düngemitteln oder Pflanzenschutzmitteln - wertvolles Futter für seine Pferdehaltung liefert.

Aber auch für viele Wildtierarten ist die Fohlenweide aufgrund der extensiven Bewirtschaftung wieder ein Zuhause. So trifft Revierförster Sturm auf seinen Kontrollgängen beispielsweise des Öfteren auf die seltene Ringelnatter. „Auch der Weißstorch ist hier ab und an nach der Mahd der Wiesen auf Futtersuche“, berichtet Sturm. Und dann gerät der Forstmann richtig ins Schwärmen: „Während der Blütezeit der wilden Orchideen im Frühjahr bietet sich dem Betrachter ein selten bunter Anblick von Farbtupfern aus unzähligen Blüten und Schmetterlingen.“

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