Wo Römer und Adelige tafeln

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So einen Service gibt es für Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning (Mitte) im Parlament nicht: Als römischer Senator lässt er sich - wie auch Hartmut Wendt neben ihm - von einer Sklavin bewirten.

Dieburg ‐ Das waren noch Zeiten: Im Keller liegen Senatoren zu Tische, bedient von einer hübschen blonden germanischen Sklavin. Die Gattin des einen muss auf einem Stuhl davor Platz nehmen. Von Lisa Hager

Frauen und Kinder durften bei den Festmahlen der vornehmen Römer nicht liegen, sie mussten sich mit Stühlen begnügen. Auch dass die Toga eines Senators mehrere Kilo wiegt und durchaus wärmt, obwohl nackte Beine und Arme hervorschauen, konnte man gestern Nachmittag beim Internationalen Museumstag im Schloss Fechenbach lernen: Hier wurde Geschichte lebendig, zeigte sich in Gesichtern, Stimmen und Gesten.

Die Mitglieder des Museumsfördervereins haben diese „Erweckung“ geschafft: Auf mehreren Etagen wurden in kleinen Szenen historische exemplarische Momentaufnahmen nachgespielt.

im Fechenbach-Zimmer ist derweil ein Kaffeekränzchen adliger Damen im Gange.

Während sich im Untergeschoss die Römer im Triclinium (Speisesaal) vergnügten, hatte eine adlige Dame (Christel Danz) ihre nicht minder vornehmen Freundinnen (Elke Bürger-Lehr und Gisi Charvat) zum Kaffeekränzchen ins Fechenbach-Zimmer gebeten. Der Kuchen schien ganz frisch zu sein, obwohl sich die Gespräche um aktuelle Themen aus dem Jahr 1840 drehten: Im streng katholischen Dieburg haben sich 14 evangelische Familien angesiedelt, die ihre Kinder von einem Privatlehrer namens Ernst Elias Niebergall unterrichten lassen, der am Markt wohnt. Und dieser erlangt - allerdings erst posthum - mit seinem „Datterich“ als Autor hessische Berühmtheit. In seinem Stück „Der dolle Hund“ verarbeitet er auch Dieburger Erlebnisse - beispielsweise die mit der „besten Worscht“ vom Metzger und Wirt des Gasthauses „Zum Goldenen Engel“.

Ingrid Weng als Kriegerwitwe vom Land liest aus dem „Handbuch der deutschen Hausfrau“.

Über ein Jahrhundert weiter waren die Besucher gereist, die einer Kriegerwitwe (Ingrid Weng) vom Land mit schwarzem Kapotthut im Nebenraum zuhörten. Sie las unter anderem aus dem „Handbuch für deutsche Hausfrauen“, das der Mutter der Darstellerin gehörte.

Quasi auferweckt wurde gestern der fränkische Reiter (400 bis 500 n. Chr.), dessen Grab samt Beigaben auf dem Gelände des heutigen Schwimmbads gefunden wurde. Christine Klostermann spielt die Großmutter der Frau, die diesen Reiter heiraten soll. Aus Bernsteinen, die sie einem fahrenden Händler abgekauft hat, fertigt sie eine Kette als Hochzeitsgeschenk und macht damit die Geschichte wieder lebendig.

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