Werben mit Eis und Erbsensuppe

Bürgermeister-Kandidaten legen sich noch einmal ins Zeug

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Thomas Disser enthüllte einen „I love Dieburg“-Schriftzug Noch in diesem Jahr will Disser – unabhängig davon, ob er Bürgermeister wird – eine Bürgerstiftung gründen. Für Erik Marx rockten Christiane Bubach und Sabine Gschwendtner. In der Zuckerstraße rund um den Fastnachtsbrunnen hatte Frank Haus seinen Wahlkampf-Stand aufgeschlagen. Für Renée Exner gehörte am Wochenende das Aufstellen mehrerer Litfasssäulen in der Innenstadt zum Programm.

Dieburg - Es hätte kaum bessere Jagdgründe geben können für Dieburgs Bürgermeisterkandidaten als die Innenstadt am Samstagvormittag. Der erste Frühlingstag verwöhnte die vielen Flaneure mit Sonne satt, die Nachwehen der Fastnacht waren weitgehend abgeklungen. Von Jens Dörr 

Die Dieburger sind überaus interessiert daran, wer als Chef ins Rathaus einzieht. Auch die Kandidaten äußerten sich am Samstag teils überwältigt von der Anteilnahme am Fünfkampf zwischen Renée Exner (CDU), Frank Haus, Thomas Disser, Erik Marx und Hein Gottfried Fischer (alle unabhängig). Disser löste dabei seine angekündigte Überraschung ein.

Als er mit einigen Helfern –Disser wird von Dieburgs SPD unterstützt – kurz nach halb elf an seinem Stand am Marktplatz ein langes Banner entfernte, kam ein Schriftzug zum Vorschein: „I love Dieburg“. Das „love“ hatte Disser durch ein Herz ersetzt, das „I“ brachte ihm nach dem ersten Applaus die kritische Frage eines Passanten ein, weshalb man nicht das deutsche Wort „Ich“ benutzen könne. Disser versprach hochoffiziell, das „c“ und „h“ nachzureichen. Wichtiger aber war, was der Schriftzug symbolisieren sollte: Noch dieses Jahr will Disser unter dem kurzerhand geänderten Namen „Ich liebe Dieburg“ eine Bürgerstiftung ins Leben rufen, die zunächst als gemeinnütziger Verein gegründet werden soll. Dies werde er unabhängig davon in Angriff nehmen, ob er gewählt werde oder nicht, sagte er.

Die Stiftung solle unter anderem die Förderung kultureller Vorhaben in der Stadt verbessern, aber auch anderweitig politisch und gestalterisch eingreifen. Dies könne zum Beispiel den Aufkauf von Grundstücken betreffen, die die Stadt selbst nicht erwerben wolle oder könne, um auf diese Weise einen Einfluss auf die Nutzung entsprechender Areale zu nehmen. „Die Bürger sollen dadurch eigene Stärke gewinnen - eventuell auch gegen mich, wenn ich zum Bürgermeister gewählt werden sollte.“ Eine Bürgerstiftung gibt es in direkter Nachbarschaft etwa in Münster, laut Disser funktioniere ein solches Modell der Mitwirkung beispielsweise in Breuberg sehr gut. Durch „Werbung, Werbung, Werbung“, auch durch den Bürgermeister selbst, solle die Stiftung in puncto Kapital „relativ schnell in den siebenstelligen Bereich kommen“.

Neben Disser hatte direkt auf dem Marktplatz auch Erik Marx Zelt und Wahlkampfstand aufgeschlagen. „Meine Highlights im bisherigen Wahlkampf waren die Busfahrten“, blickte er zurück. Am Sonntag folgte die dritte Tour. Unter anderem mit einem Infoabend im Pater-Delp-Haus, viermaligem Wahlkampf in der Innenstadt und bei Vereinsbesuchen warb er für seine Kandidatur. Und wurde am Samstag von zwei Frauen auf rockige Art und Weise beschrieben: Christiane Bubach und Sabine Gschwendtner hauten zwar nur symbolisch in die Gitarrenseiten, ihr Gesang aber war live. So huldigten sie ihrem Kandidaten zum AC/DC-Song „TNT“ mit Versen wie: „Erik Marx, ein Mann aus Stahl – Erik Marx, jetzt hammer die Wahl!“

Etwas beschaulicher – allerdings nicht in Sachen Interesse der Passanten, das auch dort äußerst rege war – ging es einige Meter weiter am Fastnachtsbrunnen zu. Dort machten sowohl Renée Exner als auch Frank Haus auf sich aufmerksam. Exner verwöhnte die Besucher der Innenstadt mit der von Rudi Kipp gekochten Erbsensuppe. Die hatte er auch schon nach seinem Bürgerrundgang im DJK-Heim serviert, neben Vereinsfrühstück, Hausbesuchen, Wahlkampf-Zeitung, närrischen Plakaten, Litfasssäulen, Gewerbe-Infoabend und Ständen mit der Jungen Union eine von vielen Aktivitäten Exners. Dass sein närrischer Plakatgruß in drei verschiedenen Kostümierungen, freilich nicht ohne Zusammenhang mit der nahenden Wahl, in einer Fastnachtsstadt wie Dieburg für so viel Diskussionsstoff sorgen würde, hätte er nur bedingt für möglich gehalten, sagte der Christdemokrat. Die vergangenen Monate insgesamt seien sehr anregend gewesen, aber auch „kräftezehrend, weil man parallel ja auch noch arbeitet“, so der Inhaber einer Praxis für Physiotherapie mit Standorten in Dieburg und Groß-Zimmern.

Wer bei Exner Erbensuppe geschlemmt hatte, fand bei Frank Haus nebenan derweil den Nachtisch: himmelblau gefärbtes Vanilleeis, passend zum Farbdesign der Wahlkampf-Flyer und -Plakate des Rechtsanwalts. Haus hat seinerseits einen Wahlkampf-Marathon hinter sich: allein 25 Vereinsbesuche gehörten dazu, ein politischer Frühschoppen in der „Stoawäjer Stubb“, ein Infonachmittag im Pater-Delp-Haus, eine Gesprächsrunde im Apfelweinhof, eine Kennenlern-Joggingrunde und Quartiersbesuche. Sein Eindruck aus den vergangenen Wochen: „Ich hatte viel Freude an vielen positiven Gesprächen. Ich war überrascht, wie groß das Interesse der Dieburger ist.“

Für den kommenden Sonntag rechne er mit einer Wahlbeteiligung von mehr als 50 Prozent. Die mag nicht jedem riesig vorkommen, ist inzwischen aber auch kein Selbstläufer mehr. Vielleicht setzen die Dieburger am 12. März ja mit einer Beteiligung von 60 Prozent und mehr ein demokratisches Ausrufezeichen –dann wäre die Wahl auch über die Stadtgrenzen hinaus in mancher Leute Munde. Ins Gespräch gebracht hatte sich in Hein Gottfried Fischer der fünfte Kandidat unterdessen schon am Freitagnachmittag: Da stand er an der Brückenmühle und winkte Auto- und Radfahrern freundlich zu. Auf Plakate hatte Fischer als einziger Kandidat verzichtet, ebenso auf eine Website.

Podiumsdiskussion in Dieburg: Bilder

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