Vom Nullpunkt in die Zukunft

Rochus Krankenhaus geht neue Wege

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Das St. Rochus Krankenhaus (Bildmitte) soll durch Restrukturierungen wieder rentabel werden, damit den Dieburgern ihr Traditionskrankenhaus auch in Zukunft erhalten werden kann.

Dieburg - Durch Restrukturierungsmaßnahmen soll das schon seit etlichen Jahren defizitäre St. Rochus Krankenhaus, das allein im vergangenen Jahr drei Millionen Euro Verlust gemacht hat, wieder zurück in die Rentabilitätszone geführt werden. Von Laura Hombach 

Zu der Neuaufstellung gehört auch der Abbau von 40 Stellen. Wie der weitere Weg des Dieburger Traditionskrankenhauses aussehen soll, war gestern Thema einer Pressekonferenz. „Wir müssen erst einmal auf den Nullpunkt kommen, sonst geht es nicht weiter - auch wenn das schmerzhaft ist“, erklärte Pfarrer Angelo Stipinovic (Viernheim), der sich im Auftrag des Bistums für den Erhalt des St. Rochus Krankenhauses engagiert. Der Nullpunkt, das ist die Anpassung der Personalzahlen an die derzeitige Bedarfssituation des Hauses. Während einige Stellen durch Personalfluktuation abgebaut werden konnten, musste 29 Mitarbeitern die Kündigung ausgesprochen werden (wir berichteten). Bis heute haben die Betroffenen Gelegenheit, sich für den Übergang in eine Transfergesellschaft zu entscheiden. Mit rund 1,5 Millionen Euro Kosten für diese Stellenabbaumaßnahme rechnet Stipinovic.

Gleichzeitig prognostiziert er aber auch eine jährliche Einsparung von anderthalb bis zwei Millionen Euro durch die verminderten Personalzahlen. Weitere Einsparungsmöglichkeiten sollen durch Synergieeffekte erzielt werden. „2016 könnten wir dann auf eine schwarze Null kommen“, ist Stipinovic zuversichtlich.

Restrukturierungen am Haus

Wie genau die Restrukturierungen am Haus aussehen sollen, wird sich in den nächsten Monaten klären. Zunächst einmal soll nun auch in Gesprächen mit den am Haus tätigen Medizinern eruiert werden, wie man zu neuen Organisationsstrukturen kommen könnte. Abhängig ist die zukünftige Ausrichtung des Hauses auch davon, ob und welche neuen Belegärzte sich auf Ausschreibungen des Krankenhauses melden werden. Es gäbe in der Region noch Nischen im internistischen Bereich, die man sich vorstellen könnte, in Dieburg zu füllen, so Stipinovic.

Aber auch nach Belegärzten, die am St. Rochus Krankenhaus für Leben im Kreißsaal sorgen könnten, wird gesucht. Denn momentan sieht es um die Zukunft der Geburtsabteilung eher düster aus. Mit rund 800 Geburten pro Jahr ließe sich die Aufrechterhaltung einer Geburtsstation finanzieren, rechnete Stipinovic vor. Im St. Rochus sind es derzeit keine 300 Säuglinge, die hier pro Jahr das Licht der Welt erblicken. „Bis zum 30. Juni ist die Geburtshilfe am St. Rochus gesichert“, so Stipinovic, wie es danach weitergehe, könne er nicht sagen.

Parallel zu den eigenen Restrukturierungsmaßnahmen sollten auch die Gespräche mit den Kreiskliniken und dem Klinikum Darmstadt wieder aufgenommen werden, um über neue Möglichkeiten der Kooperation zu verhandeln, erklärte Stipinovic. Er widersprach damit dem Eindruck, die Gespräche seien gescheitert. „Wir haben uns nur für ein Moratorium entschieden.“ Zu diesem Entschluss sei es gekommen, nachdem die Verhandlungspartner dem St. Rochus ein Sanierungskonzept vorgelegt hatten, das einen massiven Stellenabbau beinhaltet hatte.

Schritte für eine Neuausrichtung

Nun habe man selbst die ersten Schritte für eine Neuausrichtung des Hauses getan. Zur Suche nach einem Kooperationspartner gibt es nach Stipinovics Dafürhalten aber keine Alternative. Er wolle zwar nicht völlig ausschließen, dass das St. Rochus weiter als eigenständiges Belegkrankenhaus bestehen könne, erklärte er, in der Regel könnten kleine Krankenhäuser allerdings nicht ohne Kooperationspartner existieren.

Natürlich geht es bei den Restrukturierungsmaßnahmen zunächst einmal darum, das Haus wieder rentabel zu machen. Trotzdem war es dem neuen Geschäftsführer des Krankenhauses, Frank Bletgen wichtig, das Anliegen des Bistums zu betonen, den Dieburger Bürgern auch weiterhin diese karitative Versorgung am Ort bieten zu können. „Für uns steht die gute Patientenversorgung im Vordergrund“, so Bletgen.

Um das St. Rochus in eine gesicherte Zukunft zu führen, sollen nun neue Wege beschritten werden. „In der Vergangenheit haben wir auf Konzepte gesetzt, die sich dann nicht realisieren ließen. Jetzt sagen wir, wir wissen noch noch nicht, wie wir das Haus weiterentwickeln“, machte Bletgen klar, dass sich die Details der Restrukturierungsmaßnahmen erst noch erarbeitet werden müssen.

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