Kein geänderter Vertrag – Pächter geht im September 2019

Römerhalle in Dieburg: Niestatek kündigt

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Die nächste Fastnachtskampagne wird die letzte unter der gastronomischen Regie des Teams um Tobias Niestatek sein.

Dieburg -  Gastronomen auf der Suche nach einem neuen Betätigungsfeld dürften dieser Tage verstärkt nach Dieburg schauen: Nach dem Mini-Café muss sich die Stadt nun auch für die Römerhalle einen neuen Pächter suchen. Von Jens Dörr

Was sich in den vergangenen Wochen bereits angedeutet hat, liegt der Stadt Dieburg nun schwarz auf weiß vor: Tobias Niestatek, Pächter des Restaurants und der Räume im Obergeschoss in der Römerhalle, hat seinen Vertrag mit dem Rathaus schriftlich gekündigt. Ende September 2019 verabschieden sich Niestatek und sein Team nach dann acht Jahren. Ursprünglich hätte die Zusammenarbeit mindestens bis 2021 dauern sollen.

Hat den Vertrag mit der Stadt gekündigt und geht Ende September 2019 aus der Römerhalle raus: Gastronom Tobias Niestatek, hier bei Bewirtung eines CDU-Wahlhelfers zum Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel in dieser Woche.

Niestatek führt als Gründe für seine Entscheidung auch in diesen Tagen das an, woraus er schon in der jüngeren Vergangenheit weder gegenüber unserer Zeitung noch gegenüber dem Magistrat sowie den Stadtverordneten ein Geheimnis gemacht hatte: Der Gastronom wünschte sich eine Anpassung seines Vertrags, der bisher unter anderem vorsah, dass er das Restaurant (und damit verbunden die Räume im Obergeschoss) maximal an einem Abend pro Woche geschlossen lassen darf. Dies war in den ersten Jahren nach der Eröffnung von Dieburgs neuer Stadthalle im September 2011 auch der Fall gewesen. Zuletzt hatte Niestatek allerdings an drei Abenden – montags, dienstags, mittwochs – zugelassen. Dies hatte der Magistrat geduldet, schriftlich aber nicht angepasst.

Einigen Stadtverordneten waren die drei geschlossenen Abende zu viel, was sie auch deutlich gemacht hatten.

Gut Stubb: Für die Zeit ab Oktober 2019 muss die Stadt nun einen neuen Gastronomen für die Römerhalle suchen. 

Eine Bedarfsermittlung für die regelmäßige Nutzung der Räume im Obergeschoss im Zeitraum von Montag bis Mittwoch hatte jüngst ergeben, dass lediglich bei einem Dieburger Verein Nachfrage bestand. Dies hatte Niestatek schon so prognostiziert. Außerdem betont der Gastronom auch jetzt, dass sich das Ausgehverhalten in Dieburg dahingehend geändert habe, dass zumindest sein Restaurant an den drei ersten Abenden der Woche nicht wirtschaftlich zu betreiben sei: Dann sei einfach zu wenig los.

Ganz anders sehe es vormittags und mittags aus: „Unser Frühstücksbuffet boomt, auch der Mittagstisch läuft gut.“ Diese Angebote macht Niestatek auch montags, dienstags und mittwochs, steht für besondere Veranstaltungen (wie am vergangenen Dienstag etwa die CDU-Wahlkampfveranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel) an diesen Tagen auch abends zur Verfügung. „Wir sind insgesamt sogar an mehr Servicestunden als früher für unsere Gäste da, konnten den Betrieb durch die Verlegung von den Abendstunden in den Vormittag und Mittag wirtschaftlicher gestalten.“

Kanzlerin Merkel zu Besuch in Dieburg: Bilder

Er hätte „nun aber gern mal mehr als nur eine erneute Duldung durch den Magistrat“ bekommen. Auch habe ihn der Gegenwind „von einem Teil der Stadtverordneten, die lieber über einen anstatt mit einem geredet haben“, sehr verärgert und letztlich auch Motivation geraubt. So habe er zwar verfolgt, dass es im Parlament etwa das Bestreben gebe, den Zuschussbedarf für den Römerhallen-Betrieb (gleichwohl den Löwenanteil davon ohnehin die Abschreibungen ausmachen) zu reduzieren. Obwohl er bereit gewesen sei, sich dabei mit Ideen einzubringen, sei er praktisch nicht eingebunden worden.

Im nächsten Jahr werde er mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen. „Wir haben das hier mit viel Herzblut gemacht und werden auch bis Ende September nächsten Jahres nicht nachlassen“, verspricht der Dieburger, der danach weiter gastronomisch und auch auf der Eventschiene tätig bleiben und zudem das „Sommerfest im Schlossgarten“ 2019 erneut auf die Beine stellen will. Veranstaltungsbuchungen nehme er noch für die Zeit bis Juli 2019 an. Obwohl er die Römerhallen-Gastronomie habe profitabel betreiben können, die Halle praktisch jedes Wochenende mit (meist nichtöffentlichen) Veranstaltungen ausgebucht sei, werde er die „80- bis 110-Stunden-Wochen“ ab Herbst nächsten Jahres freilich weniger vermissen.

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