Römischer Bronze-Eimer im Brunnen

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Erstmals in Dieburg öffentlich zu sehen: ein römischer Bronze-Eimer, der bei den Tunnelbauarbeiten in einem historischen Brunnen gefunden wurde.

Dieburg (eha) - Frisch restauriert gehört er zu den neuesten Entdeckungen aus der römischen Vergangenheit Dieburgs: ein schlichter römischer Bronze-Eimer.

Er ist Teil der neuen Sonderausstellung im Museum Schloss Fechenbach, unter dem Titel UNESCO-Welterbe Limes – Römisches Erbe in Hessen. Sie ist ab Dienstag, 11. September, zu besichtigen. Die Ausstellung behandelt den Obergermanisch-Raetischen Limes, Deutschlands größtes Bodendenkmal, das im Jahre 2005 zum Welterbe der UNESCO ernannt wurde. Dieburg selbst lag einige Kilometer hinter der römischen Grenzlinie, doch trotzdem im unmittelbaren Hinterland.

Militärisches „Frühwarnsystem“

Der Limes, ein groß angelegtes Grenzsicherungssystem wurde vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr. in Europa, Kleinasien und Nordafrika angelegt. Dort wo keine natürlichen Grenzmarkierungen wie Flüsse oder Gebirge vorhanden waren, kennzeichneten die Römer ihre Reichsgrenzen durch mehr oder weniger lockere Ketten von Kastellen bis hin zu durchgehenden und mit Wachtürmen versehenen hölzerner Palisaden oder Steinmauern. Die Grenzanlagen waren nicht zur Abwehr von Angriffen gedacht und dazu auch meist nicht geeignet. Sie sollten primär die Kontrolle beziehungsweise Kanalisierung des täglichen Waren- und Personenverkehrs und eine schnelle Nachrichtenübermittlung zwischen den Wachposten gewährleisten.

Blick auf eine Zollstation am Limes: Illustration aus der Dauerausstellung des Dieburger Museums, gezeichnet von Christian Meyer zu Ermgassen.

Neben der Funktion als militärisches „Frühwarnsystem“ diente der Limes auch als Zollgrenze. Zusätzlich zur Limespräsentation werden in der neuen Sonderausstellung auch Exponate aus den Museumsmagazinen von Dieburg und Darmstadt und neueste Forschungsergebnisse aus Dieburg, dem einstigen römischen Civitas-Hauptort, präsentiert. Der Bronze-Eimer gehört zu den Funden der letzte Jahre, die im Zuge von Baumaßnahmen und archäologischen Ausgrabungen im Stadtgebiet geborgen wurden. Das Gefäß kam im vergangenen Jahr bei Baggerarbeiten im Bereich der Bahnunterführung zum Vorschein. Da lässt sich viel spekulieren, warum der golden schimmernde Eimer, der zum Weinmischen diente, in einem Brunnen landete. Vermutlich geschah es um 233 n. Chr. im Zuge der „Alamanneneinfälle“. Wurde er vergessen, nachdem man ihn vor plündernden Germanen versteckte? Sollte er eigentlich über den Limes geschleppt werden, um einem Germanenhäuptling als Trophäe zu dienen? Vieles ist möglich.

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, 9. September, um 16 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses statt. Es spricht der hessische Limesbeauftragte Thomas Becker. Geöffnet ist die Ausstellung ab dem 11. September bis 20. Januar 2013. Ein Begleitband ist im Museumsshop erhältlich.

Öffnungszeiten: dienstags bis samstags von 14 bis 17, sonn- und feiertags 11 bis 17 Uhr. Informationen: www.museum-schloss-fechenbach.de.

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