Römerhalle: Mehr Fragen als Antworten

+
Langsam läppert es sich zusammen: die Kosten der hier entstehenden Römerhalle werden steigen.

Dieburg ‐ 1,8 Millionen Mehrkosten für den Bau der Römerhalle galt es am Donnerstagabend in der Stadtverordnetenversammlung zu diskutieren. An Architekt Tilman Lange war es, den Politikern und den zahlreichen Zuschauern die beträchtlichen Mehrkosten zu erläutern.  Von Laura Hombach

Lange stellte gleich zu Beginn seiner Ausführungen klar, dass er nicht den Auftrag als Gesamtplaner der Halle habe, sondern mit einem ganzen Stab von Fachplanern zusammenarbeite. Die waren mit angereist, um dem Parlament Rede und Antwort zu stehen. Keine große unerwartete Kostenstelle ist es indes, die die Baumaßnahme derart verteuert. Stattdessen lag den Stadtverordneten eine Liste mit 40 Einzelpunkten vor, auf die sich der Architekt in seinen Erläuterungen bezog.

Ferdinand Böhm (SPD) gestand angesichts der angeführten Zusatzkosten für den Spatenstich denn auch seine Mitschuld ein: „Ich bekenne mich schuldig, ich habe beim Spatenstich ein Glas Sekt getrunken.“ Galgenhumor, denn ansonsten konnte Böhm, wie die Vertreter aller anderen Fraktionen, die sich zum Thema Römerhalle zu Wort meldeten, nur seinem Entsetzen Ausdruck verleihen. Auch wies Böhm auf zwei nicht unerhebliche Stellen in dem 40-Punkte-Mehrkostenpaket hin, die angesichts der Situation besonders ärgerlich sind: So erhöht sich das Honorar für den Architekten um ganze 295 000 Euro, die weiteren Honorare werden ebenfalls um 147 000 Euro nach oben korrigiert.

Grüne errechnen Kostenbetrag von 10 Millionen Euro

Unverständnis, wie es so plötzlich zu derart gestiegenen Kosten kommen konnte, war aus allen Redebeiträgen herauszuhören. Zumal das Parlament schon in der Planungsphase deutlich gemacht hatte, dass die Kosten gedeckelt seien. Zahlreiche Parlamentarier hatten damals schon den von Lange vorgestellten Kostenaufstellungen misstraut und sahen sich jetzt aufs Traurigste bestätigt.

Andreas Will (Grüne) stellte indes seine eigene Kostenrechnung auf: Da die 1,8 Millionen netto seien, sei von 2,2 Millionen brutto auszugehen, hinzu kämen die bereits im letzten Jahr zugestandenen Mehrkosten sowie die Kosten, die sich an anderer Stelle im Haushalt verbergen. So kam Will auf eine Summe von 10 Millionen und einer Kostensteigerung von 100 Prozent. Die von Lange jetzt aufgeführten fehlenden Erschließungskosten habe man schon vor einem Jahr moniert, da ließe sich kaum erklären, weshalb sie erst jetzt nachgetragen würden, kritisierte er weiter.

„Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht“

Und auch bei den anderen Fraktionen sorgten Langes Ausführungen, die bisweilen von einem der Fachplaner ergänzt wurden, weder für Klarheit noch Verständnis. Eigentlich habe man erwartet, dass man bei Kostenveränderungen auf dem Laufenden gehalten würde, erklärten Wilhelm Reuscher (FDP) und Friedrich Jakob (CDU). Doch nicht allein auf den Planer, auch auf die Stadtverwaltung mit ihrem Chef, Bürgermeister Dr. Werner Thomas, wurde bei der Suche nach den Verantwortlichen gedeutet. Es könne nicht angehen, dass das Parlament die Kosten im Detail im Auge habe, das sei Sache der Verwaltung, so der Tenor. Er übernehme die Verantwortung, erklärte der Bürgermeister. Allerdings gäbe es in der Stadtverwaltung keinen Mitarbeiter, der in der Lage sei, die Einzelposten einer solch umfangreichen Maßnahme auf deren realistische Preisgestaltung zu überprüfen. Eine Aussage, die erneut für Unglauben bei den Fraktionen sorgte.

Bereits im Vorfeld der Sitzung stand fest, dass die Mehrkosten in der nächsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am 15. April behandelt werden sollen. Dann sollen auch die vielen Fragezeichen angegangen werden, die nach anderthalbstündiger Diskussion weiter im Raum standen. „Wir müssen versuchen, die Kosten wieder in den Griff zu kriegen“, hatte Reuscher gefordert. Genau das wird wohl die große Aufgabe des von ihm geleiteten Finanzausschusses sein. Die Planer und die Stadtverwaltung bekamen die Aufgabe, bis zum 15. April unabdingbare Ausgaben und solche, die man streichen könnte, auf der 40-Punkte-Liste kenntlich zu machen. „Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht“, unkte Marc Hiltrop (CDU) gegen Ende der Diskussion und sprach damit wohl den meisten Parlamentariern aus der Seele.

Kommentare