Intensivstation etabliert sich als Beatmungszentrum / Zahl der Intensivbetten verdoppelt

Rochus kann mit Europa mithalten

Jürgen Banzer (l.), der Hessische Staatsminister für Arbeit, Familie und Gesundheit, und Bundestagsabgeordnete Patricia Lips (2. v. l.) erhalten von Patrick Schmenger, Leitender Arzt der Intensivstation im St. Rochus, Informationen über das Beatmungszentrum.

Dieburg -  Erst knapp ein Jahr ist seit der Eröffnung der Intensivstation am St. Rochus Krankenhaus vergangen, und schon hat sich das Dieburger Belegkrankenhaus als Zentrum für Beatmungsentwöhnung - so genanntes Weaning - erfolgreich etabliert.

Von vormals sechs konnte die Anzahl der Intensivbetten nahezu verdoppelt werden. Mittlerweile stehen zehn - sechs Intensivtherapiebetten mit Maximalversorgerstandard und vier Intensivüberwachungsbetten - zur Verfügung und eine Aufstockung auf 18 Betten ist geplant. Neben der Versorgung von Patienten, die nach operativen Eingriffen und bei Notfällen im Haus intensivmedizinisch betreut werden, hat sich das St. Rochus Krankenhaus auf die Entwöhnung von langzeitbeatmeten Patienten, die länger als eine Woche künstlich beatmet worden sind, spezialisiert. Und das mit hervorragendem Erfolg: Die Entwöhnungsdauer der Patienten in Dieburg kann dem Vergleich mit den großen Weaning-Zentren Europas mehr als standhalten.

In der Regel brauchen Patienten, die sieben Wochen künstlich beatmet worden sind, etwa sieben bis 14 Tage, bis ihre Atemmuskulatur wieder hergestellt ist und sie wieder ohne Hilfsmittel atmen können. Große Weaning-Zentren in Europa schaffen das innerhalb von acht bis zehn Tagen. Im St. Rochus Krankenhaus liegt die mittlere Entwöhnungsdauer bei neun Tagen.

Dass das Team der Intensivstation gute Arbeit leistet, belegt auch die niedrige „Versager-Quote“. Lediglich fünf Prozent der Weaning-Patienten sprechen auf die Entwöhnungstherapien in Dieburg nicht an; andernorts liegt der Anteil bei etwa 30 Prozent.

Diese positive Bilanz hat sich schnell herumgesprochen: Aus elf verschiedenen Kliniken im ganzen Rhein-Main-Gebiet, aus Baden-Württemberg, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen werden mittlerweile Patienten aufgenommen, um sie in Dieburg von maschinellen Beatmungsgeräten zu entwöhnen. Bisher mussten Weaning-Patienten in weit entfernte Zentren transportiert werden.

Mit dem Beatmungszentrum Hessen Süd gibt es im Rhein-Main-Gebiet nun eine Anlaufstelle für Weaning-Patienten gleich mehrerer Fachrichtungen: Innere Medizin, Chirurgie und Neurologie. Ein Bild über die positive Entwicklung des St. Rochus Krankenhauses und seine Intensivstation wollte sich auch der Hessische Staatsminister für Arbeit, Familie und Gesundheit, Jürgen Banzer (CDU), machen und besuchte am vergangenen Freitagabend zusammen mit der Bundestagsabgeordneten Patricia Lips (CDU) das Beleghaus. „Zurzeit werden bei uns neun Weaning-Patienten therapiert. Zwei Patienten von anderen Kliniken befinden sich in der Warteschleife und können aufgenommen werden, sobald wir Platz haben“, beantwortete Dr. med. Patrick Schmenger, Leitender Arzt der Intensivstation, die Fragen des Ministers und der Abgeordneten beim Rundgang über die vergrößerte Intensivstation.

Bis zu zehn Prozent der Krankenhausbetten seien mittlerweile Intensivbetten und der Bedarf steige. Jeder zehnte Patient auf den Intensivstationen müsse langzeitbeatmet werden, erklärt Schmenger die Situation an den Krankenhäusern. „Das und die Entwöhnung vom Beatmungsgerät ist sehr zeitaufwendig, kostenintensiv und den Akutkrankenhäusern fehlen gleichzeitig die Intensivbetten zur Behandlung akuter Krankheitsbilder.

Durch die Abgabe ihrer Weaning-Patienten nach Dieburg können die Intensivstationen der Krankenhäuser entlastet werden und sind in der Lage, Akutpatienten aufzunehmen und zu behandeln“, so Schmenger. Und nicht zuletzt die Patienten und ihre Angehörigen profitieren von kürzeren Transportwegen hin zu einem Beatmungszentrum in ihrer Nähe und einem kürzeren Aufenthalt aufgrund des spezialisierten Teams aus Ärzten, Pflegepersonal und Physiotherapie.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare