Risiko unter die Lupe genommen

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Mit den Risiken für Fahranfänger haben sich diese LGS-Schüler auseinander gesetzt.

Dieburg (lho) ‐  „Ich will Spaß, ich geb Gas…!“ So titelte in den 80ern ein Song der Neuen Deutschen Welle. Ein knappes Viertel Jahrhundert später ist die Faszination am schnellen Fahren immer noch aktuell, besonders bei jugendlichen Auto- und Motorradfahrern. Keine andere Altersklasse ist so stark unfallgefährdet wie die 18- bis 24-jährigen Fahranfänger.

Das Risiko, bei einem Autounfall verletzt oder getötet zu werden, ist für diese Jugendlichen etwa dreimal so hoch wie für den Durchschnitt der Bevölkerung. Der Drang nach Grenzerlebnissen, gepaart mit Unerfahrenheit führt oft zu Selbstüberschätzung und damit zu einer hohen Risikobereitschaft. Überhöhte Geschwindigkeit und eventueller Drogen- oder Alkoholeinfluss ergeben leider häufig eine tödliche Mischung.

Genau hier setzt „RiSk - Risiken im Straßenverkehr kommunizieren“, ein Präventionsprojekt an. Angeboten wird es vom Amt für Lehrerbildung mit Unterstützung der Unfallkasse Hessen, der Landesverkehrswacht, der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten und dem AvD.

Einfühlungsvermögen statt erhobener Zeigefinger

Zu Moderatoren ausgebildete Lehrkräfte arbeiten dabei mit Schülern der Haupt-Risikogruppen an beruflichen Schulen. Auch eine Berufsschulklasse der Landrat-Gruber-Schule in Dieburg – Einzelhandelskaufleute im 3. Ausbildungsjahr - konnte jetzt unter der Leitung von Christine Ostheimer, Referendarin und Moderatorin, an diesem Projekt teilnehmen.

Nicht der pädagogisch erhobene Zeigefinger war hier gefragt, sondern das einfühlsame Gespräch und vor allem das beobachtete Fahren. In der ersten Moderationsrunde wurde den Jugendlichen eine „Dilemma-Situation“ vorgestellt, die sie nicht selten schon selbst erlebt haben.

Viele Teilnehmer haben bereits Unfallerfahrungen

Angeregte Diskussionen bei den auf siebenköpfigen Gruppen aufgeteilten Schülern der Landrat-Gruber-Schule waren die Folge. Die Teilnehmer berichteten von ihren ganz persönlichen Erlebnissen und Gefühlen. Viele der Jugendlichen haben bereits Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder bei Unfällen verloren oder Verletzungen miterlebt, weshalb diese Gespräche oft sehr emotional verliefen. Um in diesen Fällen angemessen reagieren zu können, bedarf es ausgebildeter Moderatoren.

Die Teilnehmer lobten die angenehme Gesprächsatmosphäre. Ein Highlight für die jungen Auszubildenden war das anschließende beobachtete Fahren, bei dem sie in Begleitung eines Fahrlehrers selbst kreuz und quer durch Dieburg und Umgebung fahren konnten.

Nach drei Monaten werden die Teilnehmer noch einmal befragt

Dabei beobachteten die Mitfahrer den Fahrstil und das gesamte Verhalten des fahrenden Mitschülers. In der anschließenden Reflexion musste der eine oder andere Schüler erfahren, dass sich seine Mitfahrer längst nicht so sicher fühlten, wie er dachte.

Die Heimfahrt nach einem Discobesuch dürfte für die Jugendlichen künftig unter einem anderen Blickwinkel erfolgen - hoffentlich. Auf Vorschlag von Schulleiter Dieter Staudt verabredeten die Moderatoren zum Schluss, dass sie drei Monate nach dem RiSk-Tag die selben Auszubildenden noch mal befragen wollten, inwieweit die Erfahrungen und Erkenntnisse noch präsent sind.

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