Demo vor dem Krankenhaus

„Rochus soll unsere Zukunft sein“

+
„Wir Babys wollen bleiben im St. Rochus“, hieß es auf diesem Kinderwagen bei der Demo zum Erhalt der Geburtshilfe.

Dieburg - Die Geburtshilfe am Krankenhaus St. Rochus steht vor dem Aus: Ab dem 1. Juli sollen keine Entbindungen mehr möglich sein.

Dass das in erster Linie mit dem Ärztemangel in der katholischen Klinik und weniger mit dem Geburtenrückgang sowie den Sanierungsmaßnahmen zusammenhängt, war eine der Informationen, die eine Mütter-Initiative am Samstagmittag rund 300 Freunden, Patienten und Mitarbeitern auf dem Marktplatz schriftlich an die Hand gab. Die Demonstration für den Erhalt der Station, die Jahrzehnte lang zu den Aushängeschildern in der Kratzengasse gehört hatte, fand starke Beachtung bei Bevölkerung, Medien und Offiziellen.

So waren zur Veranstaltung unter anderem Rochus-Geschäftsführer Frank Bletgen, Bürgermeister und Kuratoriumsvorsitzender Werner Thomas sowie Pfarrer und Vorstand Alexander Vogl an den Marktplatz-Brunnen gekommen. Dort machten viele mit Trillerpfeifen auf sich und die Transparente aufmerksam, auf denen etwa „Das Rochus soll unsere Zukunft sein“ zu lesen war.

Bletgen wollte die Demonstration auch als gemeinsames Zeichen des Krankenhauses und seines Umfelds an Krankenkassen und die große Politik verstanden wissen. Der seit Anfang des Jahres im Amt weilende Geschäftsführer der Stiftung St. Rochus, die auch für das Seniorenheim in der Gerhart-Hauptmann-Straße verantwortlich zeichnet, sieht nicht nur in den stark gestiegenen Kosten für die Haftpflicht-Versicherungen entbindender Frauenärzte die Ursache für den Gynäkologenmangel in Dieburg, sondern auch in der Vergütungsstruktur insgesamt. Derzeit sei es für Gynäkologen mit einer Praxis wenig attraktiv, sich zusätzlich als Belegarzt im St. Rochus einzubringen. Daran scheiterten in den vergangenen Wochen mehrere Gespräche mit Kandidaten. Derzeit stemmen zwei Dieburger Gynäkologen neben dem Praxisalltag 300 Geburten pro Jahr und den Bereitschaftsdienst rund um die Uhr.

Die schönsten Baby-Bäuche

Die schönsten Baby-Bäuche

„Wir wollen uns mit den Mitarbeitern, die uns während unserer Schwangerschaft wirklich sehr gut betreut haben und deren Station dennoch geschlossen werden soll, solidarisieren“, erläuterte am Samstag in Rebecca Meseth eine Dieburgerin, die im vergangenen Herbst ihr erstes Kind im St. Rochus bekam, ein Anliegen der Initiatoren. Die junge Mutter Nadya Büttner erläuterte ein zweites: „Wir wollen vor allem informieren und aufklären - und auch unsererseits noch einmal versuchen, mit Gynäkologen der Region ins Gespräch zu kommen.“ Ein halbes Dutzend Ärzte aus dem Raum Dieburg hat die Initiative inzwischen angeschrieben - in der Hoffnung, dass nach 62 Jahren Geburtshilfe am St. Rochus Ende Juni doch noch nicht Schluss sein muss.

jd

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare